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Für ein solidarisches Europa - Kirchen beklagen Trend zur Entsolidarisierung

Bootsflüchtlinge ertrinken im Mittelmeer, Seenotretter dürfen Häfen nicht ansteuern. Auf der Synode der Evangelischen Waldenserkirche in Torre Pellice bei Turin haben italienische und deutsche Kirchenvertreter eine humanitäre Flüchtlingspolitik gefordert. Aus Seenot gerettete Flüchtlinge müssten auf europäische Länder verteilt werden. Zudem beklagten sie einen europaweiten Trend zur Entsolidarisierung.

"Wir müssen der Tendenz zur Abschottung unserer Gesellschaften widerstehen und uns noch stärker für ein solidarisches Europa einsetzen", sagte die Leiterin des Amtes für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWe) der westfälischen Landeskirche, Annette Muhr-Nelson. Italien und Spanien dürften mit den ankommenden Flüchtlingen nicht allein gelassen werden. Christen in Europa müssten sich eindeutiger und klarer zu einer humanitären Flüchtlingspolitik bekennen. Innerhalb der europäischen Partnerkirchen sei spürbar, dass die Kirchen hier ein gutes Beispiel in der Gesellschaft abgeben wollten.

An der bis zum 29. August dauernden Synode der Waldenser nahmen mehrere ökumenische Gäste teil, darunter auch der Generalsekretär der methodistischen Weltgemeinschaft sowie Kirchenpräsident Volker Jung aus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Für die Evangelische Kirche von Westfalen war zudem das nebenamtliche Kirchenleitungsmitglied Ute Kerlen nach Italien gereist.

Der Moderator der italienischen Methodisten- und Waldenserkirche, Eugenio Bernardini, und Kirchenpräsident Jung kritisierten die gegenwärtige Flüchtlingspolitik scharf. Ausdrücklich warnten sie davor, das  Asylrecht in Europa auszuhöhlen. Stattdessen müssten sichere Wege und großzügige humanitäre Aufnahmeprogramme für Flüchtlinge geschaffen werden. Beispielhaft dafür steht das Projekt „Humanitäre Korridore“ das in Italien, Frankreich und Belgien ökumenisch umgesetzt wird. Die westfälische Kirche verhandelt über eine mögliche Umsetzung derzeit mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung.

Die „drastisch steigenden Zahlen ertrunkener Bootsflüchtlinge und die mangelnde Bereitschaft oder sogar Behinderung europäischer Länder zur Seenotrettung und für eine gemeinsame Flüchtlingspolitik“ hätten zu einem „humanitären Desaster“ geführt, beklagten Bernardini und Jung. „Europa verliert seine Seele, wenn Werte wie die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte zunehmend in Frage gestellt werden“, waren sich beide einig.

Bernardini hatte zur Begrüßung der Gäste einen Brief von Papst Franziskus verlesen. Darin hob das römisch-katholische Kirchenoberhaupt die besondere Rolle der Waldenser und Methodisten als lebendige Zeugen für Barmherzigkeit und Mitmenschlichkeit in der italienischen Gesellschaft hervor.

Die Waldenserkirche und die westfälische Kirche sind seit vielen Jahren partnerschaftlich miteinander verbunden. Neben regelmäßigen Besuchen gibt es wechselseitige Unterstützung in diakonischen Projekten und im Engagement für Flüchtlinge.

Text: Pressestelle der EKvW

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