Aktuelles aus dem Kirchenkreis

Freitag 03. Februar 2017 | Alter: 48 Tage

Nanu, Bruder Martin, Du hier im Dionysianum?

Kategorie: alle Nachrichten


Der kreativ gestaltete Luther.

Seit dem 31. Oktober 2016 begrüßte Martin Luther die Besucher der Jakobi Gemeinde in Rheine, nun hat er sich auf den Weg gemacht! Sein erster Zwischenstopp: Das Gymnasium Dionysianum in Rheine. Die eindrucksvolle zweieinhalb Meter hohe weiße Luther-Figur stand im Forum der Schule. Sie sollte an das 500 jährige Jubiläum der Reformation erinnern mit dem Motto: Einfach frei! "Freiheit" meint in der Theologie Luthers vor allem die Freiheit von der allgegenwärtigen Angst, nicht zu genügen; dass der Mensch sich im Tiefsten von Gott angenommen weiß, macht ihn frei, sich anderen zuzuwenden und Verantwortung zu übernehmen.

„Aus diesem Grund wollen wir die Lutherfigur bewusst in den öffentlichen Raum der Schule gestellt. Sie sollte zu Gesprächen und Diskussionen anregen und zur Auseinandersetzung mit dem Leben und Wirken des Reformators führen. Aber auch die Konfrontation mit seinen negativen Seiten ist gewollt und gehört dazu“, so das Anliegen der Projektleiterin Gerlinde Wilmsmeier. Und nicht nur das! Luther soll auch als Projektions- und Aktionsfläche verstanden werden. Bei ihrer Ankunft ist die Staue noch von makellosem Weiß. Doch wie sie am Ende aussehen würde, das war absolut offen.

Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt 

Die Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen hatten die Freiheit, an der Figur Hand anzulegen, sich mit ihr auseinanderzusetzen - egal in welcher Form. Wird sie angezogen, dient sie als Schreibfläche für kurze Botschaften, Sprüche, Gedanken und Fragen? Oder wird sie als Graffiti - Objekt benutzt? So war die Überraschung groß, als Luther uns plötzlich in einem total schwarzen Outfit anschaute: Es war der Beginn der Schülerarbeiten. Aus ein und derselben Portrait-Vorlage Luthers hatten Schülerinnen und Schüler der Kunstkurse von Irmgard Sabelus und Maria Kegel-Brandenburg ihre Gedanken rund um den Reformator kreisen lassen. So ist er nun beklebt im Harry-Potter-Stil, mit Ketten vor dem Mund, einem Kreuz im Auge, als weibliche Figur... Die Übertragung in die Moderne lässt Luther seine Thesen nun per WhatsApp und Facebook verbreiten, ebenso wie seine Snapchat-Selfies.

Hohe theologische Reflexion ging voraus

Hier wird die optimale Zusammenarbeit der Fachschaften Religion und Kunst erfahrbar, wird doch deutlich, wie sich die Vielfalt der Informationen, Vorstellungen und Begegnungen mit der Person Luthers, seinen Gedanken und Schriften gestalterisch auswirken können. Es gilt sowohl für diese greifbaren Themen, die die Lebenswirklichkeit der Schüler und ihre Phantasien widerspiegeln, als auch für jene Porträts. Den kreativen Ergebnissen ging offensichtlich ein hohes Maß an theologischer Reflexion voraus. Die Aussagen erschließen sich erst bei näherer Betrachtung: Luthers Profil, eingefasst in den Kopf eines Mädchens oder übersät mit Ohren und Mündern oder als Weltkugel oder…

 "Gott hat mich schon geliked"

Dazu bemerkt Irmgard Sabelus: „Für den Betrachter wird die Begegnung hoffentlich zum Erlebnis, weil er nicht einfach zu fassen ist, unser Luther. Manches erfüllt Erwartungen, anderes dagegen erfüllt den Betrachter durchaus auch mit Ablehnung.“ Unser Wunsch war es, dass die vielen beteiligten Schülerinnen und Schüler mit ihren Ideen dem Betrachter Impulse und ein aktives Erleben bieten. Dieser Anspruch spiegelt sich auch in den vielen Überlegungen und Äußerungen wider, die sich in geschriebener Form auf unserem Luther wiederfinden. Ein paar Beispiele: „Freiheit und Vertrauen sind superwichtig!“ „Toll, dass du so mutig warst, bis zum Schluss!“ „Ich weiß, dass du manchmal auch Angst hattest“. „Luther meint: Mobbing funktioniert bei mir nicht mehr: Gott hat mich schon geliked. Das finde ich super!!“ „Gottes Gnade, Jesu Botschaft und mein Glaube gehören zusammen, dann kann Leben gelingen.“ „Ich finde es klasse, dass wir Katholiken mit Euch mitfeiern können!“ Für alle Beteiligten war die fächerübergreifende Zusammenarbeit ein bereicherndes Erlebnis, gerade auch in ökumenischer Hinsicht. Leider hat uns Luther wieder verlassen. Beim Ökumenischen Neujahrsempfang in Rheine, begrüßte er in seinem neuen Outfit alle Gäste im Forum der Stadthalle.

Text und Foto: Gerlinde Wilmsmeier Pastorin und Lehrerin am Dionysianum