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Dienstag 07. Februar 2017 | Alter: 137 Tage

Fremd und doch vertraut

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Harald Schwaiger liest aus der Lutherbibel vor.

Dortmund. So klingt es, wenn die Bibel zu Wort kommt. Ausführlich, in kontrastreicher Vielfalt und aus dem Mund eines professionellen Sprechers. In der Immanuel-Kirche Dortmund-Marten las der Schauspieler Harald Schwaiger am 1. Februar aus einer Bibel, die zuvor Präses Annette Kurschus auf den Altar gelegt hatte. Es war die Lutherbibel 2017, handsigniert von der leitenden Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen. Alle 501 Gemeinden erhalten diese neue Altarbibel, insgesamt an die tausend Bücher, vier davon von der Präses persönlich. Die Immanuel-Kirche war der zweite Ort, an dem Annette Kurschus die Altarbibel übergab.

Fremd und doch vertraut: Es ist diese eigentümliche Verbindung, die heutige Zuhörer anspricht – so auch die gut 150 an diesem Abend -, wenn die alten Texte im Vortrag Gestalt gewinnen. Schwaiger gestaltete sie zurückhaltend, setzte feine Akzente, las nuancenreich, nie pathetisch. Und so wurde deutlich, wie selbstverständlich gleich zu Beginn der Bibel zweierlei Schöpfungsberichte nebeneinander stehen. Wie fürsorglich der Gott Israels in seinem Gesetz die Schwachen schützt. Wie überraschend er handelt, als er ausgerechnet David zum König bestimmt, den Jüngsten, obwohl seine großen Brüder viel eindrucksvoller scheinen. Es wurde die visionäre Kraft des Propheten Micha deutlich, der Gottes Friedensreich schildert, in dem die Menschen Schwerter zu Pflugscharen machen und »hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen«. Es erklang die Poesie der Psalmen und die orientalische Liebeslyrik des Hohenliedes. Jesus herrscht über den Sturm: diese dramatische Erzählung stand als Beispiel für das Wirken des Gottessohnes; seine Seligpreisungen für die Worte, die von ihm überliefert sind. Nicht fehlen durfte das »Hohelied der Liebe« des Apostels Paulus (»Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe«).

Die tröstliche Hoffnung auf Gottes neue Welt, in der Leid und Geschrei und Schmerz nicht mehr sein werden, beschließt die Bibel und beschloss auch diesen Abend. Fremd und doch vertraut: So wirkt auch Martin Luthers Sprache. Er hat den Worten der Bibel einen eigenen, farbigen Klang und vollendeten Rhythmus gegeben. 500 Jahre nach der Reformation wurde Luthers Bibelübersetzung nun gründlich revidiert. Die Lutherbibel 2017 ist ein Höhepunkt des Reformationsjubiläums. Über fünf Jahre lang haben rund 70 Theologinnen und Theologen und andere Fachleuten den Text überarbeitet. Ziel war es, nach der Revision von 1984 eine größere sprachliche Genauigkeit herzustellen und gleichzeitig der Sprachkraft Martin Luthers gerecht zu werden.

Zu Recht sprach Präses Annette Kurschus von dem Buch, das Luther »mit seiner Übersetzung wie kein zweiter in seiner Zeit für die Menschen seiner Zeit lesbar und mehr noch hörbar gemacht hat« und mit dem er weit über seine Zeit hinaus »dem Glauben das Herz und den Mund, den Kopf und das Ohr füllte«. Der kraftvoll und sauber singende Opern-Kinderchor der Chorakademie Dortmund unter der Leitung von Željo Davutović und Hannah Schmidt an der Orgel gaben den Lesungen einen angemessenen musikalischen Rahmen.

Foto und Text: Pressestelle EKvW