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Dienstag 07. Februar 2017 | Alter: 72 Tage

Ökumenischer Gottesdienst in der Winterlicht-Ausstellung „Brokat“ von Robert Seidel

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Farbige Lichtzeichnungen faszinierten die Besucher des ökumenischen Gottesdienstes. Foto: Elvira Meisel-Kemper

Hörstel. Bereits zum siebten Mal wurde der ökumenische Gottesdienst in der Winterlicht-Ausstellung im DA Kunsthaus Kloster Gravenhorst in Hörstel gefeiert. Normalerweise gehe die Kunst in die Kirche, hier sei es umgekehrt, betonte Kunsthausleiterin Gerd Andersen: „Das ist bundesweit einmalig, vielleicht auch weltweit.“ In diesem Jahr wurde der Gottesdienst von Pfarrer Christoph Winkeler (Katholische Pfarrgemeinde St. Reinhildis Hörstel) und Pfarrer Prof. Dr. Norbert Ammermann (Kulturbeauftragter des Evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg) in der Lichtinstallation „Brokat“ des Berliner Künstlers Robert Seidel im Westflügel des ehemaligen Klosters gefeiert.

Rund 200 Besucher saßen wie unter einer lichtdurchfluteten, mehrfach gewölbten Wolkendecke. Abstrakte, farbige Lichtzeichnungen waren auf den Stoffbahnen zu sehen, die sich in schnellem Wechsel stetig veränderten. Der übrige Raum war vollkommen abgedunkelt. Minutenlang war nur das Gebläse zu hören, dass diese gewellten Stoffwolken in leichte Schwingungen versetzte, und die Soundcollage, die ebenfalls von Seidel stammt. Es war der meditative Auftakt des Gottesdienstes, der mit Klaviermusik von Ulrike Lausberg begleitet wurde.

Die Geistlichen Winkeler und Ammermann hatten sich ihre eigenen Gedanken dazu gemacht. Leben, Liebe und Licht bauten sich auf dem Wort auf, dass sie aus der entsprechenden Textstelle im Johannes-Evangelium herauslasen. „Es ist wichtig, dass wir das Licht durchscheinen lassen wie bei den Stoffbahnen von Robert Seidel“, so Winkeler. Auch Ammermann hatte sich in seinen geistlichen Worten mit dem Kunstwerk von Seidel auseinander gesetzt. „Brokat ist ein textiles Gewebe, das aus feinen Fasern besteht. Robert Seidel ringt mit jedem Strich. Die Zeit ist das Brokat in unserem Leben“, zog Ammermann den Vergleich zwischen der Lichtzeichnung von Seidel und dem edlen Gewebe des Stoffes.

Ammermann hatte sich auch musikalisch Gedanken gemacht zu dem Titel der Installation. „Brokat“ nannte er seine Komposition, die sich an der Musik Indiens anlehnte, gespielt von Ammermann (Sitar) und Sigrun Menzel (Tanpura) auf traditionellen indischen Instrumenten.

Das anschließende Künstlergespräch mit den beiden Geistlichen, dem Künstler Robert Seidel und Andersen wurde moderiert von Dr. Jörg Biesler (WDR-Kulturjournalist). „Das ist ja eine hochabstrakte Geschichte“, leitete Biesler das Gespräch ein. Die Installation „Brokat“ im Westflügel hat Seidel speziell für den Ort konzipiert. „Der biologische Bezug ist sehr präsent. Mich interessiert es nicht, etwas nachzubauen oder nachzuempfinden. Es geht am Ende nur noch um die Wirkung des Lichts“, so Seidel, der vor der Kunst Biologie studiert hat und Filme produzierte.

- Die Ausstellung ist noch bis zum 26. Februar zu sehen.

- Öffnungszeiten sind Di-Fr 14-18 Uhr, Sa/So 10-18 Uhr.

Text: Elvira Meisel-Kemper