Aktuelles aus dem Kirchenkreis

Dienstag 07. März 2017 | Alter: 16 Tage

Eindrucksvolles Theaterstück über Kindersoldatinnen

Kategorie: alle Nachrichten


Elikia (Svea Böttcher, rechts) sorgt sich um Lorentine (Joelle Luck), mit der sie gemeinsam aus dem afrikanischen Rebellenlager flieht.

Lengerich. Das Licht im Saal wird gedimmt, die Zuschauer werden ruhig, es ertönt kein Laut mehr. Plötzlich öffnet sich der Vorhang und ein Jugendchor beginnt zu singen. Nach dem Lied erneut kein Ton, bis zwei junge Mädchen die ebenerdige Bühne nebenan betreten. Es sind Elikia und Lorentine, zwei 13- und 9-jährige Mädchen, die in einem afrikanischen Rebellenlager zu Kindersoldatinnen ausgebildet werden und sich irgendwann entschließen, zu fliehen.

Das Stück „Flüchtig“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Theaterwerkstatt Rabatz aus Ibbenbüren und der Sing- und Chorschule der evangelischen Kirchengemeinde Lengerich. „Ich finde das Thema sehr hart, aber eindrucksvoll“, so Christoph Henzelmann, Leiter des Chores. Der Weg in die Freiheit ist für Elikia und Lorentine gezeichnet von Hunger und Durst, unendlichen Strapazen, Zweifeln und Hoffnungslosigkeit. Immer wieder gelangen Elikia (Svea Böttcher) und Fiorentina (Joelle Luck) an Punkte, wo sie fast aufgeben. Auf ihrem Weg erleiden die Mädchen furchtbare Qualen, die im Rahmen der Inszenierung nicht gezeigt werden, sondern viel mehr im Kopf passieren. „Das ist schon harter Tobak“, weiß auch Robert Rickert, Regisseur des Stückes.

Im Rahmen der Handlung wird der Weg der beiden Mädchen aus dem Rebellenlager heraus erzählt und parallel von den Erzählungen der Krankenschwester Angelina (Laura Münstermann) begleitet, welche die beiden Mädchen am Ende ihres Wege in einem Krankenhaus gepflegt hat. „Wer die Waffe trägt, hat recht“, lautet ein Zitat von Rebellin Elikia, das unter die Haut geht. Im Stück wird zwischen realem Spiel und Gedankenerzählung gewechselt, was die Zuschauer authentisch fesselt und den Weg der beiden Mädchen hautnah erfahren lässt. Es ist die Pure Angst, gefunden zu werden und wieder in das Rebellenlager zu müssen, eine Flucht, die nicht einfach ist und viele Gründe hat. Niemand verlässt ohne Grund seine Heimat, könnte eine Botschaft des Stückes sein. Am Ende erreichen die beiden Mädchen ihr Ziel, aber die Zeit ihrer Entführung hat unverwischbare Spuren hinterlassen.

Der Jugendchor führt das Thema musikalisch weiter und singt unter Anderem aus „Les Miserable.“ Das Zusammenspiel von Theater und Musik erscheint am Sonntag genial und erschafft eine Synergie, welche die Botschaft des Stückes nur noch deutlicher macht. Durch die Musik wird das Theater in Szenen aufgeteilt und die Zuschauer bekommen Zeit, über das Gesehene und Gehörte nachzudenken.

Begleitet wurde der Chor von einer Combo in Zusammenarbeit mit der Musikschule Tecklenburger Land. Szenarisch kommt das Stück ohne ein großes Bühnenbild aus. An einer schwarzen Wand hängen Bilder von Flüchtenden, die alle eine Geschichte zu erzählen hätten. Mit einem respektvollen und deutlichen Applaus würdigen die rund 100 Zuschauer im Martin-Luther-Haus die beachtliche Leistung der Darstellerinnen und Musiker. Bildzeile: Elikia (Svea Böttcher, rechts) sorgt sich um Lorentine (Joelle Luck), mit der sie gemeinsam aus dem afrikanischen Rebellenlager flieht.

Text und Foto: Jendrik Peters