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Donnerstag 09. März 2017 | Alter: 14 Tage

Die Wirklichkeit der Freiheit liegt im lebendigen Miteinander mit dem Nächsten

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Prof. Dr. Dr. Michael Weinrich referierte im Rahmen der Theologischen Vortragsreihe.

Lengerich. „Die Wirklichkeit unserer Freiheit liegt im lebendigen Miteinander mit dem Nächsten“ so Prof. Dr. Dr. Michael Weinrich am 5. März in einem gut besuchten Vortrag im Rahmen der Theologischen Vortragsreihe in Lengerich. Die Reihe des Ev. Kirchenkreises Tecklenburg steht im 500. Jubiläumsjahr der Reformation unter dem Motto „Einfach frei“. „Nur eine geschenkte Freiheit befreit von den Zwängen der Selbstbefreiung“ so der Professor für Systematische Theologie an der Ev. - Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. Als Christen seien wir nicht für uns, sondern mit den anderen und mit Gott im Dialog. Die Freiheit ereigne sich im Horizont dieser Wirklichkeit. Der Andere sei nicht die Begrenzung meiner Freiheit, sondern ihre Bestätigung und Erfüllung. Weinrich weiter: „Das Gegenüber gibt der Freiheit ihren Ereignishorizont und einen lebendigen Resonanzboden“.

Der Freiheitsgewinn durch Geld scheine in unserer Gesellschaft besonders evident zu sein, auch wenn Geld allein nicht glücklich mache. Freiheit erscheine vielen Menschen als das Ende bzw. die Überwindung der von uns wahrgenommenen Gefangenschaften. „Doch“, so der Theologe weiter, „ vollzieht sich unser Leben stets unter von uns nicht ohne weiteres abzustellenden Umständen und Bedingungen. Mit unserem Leben sind wir in ein eng geknüpftes Bedingungsnetz versetzt, dass wir uns nicht aussuchen können und das ebenso wenig einfach abgestreift werden kann“ führte er aus.

In seinem Vortrag hob er auf unterschiedliche Perspektiven der Freiheit ab: dies seien die Wahlfreiheit, die Freiheit zur Selbstverwirklichung und die Freiheit zur Beziehung. Die Wahlfreiheit, so Weinrich, sei eine grundlegende Voraussetzung für weiterreichende Perspektiven der Freiheit. Sie sei trivial solange sie sich im Rahmen der Angebotsalternativen bewege. Als Beispiel nannte er den Kauf eines Handys: „Gibt es noch die Freiheit, sich gar keins auszusuchen?“ fragte er die Zuhörer. In besonderer Weise zeige auch der psychologisch von der Werbung massiv beeinflusste Markenwahn nicht nur unter Jugendlichen, welch ein Druck auf der Wahlfreiheit liege, erläuterte der Theologe. Zweifellos sei die marktgesteuerte Wahlfreiheit ein mit vielen Illusionen behaftetes Luxusproblem unserer Konsumgesellschaft, an dem sich auch eine spezifische Armut unseres Reichtums zeige. „Aber wir werden einzugestehen haben, dass insbesondere diejenigen die Qual haben, die eben nicht die Wahl haben“ unterstrich er.

Weinrichs Fazit: „Es hat sich gezeigt, dass das Verständnis der Freiheit wesentlich davon abhängt, als wer der Mensch angesehen wird. Ist er tatsächlich wesentlich dieses Konkurrenzsubjekt und Selbstdarstellungs-Ich oder kann er auch ganz anders in den Blick genommen werden? „Wir sind nicht für uns, wir sind mit den anderen und mit Gott“ unterstrich er. „In der sich anschließenden Diskussion resümierte ein Zuhörer: „Wenn die Menschlichkeit oberste Priorität in allem gesellschaftlichen Handeln hätte, sähe unsere Welt ganz anders aus!“ „Dies war für uns ein schöner und gelungener Auftakt unserer Vortragsreihe“ meinte Superintendent André Ost.