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Dienstag 14. März 2017 | Alter: 71 Tage

„Big brother is watching you?" - Alexander Vogt referiert über Freiheit im Netz

Kategorie: alle Nachrichten


Referent Alexander Vogt.

Lengerich. „Es gab noch nie solch eine Informationsflut wie heute“, so Alexander Vogt, (seit 2010 MdL, SPD) und Sprecher des Ausschusses Kultur und Medien im Landtag. Deswegen seien Journalistinnen und Journalisten wichtig, um Prozesse zu beobachten und kritisch zu begleiten. Im Rahmen der Theologischen Vortragsreihe im Ev. Kirchenkreis Tecklenburg referierte der Journalist in Lengerich.

Neue Entwicklungen hätten immer schon Ängste bei den Menschen ausgelöst, ist sich Vogt sicher. Platon habe davor gewarnt, dass das Schreiben dumm mache. Als das Fernsehen den Markt eroberte, habe es geheißen, alle Menschen, die fernsehen, würden verblöden. „Die Digitalisierung geht mit einer Umbruchsituation einher, die viele Menschen verunsichert“ stellte er fest. Die Vorteile der Schnelligkeit digitaler Medien würden gerne in Anspruch genommen, doch sei vielen Menschen unklar, welche Einträge Spuren im Netz hinterlassen.

Alexander Vogt nannte Beispiele, die deutlich machen, wie transparent jeder User ist, der bei Facebook unterwegs ist: „Poste ich einen Beitrag über Pferde, taucht Werbung für Reiterhöfe auf der gleichen Seite auf“. “Große Konzerne bringen die Daten zusammen, um diese weiterzuverkaufen“ meinte er. Die Banken seien eher an der Kreditwürdigkeit der Facebook-Nutzer und deren Hobbies interessiert. „Diese Daten“, unterstrich er, „werden nie wieder verschwinden“. In den USA gebe es riesige Serverfarmen, deren Standorte nie bekannt gegeben würden. Die Betreiberfirmen hätten Sorge vor Anschlägen. „Die Datenverluste“, so der Experte, „wären ein Riesenverlust für Facebook und Google“.

Datentransparenz ist eine Gefahr

Die Datenmengen, die tagtäglich transportiert würden, seien immens. „Ein großes Risiko stellt die Individualisierung der Daten dar“ meinte Alexander Vogt. „Es ist mittlerweile möglich, auf Facebook Gesichter zu scannen“, berichtete er. Dies sei jedoch in Deutschland verboten. In diesem Zusammenhang sprach er sich gegen die Vorratsdatenspeicherung aus. Die Gefahr des Datenlecks durch Hacker sei zu groß. Mittlerweile sei die Technik so weit, dass nicht nur Gesichter, sondern auch die Körperstatur und -haltung erkannt werden könne. Die Strafverfolgungsbehörden würden schon damit arbeiten. Ein amerikanisches Fastfood-Unternehmen habe das Thema so weit forciert, dass Fotos der Kunden im Eingangsbereich von einer Kamera aufgenommen werden. Dieses Gerät sondiert Geschlecht, Alter und Körperstatur und macht den Kunden dann Menüvorschläge.

Chancengerechter Zugang zum Netz

„Facebook und Google streben perspektivisch die Browserhoheit an“ so Vogt weiter. Es seien Überlegungen bei diesen Anbietern da, ein reglementiertes Webangebot zu machen. Jeder Bürger zahlt eine Gebühr und sollte dann nur Dienste von einem großen Anbieter nutzen können. Seine Partei plädiere dagegen für eine Chancengerechtigkeit im Netz gebe, so Vogt weiter.

Neue Entwicklungen

Fragliche Entwicklungen zeigten sich auch in Überlegungen unter dem Stichwort „Google Noons“: Ganze Erdteile sollen damit erschlossen werden. „Die Planungen dieser Firma sehen so aus, dass Länder, die bisher noch nicht weberschlossen sind, nur diesen einen Webanbieter haben“. Er sehe dies kritisch, weil so wesentlich weniger Vielfalt und Freiheit möglich sei. Besonders heikel sei es, wenn Diktaturen über nur einen einzigen Webanbieter verfügten. „Es geht den Konzernen darum, Aufmerksamkeit zu erwecken und Daten zu sammeln“, so Vogt. Dies werde daran deutlich, das Apple und Google ein selbstfahrendes Auto entwickeln, in dem der Kunde möglichst viel Zeit verbringt. So habe dieser dann genügend Zeit, um die Dienste von Google zu nutzen, berichtete er.

Fake News

„Die Verwendung des Begriffs Fake News halte ich für fatal“ unterstrich der Journalist. Früher habe man von Gerüchten, Lügen und Falschmeldungen gesprochen. Es gebe zwar das Korrektiv des Pressekodexes doch durch den Begriff Fake News werde alles verharmlost.

Sein Appell: „Wir müssen dafür sorgen, dass mehr Bildung und Aufklärung über Mediennutzung stattfindet“. Und dies könne bei jungen Menschen nur in der Schule stattfinden. Politik und Gesellschaft müssten das Thema Medienkompetenz im Blick haben, meinte Vogt. So könne es gelingen, dass positive Aspekte in der Mediennutzung überwiegen. Er plädierte dafür, gesetzliche Regeln einzuführen, um Auswüchse der Mediennutzung sowie den Datenmissbrauch zu verhindern.