Aktuelles aus dem Kirchenkreis

Mittwoch 22. März 2017 | Alter: 62 Tage

#Here I stand – Martin Luther, die Reformation und ihre Folgen

Kategorie: alle Nachrichten


Eröffneten die Ausstellung (v.l.n.r.): Bernd Lobgesang, Franjo Röhr, Schulleiter Thorsten Bahlmann und Pfarrer Jörg Oberbeckmann. Foto: Christine Fernkorn

Mettingen. „#Here I stand“ so der Titel einer Posterausstellung zu Martin Luther und den Folgen der Reformation, die am 20. März im Comenius-Kolleg Mettingen eröffnet wurde. Im gut gefüllten Foyer der Schule nahmen die Studierenden mit Interesse an der Veranstaltung teil. „Die in sieben Kapiteln unterteilte Schau zeigt die Herkunft und den Werdegang Martin Luthers, seine Lebenswelt, den Aufbruch in eine neue Welt, Erfolg, Krise und Perspektivwechsel sowie die Folgen der Reformation für die Nachwelt“ informierte Oberstudienrat Franjo Röhr die Zuhörer. „Doch was ist mit den Ansätzen zur Versöhnung – zur Ökumene?“ fragte er. Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, habe kürzlich gesagt:“ Wir haben eine besondere Verantwortung, das uns noch Trennende zu überwinden“. Die Initiatoren der Ausstellung, Oberstudienrat Bernd Lobgesang, Pfarrer Jörg Oberbeckmann und er, hätten diesen Gedanken aufgegriffen und die Ausstellung um diesen Aspekt erweitert: Dieses Kapitel hebe auf das Treffen von Papst Franziskus mit Spitzenvertretern des Lutherischen Weltbundes 2016 im schwedischen Lund ab. Dort wurde gemeinsam der Reformation gedacht. Auch eine wichtige Aussage des Papstes sei hier dokumentiert: “Wir dürfen uns nicht mit der Spaltung und Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurde“ so Röhr weiter.

Martin Luther hat die Welt im Guten wie im Bösen verändert

Bernd Lobgesang erklärte den Zuhörern die historischen Hintergründe der Ausstellung: „Martin Luther hat seine Welt im Guten wie im Bösen verändert und diese Veränderungen wirken sich bis auf unsere Tage aus“. Durch die oft übertriebene Radikalität seiner Worte, seine extrem abfälligen Äußerungen über echte oder nur gedachte Feinde sowie die Kompromisslosigkeit seiner Taten habe er Vorurteile geschürt und Konflikte verschärft, so Lobgesang weiter. Zu dieser Haltung trug die Tatsache bei, dass Luther sich hundertprozentig im Recht fühlte. Die Reformation habe nur so erfolgreich sein können, weil der damals seit einigen Jahrzehnten erfundene Buchdruck es ermöglichte, Luthers 95 Thesen in kürzester Zeit im ganzen Land bekannt zu machen. „Außerdem tastete Luther die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse nicht an und stand im Bauernkrieg fest auf der Seite des herrschenden Adels“ berichtete er. Nicht nur weite Kreise des Volks unterstützen Luther, sondern auch mächtige Landesherren wie der Kurfürst von Brandenburg, der Kurfürst von Sachsen und der Landgraf von Hessen. „Überall dort, wo die Reformation siegte, fiel der reiche Besitz der katholischen Kirche wie eine reife Frucht in die Hände der protestantischen Landesherren, also Geld, Gebäude, Klöster, Bergwerke, Land und viele Privilegien“, führte Lobgesang aus.

Reformation führte zu großer Kirchenspaltung

Entgegen aller Absichten Luthers habe die Reformation zu einer großen Kirchenspaltung geführt. Dieser habe Reformen an „Haupt und Gliedern“ in seiner Kirche angestrebt, am Schluss entstand eine neue Glaubensrichtung, die in den Jahrhunderten zu immer weiteren Abspaltungen führte, berichtete der Oberstudienrat. Katholiken und Protestanten standen sich so „spinnefeind“ gegenüber, dass 1618 der Dreißigjährige Krieg ausbrach, der durch Kriegseinwirkungen, Krankheiten, Seuchen und Hunger 50 % der Bevölkerung das Leben kostete. Erst mit dem in Münster und Osnabrück unterzeichneten Westfälischen Frieden 1648 konnte der Krieg beendet werden. Das Konzil von Trient leitete wichtige Reformen ein, die auch Luther schon zum Teil gefordert hatte. So mussten sich Priester ab sofort der Predigt widmen und um den Unterricht der Jugend kümmern. „Martin Luther“, so Bernd Lobgesang weiter, “hat mit der Bibelübersetzung maßgeblich Grundlagen für die neuhochdeutsche Spra-che, so wie wir sie heute kennen, geschaffen“. Damit habe er es den Deutschen ermöglicht, in ihrer eigenen Sprache die Bibel zu lesen.

Studierende können Lutherfigur Wünsche für die Zukunft anheften

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung ist jetzt auch eine überlebensgroße Lutherfigur am Comenius-Kolleg zu Gast. „Wir leben und lernen hiermit 100 jungen Studierenden aus der ganzen Welt, alle Weltreligionen sind hier vertreten“ berichtete Franjo Röhr. Die Studenten können der Lutherfigur nun ihre Wünsche für den Umgang mit anderen Religionen, aber auch im Umgang mit den Herausforderungen unserer Tage anheften und dazu ins Gespräch kommen. Schulleiter Thorsten Bahlmann unterstrich, ein sichtbares Zeichen der Ökumene sei es, dass er zur Ausstellungseröffnung zwischen einer schlichten Franziskanerkutte und der großen Lutherfigur stehe.

Reformationsjubiläum wird erstmalig ökumenisch gefeiert

„Zum ersten Mal in 500 Jahren wird das Jubiläumsjahr zum Gedenken der Reformation ausdrücklich ökumenisch begangen und gefeiert, mit vielen freundlichen Gesten der Annäherung und Verbundenheit“, so Pfarrer Jörg Oberbeckmann. Dies lasse hoffen! Andererseits meinte er, könne man die 500 Jahre Geschichte mit ihren Differenzen zwischen evangelischer und katholischer Kirche nicht einfach ungeschehen machen oder überspringen. „Als Christen, egal ob evangelisch oder katholisch, tun wir inzwischen vieles gemeinsam und sollten in Zukunft vieles gemeinsam tun“, unterstrich er. In der Arbeitshilfe „Erinnerungen heilen, Jesus Christus bezeugen“, die die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam herausgegeben haben, heißt es: “Wir verpflichten uns, wo immer es möglich ist, gemeinsam zu handeln und einander aktiv zu unterstützen! Im Vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes verpflichten wir uns, weitere Schritte auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirchen zu gehen“. Oberbeckmann stellt fest: „Es wird sicher kein einfacher Weg sein, wenn die Zielvorgabe so weitreichend formuliert ist, aber es ist auf jeden Fall ein verheißungsvoller Weg und ebenso sicher und klar ausgesprochen eine gemeinsame Verpflichtung“, führt er aus. Sein Fazit: „Wenn wir am großen Ziel gemeinsam festhalten und es auch mit kleinen Schritten verfolgen, kommen wir ihm näher“.

Die Ausstellung ist noch bis zum 7. April im Comenius-Kolleg, Sunderstraße 15-17, in Mettingen zu sehen.