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Montag 10. April 2017 | Alter: 10 Tage

„Kooperation zwischen den Religionen ist entscheidend“

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(v. l. n. r.): Reiner Ströver (Flüchtlingsbeauftragter), Jürgen Coße (MdB), André Ost (Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg).

Lengerich. „Ich bin in der Hochphase der Flüchtlingskrise froh gewesen, Christ zu sein. Die Kirche, gerade im Münsterland, hat sich stets klar gegen rechte Hetze abgegrenzt und Stellung bezogen“, so der neue SPD-Bundestagsabgeordnete Jürgen Coße im Rahmen seines Antrittsbesuchs beim Superintendenten des Evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg, André Ost.

Coße erinnerte etwa an die gemeinsame Kooperation im Kampf gegen PEGIDA in Münster oder bei den Demonstrationen gegen den geplanten Auftritt der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry in Steinfurt.

Ost betonte: „In diesen Zeiten ist besonders die Kooperation zwischen den Religionsgemeinschaften und Kirchen wichtig. Nur wenn wir die Evangelischen und Katholischen Kirchen sowie die muslimischen Gemeinschaften an einen Tisch bringen, kann das gemeinsame Zusammenleben gelingen.“

Reiner Ströver, Flüchtlingsbeauftragter des Kirchenkreises und emeritierter Pfarrer, stellte eine Initiative der westfälischen Evangelischen Kirche vor. Er forderte, den Familiennachzug für Flüchtlinge, die nur den sogenannten subsidiären Schutz erhalten, wieder zu ermöglichen. Andernfalls würden insbesondere viele Männer alleine ohne ihre Familie in Deutschland leben, was die Integration unnötig erschwere. Außerdem berichtete er von den Zuständen in ausländischen Konsulaten und Botschaften. Er forderte eindringlich dazu auf, die dortigen Verfahren zu beschleunigen und zu vereinfachen.

Während Coße beim Familiennachzug die Erwartungen dämpfen musste („Das ist mit dem derzeitigen Koalitionspartner bis zur Wahl nicht zu machen.“), versprach er, sich persönlich für die Beschleunigung der Verfahren einzusetzen. Coße berichtete auch von seiner Arbeit im Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestages als Berichterstatter für Ostafrika. „Bei meinen Besuchen in Eritrea ist jedes Mal deutlich geworden: Wir müssen vor Ort Perspektiven schaffen. Nur so sind wir in der Lage, Fluchtursachen zu bekämpfen. Nur, wenn die Leute vor Ort eine Lebensperspektive haben, werden sie dort zu Freiheit und Wohlstand beitragen.“

In Bezug auf kommunale Themen beklagte der Superintendent die Unterfinanzierung der Kindertagesstätten. Die Erhaltung von Bausubstanz finde zu wenig Berücksichtigung in der Finanzierung durch das Land. Gerade die Kindertagesstätten mit evangelischem Träger hätten hier jedoch häufig erhöhten Finanzbedarf, da viele der 28 Kitas in evangelischer Trägerschaft im Kirchenkreis schon älter seien.

Angesichts der Bandbreite der Themen, vereinbarten die Gesprächspartner, im Gespräch zu bleiben und sich gemeinsam dafür einzusetzen, die Verständigung zwischen den Religionsgemeinschaften zu intensivieren.