Aktuelles aus dem Kirchenkreis

Donnerstag 04. Mai 2017 | Alter: 51 Tage

Sterben unsere Friedhöfe?

Kategorie: alle Nachrichten


(v.l.n.r.) Dr. Rudolf Holtkamp, Landschaftsplaner Andreas Morgenroth aus Hamburg sowie der Leiter des Städtischen Friedhofsverwaltung der Stadt Münster, Wilhelm Klönne.

Eine neue Bestattungskultur und eine größere Auswahl an Abschiedsorten belastet viele Kirchengemeinden in ihren Finanzhaushalten. Dies war eine zentrale Aussage beim Sozialseminar „Sterben unsere Friedhöfe“ der Evangelischen Gemeinde in Lienen. Andreas Morgenroth aus Hamburg sowie der Leiter des Städtischen Friedhofsverwaltung der Stadt Münster Wilhelm Klönne referierten über die Vorteile eine Friedhofpaktes, die verschiedensten Möglichkeiten der Beisetzung, die Wichtigkeit eines Ortes der Trauer und die Möglichkeiten und Chancen der Friedhöfe in Lienen und Kattenvenne.

„Die Zukunft der Friedhöfe liegt in der gemeinsamen Verantwortung für diese besonderen Orte“, so Andreas Morgenroth, der die Umsetzung des Zukunftpaktes Friedhof vorstellte. Dadurch sein ein nachhaltiger und wirtschaftlicher Betrieb des Friedhofes gesichert. Es sei wichtig, den Friedhof für alle Traditionen und Kulturen zu öffnen und einen ökologischen, klimaschonenden und „leisen“ Friedhof einzurichten. Friedhöfe sollen zum kommunikativen Ort der Begegnung werden. Verschiedenste Studien weisen nach, dass durch einen Friedhofspakt, der sich aus der Kommune, Steinmetzen, Gärtnern, Bestattern und den verschiedensten Religionsgemeinschaften zusammensetzt, wirtschaftlicheres Handeln ermöglicht wird und dass in dieser Zusammenarbeit mehr „Schubkraft“ liegt.

Kritisch stellte der Landschaftsplaner Andreas Morgenroth fest, dass die Asche aus den Urnen Chrom-VI belastet ist. Chrom-VI gehöre nicht in den Wald. Daher spricht sich Morgenroth vehement gegen Friedwälder aus. Chrom-VI ist bekannt als krebserregend, als erbgutverändernd. Es darf auf gar keinen Fall in die Nahrungskette und vor allem nicht ins Wasser gelangen. Morgenroth ist überzeugt: Urnenwälder sind für den Wald und für den Menschen eine Gefahr und spricht sich für den Erhalt der Friedhöfe aus. Menschen jeden Alters brauchen einen ortsnahen, begehbaren Trauerort, meint er.

Bei einer Ortsbegehung auf den Friedhöfen in Lienen und Kattenvenne hatte der Landschaftsplaner sich ein Bild von der Situation vor Ort gemacht. Morgenroth lobte die Wasserstellen mit Edelstahlrosten, die alten schmiedeeisernen Zäune, die früher gegen Schafe aufgestellt wurden, die typischen Bronzefiguren im Münsterland und die nicht freistehenden Bänke. Er ermutigte, in Zukunft nicht so viele Abgrenzungen zwischen den Gräbern zu schaffen, die „Zahnlücken“ zu nutzen und die wunderschöne Kapelle für Konzerte zu nutzen, denn dadurch würden die Friedhöfe zum Ort der Begegnung.

Situation in Münster

Genau 20 verschiedene Formen der Beisetzung bietet die Stadt Münster auf ihren sieben Friedhöfen für die Menschen aller Kulturen und Glaubensrichtungen an. „Die Friedhöfe sind nicht nur friedvolle Ruhestätten für Verstorbene sowie Orte des Abschieds und der Erinnerung, sondern wichtige Naturräume für die Pflanzen und Tierwelt“, so Wilhelm Klönne, Leiter der städtischen Friedhofsverwaltung Münster. Wurde vor wenigen Jahrzehnten noch mühsam und platzsparend nach Bestattungsformen geschaut scheint es heute die Kunst zu sein, eine möglichst große Palette an Möglichkeit zu bieten. Neben den klassischen Reihen-, Kinder-, Wahl- (Sarg oder Urne), Tief- und Landschaftsgräbern werden immer mehr Grabflächen angeboten, deren Pflege die Friedhofsverwaltung übernimmt und bei der zentral die Anbringung einer Namenstafel erfolgt. Ebenfalls im Trend ist die anonyme Bestattung oder die Beisetzung in einem Kolumbarium.

Den Friedhof zu einem Ort des Lebens machen

„Unser Friedhof stirbt nicht, er wird auch nicht sterben, aber er erkrankt“, so Klönne. Gerade die pflegefreie Bestattung sei erwünscht. Viele Bürger schrecke die lange Liegezeit ab, informierte Wilhelm Klönne. „Was ist so schlimm daran, das Grab der Eltern zu pflegen? Viele Kinder wollen es, doch die Eltern trauen es ihnen nicht zu“, berichtete der Leiter der Friedhofsverwaltung aus jahrelanger Erfahrung. „Sie wollen den Kindern nicht zur Last fallen“. Zudem sei es wichtig, den Friedhof zu einem Ort des Lebens zu machen, und zu Führungen, Konzerten und Expeditionen einzuladen. Nach einer lebhaften Diskussionsrunde mit den gut dreißig Teilnehmern dankte Dr. Rudolf Holtkamp den Referenten für ihre informativen Ausführungen.

Text: Claudia Keller