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Dienstag 16. Mai 2017 | Alter: 7 Tage

Zukunftsperspektiven für Landwirte unter die Lupe genommen

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Lotte. In der Veranstaltungsreihe "Dialog Landwirtschaft und Gesellschaft" widmet sich das Evangelische Sozialseminar Lienen derzeit, gemeinsam mit dem landwirtschaftlichen Ortsverband der Gemeinde, dem Spannungsfeld zwischen Erzeugern landwirtschaftlicher Produkte, Verbrauchern, Naturschützern und Lebensmitteleinzelhandel. Martin Steinmann begrüßte dazu am 10. Mai auf seinem Hof an der Ibbenbürener Straße in Lotte über 30 interessierte Teilnehmer.

 

Der Landwirtschaftsmeister hat seine Produktion 1992 auf das Neuland-Programm umgestellt. Dabei geben Bedürfnisse der Tiere die Haltung vor. Seine 350 Mastschweine haben in den Ställen mehr Platz als sonst in der konventionellen Landwirtschaft üblich, keine Spaltböden, ganzjährigen Auslauf im Freien und reichlich Stroh als Beschäftigungsmaterial. Deshalb dürfen sie auch die Ringelschwänze behalten. Nur selten gibt es Probleme damit - 99 Prozent bleiben unversehrt. "Aber Schweinehaltung ist nicht niedlich, sondern harte Arbeit", machte er deutlich. Für die 1500 Legehennen in Freilandhaltung gibt es ein großes Gelände mit Rückzugsmöglichkeiten, einen "Wintergarten" sowie im Stall Sitzstangen und Hütten.

 

"Wir kommen ohne die Gabe von Antibiotika aus, trotzdem sind die Schweine gesund und frohwüchsig", freut sich der Landwirt über seine Entscheidung. Ackerbohnen baut er selbst an, zusätzlich bezieht er Eiweißfutter von Händlern aus der Region. Mit der Ertragssituation ist der Bauer zufrieden, die Erlöse für Fleisch und Eier sind höher als in der konventionellen Landwirtschaft. "Aber es gibt immer Luft nach oben", blickt er optimistisch in die Zukunft.

 

Nach der Besichtigung der Ställe und des Freigeländes hielt der Hofbesitzer einen informativen und lebendigen Vortrag über die Perspektiven bäuerlicher Produktion. "Wie kommen wir zu einem Konsens zwischen Landwirten und deren Kritikern?", war die Ausgangsfrage. Dabei ging er auch auf aktuelle Veröffentlichungen von Greenpeace ein. Die Umweltschutzorganisation hat ein Gutachten erstellen lassen, wonach die Schweinehaltung in Deutschland gegen Tierschutzgesetz und Verfassung verstößt. Steinmann zeigte auf, welche Faktoren die Landwirtschaft beeinflussen: verarbeitende Industrie, Politik, Lebensmitteleinzelhandel, Verbraucher und nicht zuletzt die Öffentlichkeit. Seit 1957 bis heute habe sich viel verändert, Produktionsverfahren ebenso wie das Bild in den Medien. Auf dem Weg zu immer stärkerer Rationalisierung verhärteten sich die Fronten, doch es änderte sich auch einiges zum Positiven.

 

In der Diskussion wurden zahlreiche aktuelle Probleme angesprochen, wie Naturschutz, Gefahren weiterer Intensivierung für das Wohl der Menschen, ethische Verantwortung der Kirchen, Nachhaltigkeit, Preisdruck durch Discounter oder "Wagenburgmentalität" der Funktionäre. "Im Grunde sind wir keine selbstständigen Unternehmer, sondern Marionetten der Fleischindustrie", urteilte Steinmann. "Wir brauchen die Agrarwende, wer die Probleme leugnet, trägt nicht zu deren Lösung bei", hielt Dr. Rudolf Holtkamp, Leiter des Sozialseminars Lienen, in seinem Plädoyer für mehr Verantwortung auf allen Ebenen fest. Der Spruch "An Gottes Segen ist alles gelegen", steht bei der Familie am Kaminsims - ein schönes Schlusswort.

 

Text und Foto: Brigitte Striehn