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Dienstag 27. Juni 2017 | Alter: 150 Tage

„Vera Gronemann hat mit vielen Netzwerken Spuren gesetzt“ - Ordinationsgottesdienst in Westerkappeln

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V.l.n.r.: Mentorin Pfarrerin Daniela Fricke (EKvW), Pfarrerin Heike Bergmann, Pfarrerin Vera Gronemann, Superintendent André Ost, Pfarrerin Angelika Oberbeckmann und Pfarrer Olaf Maeder.

WESTERKAPPELN. „Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn, dass ich verkündige all sein Tun“, es ist dieser 28. Vers des Psalms 73, der Vera Gronemann so sehr am Herzen liegt, dass sie ihn zu ihrem Ordinationsspruch wählte.

Superintendent André Ost, der die junge Pastorin in der Westerkappelner Stadtkirche ordinierte, bezeichnete ihn schmunzelnd als den ersten Bibelvers mit Bedeutung auf ihrem bisherigen Weg. Schließlich sei die 31-Jährige erst vor elf Jahren vom römisch-katholischen zum evangelischen Glauben konvertiert, weil sie unbedingt Pfarrerin werden wollte.

Nun hat sie es geschafft, ein langes Studium, zwei Staatsexamina, das Vikariat sowie eineinhalb Jahre im Gemeindedienst in Westerkappeln sowie als Frauenbeauftragte im Kirchenkreis Tecklenburg erfolgreich absolviert. Zeit für den Abschluss eines langen Weges und zugleich den Beginn einer kirchlichen Beauftragung. Die Ordination sei ein Meilenstein, ein großer Tag für Gronemann, für die Kirchengemeinde und den Kirchenkreis, machte Ost in dem Festgottesdienst Ende Juni deutlich.

„Ordinationen sind immer etwas Besonderes, werden aber langsam zur Rarität“, bedauerte Ost und zitierte angesichts des in der Zukunft drohenden Mangels an Pfarrern Martin Luther. „Man würde sie wieder auskratzen, wenn man sie haben könnte“, hatte der Reformator formuliert. Umso schöner sei es, dass es noch theologischen Nachwuchs gebe, wandte sich Ost an Vera Grone-mann, die eine große Offenheit für die Dinge mitgebracht habe, als sie in die Kirchengemeinde und in den Kirchenkreis gekommen sei. „Westerkappeln ist für dich nicht nur ein Durchgangsort, sondern ein Ort, in dem Verwurzelung stattgefunden hat, ein Ort, der dir in Erinnerung bleiben wird, wohin dein Weg dich auch führt“, ist André Ost sicher, dass die junge Pastorin mit vielen angestoßenen Projekten und geknüpften Netzwerken Spuren gesetzt und sich wertvolle Erfahrungsfelder erschlossen habe. Ebenso überzeugt zeigte er sich, dass Gronemann eine gute Pastorin sein werde.

Ihre Lehrzeit sei nun zu Ende. Mit dem heutigen Tag sei für Vera Gronemann „keine besondere Würde, erst recht keine Weihe“ verbunden, sie werde auch kein anderer Mensch, aber ein Mensch mit einem besonderen Auftrag, stellte der Superintendent fest. Zwar seien alle Christen durch die Taufe berufen, dennoch bedürfe die öffentliche Verkündigung des besonderen Auftrags, der ihr durch die Ordination zuteil werde.

„Es hängt doch von uns ab, wie wir mit der Einladung umgehen“, zieht Pastorin Vera Gronemann am Ende ihrer Predigt, in der sie sich mit dem Gleichnis vom Hochzeitsmahl aus Kapitel 22 des Matthäus-Evangeliums auseinandersetzt, Bilanz. Luther habe es einst als „ein schrecklich Evangelium“ bezeichnet, stellt sie fest und räumt ein, dass sie den Reformator verstehen könne. Vieles sei ungewiss, es gebe nicht auf alles eine Antwort, dieses Ringen mit sich und mit Gott sei prägend für Luthers Theologie gewesen. Das Ungewisse sei schwer auszuhalten, doch dabei bleibe es nicht. „Der Mensch gewordene Gott ist ganz anders, er setzt sich zu uns, nimmt Folter und Schmerz aus Liebe zu uns auf sich“, ist Gronemann davon überzeugt, dass am Ende die Hoffnung siegt und „wir das Leben feiern“. „Er will uns unbedingt dabei haben, weil er uns liebt“, macht sie deutlich, dass darin die frohe Botschaft liege.

Nach dem Gottesdienst in der Stadtkirche mussten die Menschen vor dem Dietrich-Bonhoeffer-Haus lange Schlange stehen, um der frisch ordinierten Pfarrerin gratulieren, ihr viele gute Wünsche mit auf den Weg geben und mit ihr den Beginn ihres neuen Lebensabschnitts feiern zu können. Die musikalische Gestaltung des Festgottesdienstes hatten die Kantorei, der Junge Chor und der Po-saunenchor der evangelischen Kirchengemeinde mit Kirchenmusikdirektor Martin Ufermann als Leiter der Ensembles sowie als Organist übernommen.

 

Text und Foto: Dietlind Ellerich