Aktuelles aus dem Kirchenkreis

Dienstag 27. Juni 2017 | Alter: 150 Tage

Mit dem Herzen sehen und fragen, wem werde ich der Nächste?

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(v.l.n.r.:) Christian Heine-Göttelmann (Vorstand Diakonie R-W-L), Stefan Zimmermann (Kaufmännischer Vorstand des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Tecklenburg), Sozialdezernent Tilmann Fuchs, Pfarrer Jürgen Nass (Theologischer Vorstand des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Tecklenburg), Oberkirchenrätin Doris Damke, Superintendent André Ost und Landrat Dr. Klaus Effing.

Lengerich. Unter dem Motto „50 Jahre Diakonie – Gott sei Dank!“ lud das Diakonische Werk im Kirchenkreis Tecklenburg anlässlich seines 50-jährigen Jubiläums zu einem Festgottesdienst und Empfang in die Gempthalle nach Lengerich ein. 300 Gäste kamen und feierten dieses „halbe Jahrhundert Dienst am Menschen“ wie es in der Einladung heißt.

Oberkirchenrätin Doris Damke lenkte in ihrer Festpredigt den Blick auf die Geschichte des Barmherzigen Samariters. „Die Samariter hielten sich zwar an die Thora, galten den Juden aber als eine ungläubige Sekte“ so die Theologin.

Der Samariter kommt, sieht und hilft dem Verletzten. Er frage nicht: Wer ist denn mein Nächster? Sondern er wird dem, der ihn jetzt braucht, zum Nächsten. „Diese Beispielgeschichte Jesu dreht also die Fragerichtung des Gesetzeslehrers schlicht um“, so Damke weiter. Es gehe nicht darum, theoretisch zu fragen, wer ist mein Nächster, sondern es gelte, mit dem Herzen zu sehen. Es komme darauf an, wem ich zum Nächsten werde, unterstrich sie. „Wer das Liebesgebot tut, der wird leben. Denn Gottesliebe verlangt Barmherzigkeit, nicht Opfer“. Schon im Alten Testament wurde dieses Liebesgebot nicht nur auf Volksgenossen sondern auch auf den Fremdling bezogen. Hier zeigten sich aktuelle Bezüge, so die Oberkirchenrätin.

„Es begann klein mit einem Schreibtisch in einem Gemeindehaus und differenziert sich heute aus ambulanter Pflege, Betreuung und hauswirtschaftlichen Hilfen, verteilt auf fünf Diakonie-Stationen in Lengerich, Ibbenbüren, Rheine, Lienen und Westerkappeln“ informierte Christian Heine-Göttelmann, Vorstand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, die Gäste. Hinzu kommen die Ledder Werkstätten, zwei Tagespflege-Einrichtungen in Ibbenbüren, unterschiedlichste Beratungsangebote, die Bahnhofsmission, das Frauenhaus in Rheine und die Arbeit mit Kindern.

„Eine Einrichtung braucht Gesichter, menschliche Züge, Menschen, die eine Kultur transportieren. Personen, die durch ihre Kommunikation im Austausch darüber bleiben und die Arbeit weiterentwickeln“, so Heine-Göttelmann. „Wir werden als Christen immer diakonisch sozial handeln wollen und müssen“. Es gehe darum, „die Gerechtigkeit unter den Menschen sichtbar zu machen“. In diesem Zusammenhang beklagte er, dass im Koalitionsvertrag der Landesregierung zum Thema „Sozialer Arbeitsmarkt“ nichts zu finden sei. Die Diakonie RWL habe aber die Hoffnung, dass in der praktischen Arbeit der Landesregierung die 300.000 Langzeitarbeitslosen und deren persönliches Schicksal in NRW eine Rolle spielen werden.

„Die Aufgaben, denen sich das Diakonische Werk in den vergangenen 50 Jahren angenommen hat, sind vielfältig, umfangreich und eine tragende Stütze für eine funktionierende Gesellschaft“ betonte Landrat Dr. Klaus Effing in seinem Grußwort. „Sie bieten Menschen eine neue Perspektive und finden Lösungen“. Damit sei die Diakonie zu einem unverzichtbaren Bestandteil des sozialen Netzes im Kirchenkreis Tecklenburg und somit im Kreis Steinfurt geworden, so der Landrat weiter. „In allen diakonischen Arbeitsbereichen kann der Kreis Steinfurt von positiven Kooperationen sprechen. Darüber sind wir sehr froh. Die finanzielle Unterstützung dieser Angebote durch den Kreis ist absolut sinnvoll investiert“, machte Effing deutlich. Dieser Dienst zeichne sich durch Respekt und Würde sowie Nächstenliebe gegenüber allen Menschen aus.

„Kirche und Diakonie gehören zusammen“, so Superintendent André Ost, Vorsitzender des Verwaltungsrats. „Vielleicht ist gerade das ein besonderes Merkmal unserer Diakonie, auf dass wir zu diesem Jubiläum durchaus stolz sein können: es wird in unserem Kirchenkreis überhaupt nicht in Frage gestellt“. Dies, so Ost weiter, habe gewiss mit Stefan Zimmermann und Pfarrer Jürgen Nass, beide Vorstand der Diakonie, zu tun. Die Diakonie sei zweifellos eines der Aushängeschilder des Kirchenkreises Tecklenburg. Professionalität, hohes Engagement und Identifikation, Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit habe ihr die landeskirchliche Visitation vor zwei Jahren bescheinigt. „Das Diakonische Werk hat sich seine regionale Nähe erhalten und damit seine Akzeptanz beim Kreis, den Kommunen, den Kirchengemeinden und letztlich auch bei den Menschen, die unsere diakonischen Dienste in Anspruch nehmen“ betonte Ost. Flexibel zu bleiben und trotzdem menschennah im Dienst für alle zu sein sei auch zukünftig die Aufgabe der Diakonie.

Begeisterten Applaus ernteten der Kreisposaunenchor (Leitung: Ursula-Maria Busch), der Chor Gospeltrain (Leitung Pfarrer Thorsten Böhm) und die Kammermusik-AG des Graf-Adolf-Gymnasiums Tecklenburg (Leitung Ulrike Lausberg) sowie Stefanie Bloch (Musikschule Tecklenburger Land) für die musikalische Gestaltung von Gottesdienst und Empfang. Mit einem fröhlichen Austausch bei Schnittchen und einem Glas Sekt klang der Empfang aus. Gute Wünsche in Form von Glückskeksen konnten die Gäste mit auf den Nachhauseweg nehmen.