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Freitag 30. Juni 2017 | Alter: 111 Tage

Klassische indische Musik im Kirchenraum

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Pandit Swapan Bhattacharya (Tabla), Sigrun Menzel (Tanpura), Manoj Baruah (Violine) und Norbert Ammermann (Sitar, v.l.) brachten den Zuhörern klassische indische Musik nahe.

Im Rahmen der neuen Konzertreihe "Kirchen laden ökumenisch zur geistlichen Musik ein" konnten am 28. Juni die Besucher in der Ibbenbürener Ludwigkirche ungewöhnliche Schätze einer fremden Kultur entdecken. Auf Einladung von Professor Dr. Norbert Ammermann, Kulturbeauftragter des Evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg, musizierten zwei international gefeierte Künstler aus Indien. Professor Ammermann, Musiker, Theologe und Komponist, führte selbst in das Konzert ein. Die neue Konzertreihe haben katholische und evangelische Kirchen im Kreis Steinfurt gemeinsam ins Leben gerufen, um interreligiöse Begegnungen zu ermöglichen. Zum Auftakt stand indische klassische Musik auf dem Programm.

Pandit Swapan Bhattacharya stammt aus Kalkutta und hat viele Jahre in Hamburg gelebt. Die Annäherung zwischen unterschiedlichen Kulturen ist eines seiner Ziele, das er auf Tourneen und in Workshops authentisch und kontaktfreudig umsetzt. Er ist ein äußerst geschätzter Meister auf der Tabla. Von seiner virtuosen Beherrschung des Instruments konnten sich die Zuhörer in Ibbenbüren überzeugen. Die kleinen Kesseltrommeln mit dem typischen dunklen Kreis in der Mitte und einem großen Klangspektrum zogen auch im Münsterland das Publikum in ihren Bann und luden zum Meditieren ein.

Mit bravourösem Spiel auf einer fünfsaitigen indischen Violine begeisterte Manoj Baruah. "Das Konzert ist sehr schön, ich bin mit dieser Musik groß geworden", erzählte Aditi Engel. Sie stammt aus Kalkutta, lebt aber schon seit 14 Jahren in Deutschland. Die verwendeten Instrumente gehörten zur klassischen indischen Musik unbedingt dazu, vor allem die Tabla, so die Ibbenbürenerin. Die Begleitung auf der Tanpura, einer gezupften Langhalslaute, spielte Sigrun Menzel. "Wir haben heute ein "Abend-Raga" gespielt, erläuterte Pandit Swapan Bhattacharya. Ragas bilden die melodische Grundstruktur dieser Musikform. Sie sind einer feststehenden Tonskala zugeordnet und klingen am Morgen anders als mittags, abends oder um Mitternacht. Indische geistliche Musik in dieser Perfektion zu erleben, war ein seltenes Geschenk, dem viel Beifall zuteil wurde. "Indische Musik ist Meditation und Therapie für Körper und Seele", stellte Pandit Swapan Bhattacharya fest.

Nach einer kurzen Pause stimmte Professor Ammermann den mittelalterlichen Choral "Nun bitten wir den Heiligen Geist" an, den das Ensemble danach auf seine Weise interpretierte. Er griff selbst zur Sitar, ebenfalls eine Langhalslaute und aus der indischen Musik nicht wegzudenken. In Europa hat sie durch Auftritte von Ravi Shankar einen großen Bekanntheitsgrad erlangt. "Es geht uns bei der Reihe darum, globale Musik zu den Herzen sprechen zu lassen", erklärte Professor Ammermann. Es war auf jeden Fall gelungen, das Interesse der Besucher zu wecken. Neugierig betrachteten sie die indische Violine, Sitar, Tanpura und Tabla. Die Künstler gaben gern Auskunft, spielten Trommeln, Lauten und Violine noch einmal an und ließen eine Zuhörerin selbst die Tabla schlagen. Im November 2017 ist ein Konzert mit Musik der Sufis geplant, um den Dialog mit anderen Religionen zu erweitern.

 

Text und Foto: Brigitte Striehn

 

https://www.youtube.com/watch?v=J1GmztFn1Sw&t=134s