Aktuelles aus dem Kirchenkreis

Mittwoch 05. Juli 2017 | Alter: 45 Tage

„Es wird eine spannende Herausforderung, an der Kirche der Zukunft mitzubauen"

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Beate Heßler, Regionalbeauftragte für Mission, Ökumene und Weltverantwortung (MÖWe) bei der Einbringungsrede zur Beschlussempfehlung zur Partnerschaftsvereinbarung, neben ihr: Superintendent André Ost.

Ibbenbüren. „Es wird eine spannende Herausforderung, an der Kirche der Zukunft mitzubauen“, so Superintendent André Ost zur Eröffnung der Sommersynode des Ev. Kirchenkreises Tecklenburg am 3. Juli. „Wir müssen die Herausforderung gemeinsam annehmen und am besten schon jetzt damit beginnen, die Entwicklungen der Zukunft in unsere Entscheidungen für heute einzubeziehen“. Nach dem Eröffnungsgottesdienst mit Pfarrerin Susanne Nickel in der Ev. Christuskirche in Ibbenbüren eröffnete Superintendent André Ost die Synode.

„Kirchen sind uns bleiben wichtige Impulsgeber, nicht zuletzt in ethischer Hinsicht“

„Wir sollten uns als Gesellschaft für Andere öffnen und Europa nicht als Festung sehen“, betonte Bürgermeister Dr. Marc Schrameyer (Ibbenbüren) in seinem Grußwort an die Synodalen. Kirchen würden für eine von Nächstenliebe geprägten Gesellschaft eintreten. In diesem Zusammenhang bedankte er sich für das Engagement der Kirchengemeinden in der Flüchtlingsarbeit. Christen hätten die Verantwortung, sich konstruktiv einzubringen, dies gelte beispielsweise in den Bereichen Bildung, Soziales Diakonie oder der Flüchtlingsarbeit, führte der Bürgermeister aus. Im Sinne des Lutherzitats: „Es ist kein anderer Weg zu Gotte denn unserem Alltag unseres Tuns“ wünschte er der Synode eine erfolgreiche Tagung.

Kreisdechant Stefan Dördelmann grüßte die Synode in einem schriftlichen Grußwort: „Ich bin dank-bar für eine lebendige, unkomplizierte und fröhliche Ökumene, die wir miteinander auf vielfältige Weise in den Gemeinden und auf Kirchenkreisebene und Kreisdekanatsebene leben. In diesem Gedenkjahr sind wir an manchen Punkten besonders sichtbar gemeinsam verbunden, um deutlich zu machen, welchen Weg unserer Kirchen in den letzte Jahrzehnten zurückgelegt haben und welche Früchte seit der Reformation gewachsen sind“, so Dördelmann weiter.

„Ich freue mich darüber, dass unsere Zusammenarbeit in der Nachbarschaft unserer Kirchenkreise mit den Jahren immer reicher geworden ist“ so Superintendent Joachim Anicker vom Nachbarkirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken in seinem Grußwort. „Besonders schön und erfreulich sind dabei die gemeinsamen Aktivitäten im Rahmen des Reformationsjubiläums unserer drei Kirchenkreise, deren Schlussakkord ja noch am 17. September bei dem großen Fest in Tecklenburg bevorsteht“. Weitere Aktivitäten seien die ökumenische Reise zu den Lutherstätten mit 150 Teilnehmenden im Herbst 2016, der gelungene Ökumenische Neujahrsempfang in der Stadthalle in Rheine und die Akti-on „Lutherfiguren auf dem Prinzipalmarkt in Münster“ und in den Gemeinden des Münsterlands, so Anicker weiter.

 

Reformationsjubiläumsjahr steht im Mittelpunkt des Superintendentenberichts

„Von der Freiheit ist in diesem Reformationsjubiläumsjahr viel die Rede“, so Superintendent André Ost in seinem Bericht zur Eröffnung der Sommersynode des Ev. Kirchenkreises Tecklenburg in der Ev. Christus-Kirchengemeinde in Ibbenbüren. Sie gelte als Kernthema der Reformation „Einfach frei“ hat die Evangelische Kirche von Westfalen das Motto des Reformationsjubiläums genannt. „Die Freiheit“, so Ost weiter, „ist ein gern genutzter Begriff“. Sie sei Kernbestand des modernen westlichen Lebensverständnisses. „Freiheit wird in diesen Tagen wieder beschworen und bedroht gesehen im Kontext von Nationalismus, Populismus und eingeschränkter Pressefreiheit, sogar mitten in Europa“ führte der Superintendent aus. Christliche Freiheit jedoch öffne einen viel weiteren Horizont, der nicht nur unser Leben mit den Menschen sondern auch unser Sein vor Gott umfasse.

 

Das Reformationsjubiläum hat schon viele Früchte getragen

Im Kirchenkreis Tecklenburg hat das Reformationsjubiläum schon viele Früchte getragen. Zum Jahresbeginn veranstaltete der Kirchenkreis gemeinsam mit dem Nachbarkirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken und dem Kreisdekanat Steinfurt einen Ökumenischen Neujahrsempfang in Rheine. „Dieser wurde“, so Ost “ zu einem eindrücklichen Zeichen der ökumenischen Gemeinsamkeit in der Region“. Großes Interesse für die Inhalte der Reformation fanden auch die beiden Ausstellungen „Mensch Martin, Hut ab!“ und „Frauen der Reformation – Gesichter und Geschichte(n)“. Sie werden an 14 Stationen im ganzen Münsterland gezeigt und haben inzwischen Tausende Schülerinnen und Schüler erreicht. Neun von insgesamt 30 überlebensgroßen Luther-Figuren wandern in diesem Jahr durch den Kirchenkreis Tecklenburg. Sie sind in Ibbenbüren, Ladbergen, Lengerich, Lotte, Rheine, Kattenvenne, Westerkappeln und der Jugendbildungsstätte in Tecklenburg zu finden. Auch die Luther-Figuren sind ein Gemeinschaftsprojekt des Gestaltungsraums (Kirchenkreis Tecklenburg, Kirchenkreis Münster, Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken). “In diesem Projekt“ berichtete Superin-tendent Ost „sind viel Ideenreichtum und auch Finanzkraft zusammengeflossen“.

Das zentrale Reformationsfest aller drei Kirchenkreise im Münsterland mit Eckart von Hischhausen als Gastprediger findet am 17.September auf der Freilichtbühne in Tecklenburg statt. „Diese Großveranstaltung hat jetzt schon so viel Interesse gefunden, dass alle Plätze weit im Vorfeld restlos ausgebucht waren“ berichtete der Superintendent. Daneben habe es Vortrag- und Predigtreihen, Kon-zerte, Feste, Exkursionen und Sonder-Gemeindebriefe gegeben. „Das Reformations-jubiläum setzt viele kreative Prozesse in Gang“ betonte André Ost.

 

„Was kommt nach 2017?“

„Die Reformationsdekade hat uns mit ihren thematischen Schwerpunkten von der Taufe und der Kirchenmusik über die Bildung und die Politik bis zur Kunst zweifellos gut getan. Ich fürchte, wir werden etwas vermissen, wenn wir die inhaltliche Fokussierung in den nächsten Jahren nicht mehr haben“, bedauerte der Superintendent. Vielleicht werde die ökumenische Frage dann wieder bedeutsam. „Es wird Zeit für einen neuen ökumenischen Aufbruch“, betonte er. „Die kirchliche Basis wünscht sich das“. Die Gemeindebasis sei in ihren Ideen und Visionen manchmal viel weiter als das auf der kirchenleitenden Ebene vorstellbar erscheint. Vielleicht gelte dies auch für den nächsten Schritt auf dem ökumenischen Weg. „Ein Fortschritt in der Abendmahls- und Eucharistie-gemeinschaft ist dringend geboten“ unterstrich Ost. „Die Trennung an dieser Stelle erscheint immer mehr Gemeindegliedern auf beiden Seiten unerträglich“.

 

Traditionsabbruch und neue Perspektiven

„Wir werden den schleichenden Traditionsabbruch vermutlich nicht aufhalten können. Trotzdem ist die Frage, wie wir darauf reagieren“ betonte der Superintendent. Die Gemeindegliederzahl werde kleiner, die Finanzen würden, aller positiven Überraschungen der letzten Jahre zum Trotz, in den kommenden Jahren knapper. Was durch die solide konjunkturelle Lage gegenwärtig noch überkompensiert werde, schlage irgendwann durch: Immer weniger Gemeindeglieder bedeuten dann geringere Kirchensteuereinnahmen. Auch die Zahl der Pfarrerinnen und Pfarrer werde sinken. „Es wird eine spannende Herausforderung, an der Kirche mit Zukunft mitzubauen“ machte Ost deutlich. „Wir müssen die Herausforderung gemeinsam annehmen und am besten schon jetzt damit beginnen, indem wir anfangen, die Entwicklungen der Zukunft in unsere Entscheidungen für heute einzubeziehen.

 

Flüchtlingsarbeit verändert die Gemeinden

Viele Berichte aus den Gemeinden weisen darauf hin, dass die Herausforderungen der letzten zwei Jahre durch die Flüchtlingssituation die Gemeindearbeit vor Ort beeinflusst und verändert haben. Kirchengemeinden in Ibbenbüren, Lienen, Lotte, Rheine und Schale haben ihre Räume geöffnet und sich darauf eingelassen, dass das Flüchtlingsthema zu einem neuen Schwerpunkt im Gemeindealltag geworden ist. Dies hat zu überraschenden Erfahrungen geführt: Menschen, die zuvor nur wenig Kontakt zur Gemeinde hatten, engagieren sich nun in diesem Arbeits-feld. „Auch ökumenische Beziehungen erhalten dadurch wieder Auftrieb“ betonte André Ost. „Und selbst dann, wenn Gemeindeglieder sich schwertun mit der politischen Frage des angemessenen Umgangs mit der Flüchtlingssituation, erkennen sie doch, dass Kirche sich hier aus humanitären Gründen engagieren muss“. Menschen, die Sprachkurse besuchen, tauchen auch in den Gottes-diensten auf. Einige wollen getauft werden. „So verändert sich etwas in unseren Gemeinden“, berichtete Ost. Hier komme auf den Kirchenkreis eine ganz neue Aufgabe zu. „Wir sind dabei, mit landeskirchlicher Hilfe eine Lösung zu finden“.

 

Christliche Freiheit ist niemals selbstbezogen

„Die Menschen suchen heute genauso wie vor 500 Jahren nach brauchbaren Hinweisen für ein Leben ohne den Druck der Selbstrechtfertigung“, machte der Superintendent deutlich. Christliche Freiheit sie niemals selbstbezogen. Sie sei immer im Dialog mit Gott und dem Nächsten und habe stets ein Auge für die menschlichen Kontexte.

 

Strategieentwicklungsprozess für den Kindergartenverbund im Ev. Kirchenkreis Tecklenburg

Nachhaltiges Zukunftskonzept

Die komplexen Rahmenbedingungen im Kinderbildungsgesetz stellen die Kindertageseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen vor komplexe Herausfor-derungen. Zum einen werden die Einrichtungen mit einem steigenden wirtschaftlichen Druck konfrontiert, zum anderen wachsen die Anforderungen an die frühkindliche Bildung mit einem garantierten U3-Platz. Es gibt erhebliche Investitions- und Instandhaltungs-Staus in den Kindertagesstätten, insbesondere in jenen in kirchlicher Trägerschaft. Eine weitere Herausforderung ist der erhebliche Fachkräftemangel, der besonders in den Erziehungsberufen deutlich wird. Auch vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage der strategischen Aus-richtung des Verbunds der Tageseinrichtungen für Kinder im Ev. Kirchenkreis Tecklenburg. Aktuell verfolgt der Verbund eine Stabilisierungsstrategie. Der Verbund stellt sich augenblicklich die Frage, ob diese Strategie weiterverfolgt und wie die Kinderbetreuung durch die Evangelische Kirche im Kirchenkreis Tecklenburg in Zukunft gestaltet werden soll. Die Curacon GmbH wurde als externer Berater engagiert, um ein Wirtschaftlichkeits- und Zukunftskonzept zu erstellen.

 

Partnerschaftsvereinbarung zwischen dem Kirchenkreis Tecklenburg, dem Kirchenkreis

Otjiwarongo (Namibia) und dem Kirchenkreis Wesel beschlossen und unterzeichnet

Seit 35 Jahren pflegen der Kirchenkreis Tecklenburg, der Kirchenkreis Otjiwarongo in Namibia und der Kirchenkreis Wesel eine enge, lebendige Zusammenarbeit. Die Kreissynode beschloss eine Partnerschaftsvereinbarung zwischen den drei Partnern, die die Zusammenarbeit nun auf eine solide Basis stellt. Die Partnerschaft ist integraler Bestandteil der Vereinten Evangelischen Mission (VEM). Sie wird auf der Basis des Bad Driburg Agreements 2013 und der VEM-Partnerschaftsrichtlinien ge-staltet und verwirklicht. In der Partnerschafts-vereinbarung heißt es:“ Deutschland und Namibia sind in einer gemeinsamen Geschichte verwurzelt, die fruchtbar und schmerzlich war. Wir leben in einer Welt, die geprägt ist durch eine ungezügelte Globalisierung und die Bedrohung der Lebensgrundlagen. In ihr bestehen große Unterschiede des Lebensstandards. Ihr ist rassistisches Denken noch nicht überwunden“.

 

Die Partner verpflichten sich zu ökumenischem Teilen und Handeln durch Informationsaustausch, spirituellen Austausch, gegenseitige Besuche (möglichst alle zwei Jahre) und den kulturellen Austausch. Darüberhinaus sollen auch kirchliche Mitarbeitende die Möglichkeit zum Austausch haben und es soll eine finanzielle Zusammenarbeit ermöglicht werden. In Situationen des Leidens und der Krise vereinbaren die Partner ihre gegenseitige Solidarität. Auch die Vermittlung und Förderung von partnerschaftlichen Beziehungen von Kirchen-gemeinden, Einrichtungen und Gruppen, wie z.B. Kindergärten, Schulen, Frauenhilfen und Chören wird zugesagt. Der Kirchenkreis Tecklenburg verpflich-tet sich, für den Zeitraum bis 2020 jährlich 3000 € in den „Solidarity Fund“ einzuzahlen und die direkte Projektförderung an Gemeinden bis dahin auslaufen zu lassen. Er unterstützt die Arbeit der Partnerschaftskoordinatorin in Namibia. Die Vereinbarung soll nach sechs Jahren evaluiert werden, um sie den Erfahrungen und Erfordernissen anzupassen und fortzuschreiben. Die Synodalen beschlossen mit einer großen Mehrheit der Stimmen die Partnerschaftsvereinbarung.