Aktuelles aus dem Kirchenkreis

Mittwoch 05. Juli 2017 | Alter: 106 Tage

Synodale setzen sich mit dem Pfarramt in der Dienstgemeinschaft auseinander und votieren für nachhaltiges, faires und klimafreundliches Handeln

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Heinz-Jakob Thyssen brachte den Antrag des Ausschusses MÖWe und des Ausschusses für gesellschaftliche Verantwortung ein.

Ibbenbüren. Unter welchen Bedingungen wird man um das Jahr 2030 im Kirchenkreis Tecklenburg Pfarrer und Pfarrerin sein können? Was werden die zentralen Aufgaben sein? Was wird sich im Berufsbild ändern müssen, um den Anforderungen dann noch gerecht werden zu können? „Es ist an der Zeit, solche Zukunftsszenarien gemeinsam in den Blick nehmen. Und zwar nicht nur auf landeskirchlicher Ebene, auf der gerade ein Pfarrbildprozess in Gang gekommen ist“, betonte Superintendent André Ost in seinem Bericht im Rahmen der Sommersynode des Ev. Kirchenkreises Tecklenburg in Ibbenbüren. Dies gelte auch für die kreiskirchliche und die Gemeindeebene. Ziel des landeskirchlichen Prozesses ist die Vergewisserung über den Auftrag des Pfarramts und die Stärkung der Pfarrerinnen und Pfarrer in der Wahrnehmung ihres Dienstes. Im Mittelpunkt des Prozesses stehen Fragen nach den Kernaufgaben der Theologen, der Balance von Amt und Person sowie der interprofessionellen Kooperation, dem Miteinander von Pfarramt und Ehrenamt und die Zuordnung gemeindlicher und funktionaler Dienste. „Die Diskussionen müssen bis in die Presbyterien hineinreichen, weil uns die künftigen Entwicklungen nicht unvorbereitet treffen dürfen“ unterstrich Ost.

 

Zwischenbericht des Arbeitskreises Pfarrstellenplanung

„Der Zwischenbericht des Arbeitskreises Pfarrstellenplanung ist ein Beitrag, um gemeinsam in synodaler Gemeinschaft Lösungen zu erarbeiten. Dass solche Überlegungen in einigen Gemeinden schon angestoßen sind, zeigen diverse Gemeindeberichte, die der Kreissynode vorgelegt wurden“ berichte-te der Superintendent. Einige Presbyterien haben sich schon länger Gedanken darüber gemacht, wie sich die Gemeinde vor dem Hintergrund sich abzeichnender Veränderungen in den nächsten 15 Jahren entwickeln wird. „Wenn es unser Auftrag ist, Menschen mit der befreienden Wirkung des Glau-bens an Jesus Christus vertraut zu machen und ihn erlebbar zu machen, dann müssen wir sicher beides tun: Auf das Besondere setzen, das aufmerksam und neugierig macht und für das sich alle Mühe lohnt“ unterstrich Superintendent André Ost. „Und gleichzeitig das Kleine und vermeintlich Unscheinbare achten, das sich in jeder Andacht, in jedem Besuch, in jedem Seelsorgekontakt ereignen kann und eben darum genauso jede Mühe wert ist“. Es gehe darum, der Freiheit im Glauben Raum zu geben, im Kleinen wie im Großen. Perspektivisch gelte es, mehr zu konzentrieren und zusammenzu-arbeiten, den Blick auf die Nachbarschaft zu lenken, um in Gemeinschaft Kräfte zu bündeln, so André Ost. Dies eröffne die Chance, neue Möglichkeiten zu entdecken.

 

„Es geht darum, Weichen für die Zukunft zustellen“

„Der Pfarrdienst wird sich verändern müssen“ betonte der Superintendent vor der Synode. Es sei von drei Faktoren auszugehen: „Wir verlieren pro Jahr 1,2 % der Gemeindeglieder. Dies ist ein Trend, der sich auf Kirchenkreisebene abzeichnet“, so Ost weiter. Bis 2030 müsse der Kirchenkreis mit einem Verlust von 16 – 18 % an Gemeindegliedern rechnen. Dies habe geringere Kirchensteuereinnahmen zur Folge. Ein dritter Aspekt sei der mangelnde theologische Nachwuchs, machte er deutlich. „Die Studierendenzahlen steigen zwar langsam wieder an, doch die große Zahl der Pensionierungen, die sich in den nächsten Jahren im Kirchenkreis ereignen wird, ist dadurch nicht aufzufangen“. Weniger Pfarrpersonal und weniger Gemeindeglieder bedeute, dass es in Zukunft pro Pfarrstelle eine erhöhte Anzahl an Gemeindegliedern geben werde. Das heißt: Es wird eine erweiterte, über die heutigen Pfarrbezirks- und Gemeindegrenzen hinausgehende Zuständigkeit geben wird. „Es geht jetzt darum, die Weichen zu stellen und ein Planungsszenario zu entwerfen“ betonte er. Hier gelte es, mehr sozialräumlich und in Nachbarschaften zu denken.

 

„Wir brauchen auch jetzt und in Zukunft gute Pfarrerinnen und Pfarrer“

Pfarrerin Daniel Fricke, Referentin für Seelsorge und Beratung und Geschäftsführerin des landeskirchlichen Prozesses zum Pfarramt in der Dienstgemeinschaft der Kirchen, überbrachte Grüße aus der Landeskirche (Evangelische Kirche von Westfalen, EKvW). „Der landeskirchliche Diskussionsprozess soll dazu verhelfen“ die Qualität im Pfarramt zu sichern. Wir brauchten schon immer, so auch jetzt und in Zukunft gute Pfarrerinnen und Pfarrer“ unterstrich sie. Die neueste Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung zeige, dass Pfarrerinnen und Pfarrer in besonderer Weise die Personen seien, mit denen Menschen ihren Kontakt und die Bindung an die Kirche verknüpfen, die evangelische Kirche in der Öffentlichkeit repräsentieren. Sie seien gefragt, wenn es darum gehe, das, was gesellschaftlich geschehe, im Licht des Evangeliums zu deuten. Wie die geschwisterliche Gemeinschaft in einer Kir-chengemeinde oder Region konkret zu gestalten sei, zeige sich an Pilotprojekten: Wenn eine Pfarrstelle vakant und nicht wiederbesetzt werden wird, öffnet sich die Möglichkeit, den Dienst beispielsweise in multiprofessionellen Teams neu zu gestalten. Anträge und erste Projekte liefen bereits und würden von landeskirchlicher Seite begleitet.

 

„In den vergangenen Jahrzehnten“, so die Referentin“, hat sich die Seelsorgearbeit immer weiter professionalisiert und spezialisiert und konnte sehr qualifiziert nahezu flächendeckend wahrgenommen werden. Es ist inzwischen bekannt, dass wir die Vielzahl dieser Pfarrerinnen und Pfarrer in Zukunft nicht mehr haben werden und zusätzliche Stellen nicht mehr finanzieren können. „Ein großes wichti-ges Projekt ist die Weiterentwicklung der Gesamtkonzeption Seelsorge in der EKvW“ berichtete Daniela Fricke. „Die Kirchenleitung hat dem Entwurf im Februar dieses Jahres einmütig beschlossen, auch die Superintendentinnen und Superintendenten haben dem Entwurf zugestimmt“. „Wenn die Landessynode 2017 diesem Vorschlag folgt, werden für einige Seelsorgebereiche (z.B. Polizei- oder Gehörlosenseelsorge) regional verortete landeskirchliche Pfarrstellen eingerichtet, um die Arbeitsfelder mittelfristig zu sichern und die Kirchenkreise finanziell zu entlasten“.

 

In Diskussionsgruppen in der Christuskirche Ibbenbüren befassten sich die Synodalen engagiert mit Ideen, Befürchtungen und neuen Möglichkeiten und Perspektiven der Zusammenarbeit im Pfarramt. Pfarrer Reinhard Lohmeyer meinte: „Wir müssen den Presbyterien die Chance geben, sich mit diesem Thema intensiv zu befassen“. Pfarrer Martin Pfuhl appellierte an die Synodalen: „Wir haben jetzt noch 13 Jahre Zeit, uns Gedanken über dieses Thema zu machen. Lasst uns diesen Prozess als Chance sehen“. Zur Sommersynode 2018 wird der Arbeitskreis Pfarrstellenplanung ein praktikables Konzept zur Beschlussfassung vorlegen.

 

In gemeinsamer Verantwortung nachhaltig, fair und klimafreundlich handeln

Kirchliche Gruppen setzen sich seit vielen Jahren dafür ein, die wirtschaftliche und soziale Situation von benachteiligten Bäuerinnen und Bauern sowie Arbeit-nehmerinnen und Arbeitnehmern im Globalen Süden zu verbessern. Sie sollen für ihre Arbeit und Produkte angemessen bezahlt werden und eine stabile Existenz aufbauen können. Eine lebenswerte und nachhaltige Umwelt soll sichergestellt sein.

Die kreiskirchlichen Ausschüsse für gesellschaftliche Verantwortung (AgV) und Mission, Ökumene, Weltverantwortung (MÖWe) appellieren, dass die kreiskirchliche Verwaltung, die Gemeinden und Einrichtungen, der Verbund der Kindertageseinrichtungen sowie die Jugendbildungsstätte Tecklen-burg, diese Initiative unterstützen.

Die Synodalen beschlossen, zukünftig bei allen Veranstaltungen, Aufgaben der Beschaffung, der Auf-tragsvergabe und Bewirtschaftung von Grundstücken ihre Mitverantwortung in den Blick zu nehmen. Dies gilt für die Berücksichtigung sozialer Standards für eine Ausrichtung der Wirtschaft an Men-schenwürde und Menschenrechten, aber auch für die Berücksichtigung ökologischer Kriterien für eine Ausrichtung der Wirtschaft auf Nachhaltigkeit. Verantwortliche in den Leitungsgremien sowie haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende, die die Organisation von Veranstaltungen übernehmen und Einkäufe tätigen, werden gebeten, diese Ziele zu unterstützen. Durch die Beschäftigung mit den Kri-terien und die Festlegung verlässlicher Regeln nehmen sie in den Kirchengemeinden, in Kreissynodal-vorstand und Verwaltung des Kirchenkreises sowie in den Einrichtungen mit ihrem Handeln zugleich Verantwortung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung wahr. Es werden folgende Projekte vereinbart:

 

• Projekt faire Gemeinde – faire Einrichtung

Die Kirchengemeinden und Einrichtungen wie die Jugendbildungsstätte Tecklenburg und der Ver-bund der Kindertageseinrichtungen werden gebeten, bis zur Wintersynode 2017, die Kriterien zu benennen und zu veröffentlichen, die sie vor Ort umsetzen.

 

• Projekt Klimafreundlich und fair einkaufen bei Veranstaltungen

Die Synode und die Kirchengemeinden werden gebeten, sich bis zur Sommersynode 2018 für die Durchführung ihrer Veranstaltungen auf Leitlinien und konkrete Maßnahmen zu verständigen. In den einzelnen Arbeitsfeldern werden Fortbildungen angeboten.

 

• Unterstützung Projekt Global Nachhaltige Kommune in NRW im Kreis Steinfurt

Die Kirchengemeinden und Einrichtungen wie die Jugendbildungsstätte Tecklenburg und der Verbund der Kindertageseinrichtungen werden aufgerufen, sich in ihrer Gemeinde am Projekt zu beteiligen.

 

• Projekt fairer Kirchenkreis

 

Der Kreissynodalvorstand, die kreiskirchliche Verwaltung und die Aufgabenbereiche, werden gebe-ten, sich bis zur Sommersynode 2018 für die Durchführung ihrer Veranstaltungen auf Leitlinien und konkrete Maßnahmen zu verständigen, die bezüglich der Aufgaben der Beschaffung, Auftragsverga-be und Bewirtschaftung von Grundstücken ihrer Mitverantwortung zu übernehmen. Hier gelte es, soziale Standards und ökologische Kriterien in den Blick zu nehmen. Der Kirchenkreis Tecklenburg bietet in den einzelnen Arbeitsfeldern jährlich Fortbildungen zu den Themen des fairen und ökologischen Handelns an. Die Kreissynode sprach sich mit großer Mehrheit für die vier Empfehlungen aus.

 

Faire Woche 2017

Pfarrer Heinz-Jakob Thyssen, Umweltbeauftragter des Kirchenkreises, und Dr. Jean-Gottfried Mutombo informierten die Synodalen über die Faire Woche 2017, die vom 15. – 29. September stattfindet. Jean-Gottfried Mutombo ist Regionalbeauftragter des Amtes für Mission, Ökumene und Weltverantwortung (MÖWe). Der Kirchenkreis Tecklenburg ist aktiv mit einer Reihe interessanter Veranstaltungen dabei. Weitere Informationen zu den Veranstaltungen unter www.kirchenkreis-tecklenburg.de

 

Antrag zur Bleibeperspektive von gut integrierten Migranten

Auf Antrag von drei Pfarrern aus dem Kirchenkreis Tecklenburg wird die Synode dazu aufgerufen, Landrat Dr. Klaus Effing darum zu bitten, bei der zuständigen Ausländerbehörde darauf hinzuwirken, dass die Behörde im Rahmen des geltenden Rechts Ermessensspielräume nutzt, um gut integrierten Migranten eine Bleibeperspektive in Deutschland zu ermöglichen. Es geht um Migranten, die einen Ausbildungsplatz oder eine Arbeitsstelle haben. Insbesondere fordert die Synode dazu auf, den Anspruch auf Ausbildungsduldung durch die Gewährung einer Beschäftigungserlaubnis zu gewährleisten. Die Synode bittet darum, den Empfehlungen der Härtefallkommission des Innenministeriums zu folgen. Pfarrerin Elke Böhne berichtete, dass sie im Gemeindealltag schmerzlich erlebe, dass jungen Migranten, die erfolgreiche eine Ausbildung abgeschlossen hätten, die Beschäftigungserlaubnis durch die Ausländerbehörde verwehrt werde. Dieser Antrag wurde mit großer Mehrheit von den Synodalen beschlossen.