Aktuelles aus dem Kirchenkreis

Montag 31. Juli 2017 | Alter: 19 Tage

Ev. Sozialseminar informiert über „Nachhaltigkeits-Offensive“

Kategorie: alle Nachrichten


v.l.n.r.: Eva Niederdalhoff (Ldw. Ortsverband Lienen), Susanne Schulze Bockeloh (WLV), Dr. Rudolf Holtkamp (ev. Sozialseminar).

Kattenvenne. Etwa 30 Teilnehmer/innen waren auf Einladung des ev. Sozialseminars und des landwirtschaftlichen Ortsverbands Lienen ins Kattenvenner Gemeindehaus gekommen, um Details zur Entstehung, zu Inhalten und Zielen der „Nachhaltigkeits-Offensive“ des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) zu erfahren. Referentin war Susanne Schulze Bockeloh, Landwirtin und Vorsitzende des WLV-Kreisverbandes Münster. Sie war maßgeblich an der Erarbeitung dieser Initiative beteiligt, die im Jahr 2015 ihren Ursprung hatte. „Not macht erfinderisch“, könnte man sagen – schlechte Produktpreise, hohe Pachtpreise und nicht zuletzt der schlechte Ruf der Landwirtschaft in den Medien und bei vielen Verbrauchern drängten und wurden zur Initialzündung für die Offensive.

Breit war die Beteiligung und lang der Diskussionsprozess – es wurde gerungen um Aussagen und Formulierungen. Die Winterversammlungen der Kreis- und Ortsver-bände des WLV waren so gut besucht wie lange nicht, es ging offenbar ans Eingemachte. Besonders viele Diskussionen löste der sogenannte

„Schädigen-Satz“ aus, der nach einer schmerzhaften Suche nach der idealen Formulierung nun folgender-maßen lautet: „Wir müssen uns dort verändern, wo wir als Berufsstand durch unsere Art und Weise der landwirtschaftlichen Erzeugung dazu beitragen, dass Boden, Wasser, Luft, Pflanzen und Tiere sowie Elemente der Kulturlandschaft geschädigt werden.“ Diese Formulierung erscheint insofern salomonisch, als sie offen lässt, ob es eine solche Schädigung überhaupt gibt.

Die Referentin bezeichnete die Offensive Nachhaltigkeit als „mutigen Versuch, sozial und ökologisch Erwünschtes mit ökonomisch Machbarem zu verbinden“. Es wurden in den Handlungsfeldern Tierhaltung, Pflanzenbau, Soziales und Erneuerbare Energien Leitprojekte identifiziert, die definierte Ziele bis zum Jahr 2030 vorgeben.

Für den WLV überraschend positiv war die Resonanz der Presse auf die Veröffentlichung der Offensive im Jahr 2016. Es kamen aber auch negative Reaktionen, vor allem aus den eigenen Reihen. Und das ist vielleicht auch der größte Nutzen, den diese Offensive bislang hatte: sie hat Dinge in Bewegung gebracht, Diskussionen ausgelöst, hat Menschen aus eingefahrenen Denkmustern heraus geholt. Und das kann durchaus der Beginn weitergehender Veränderungen sein. Die Landwirtschaft ist dabei nicht isoliert von der restlichen Wirtschaft zu sehen, die sich ja auch mit einem gravierenden Veränderungsbedarf konfrontiert sieht. In der modernen, industriell genannten Landwirtschaft hat der Landwirt kaum noch einen Einfluss auf die Preise, die er mit seinen Produkten erzielen kann. Zahlt der Verbraucher mehr für Lebensmittel, heißt dies nicht zwingend, dass davon beim Landwirt auch etwas ankommt – zu viele Zwischenstufen der Verarbeitung und des Handels schöpfen hier ihre Margen ab.

In der Diskussion kamen erwartungsgemäß sehr unterschiedliche Sichtweisen zur Sprache. Für den WLV und so manchen anwesenden Landwirt ist die Offensive ein großer Schritt, für viele der Zuhörer an diesem Abend ging sie dagegen nicht weit genug. Wenn z.B. ein strategisches Ziel im Bereich Pflanzenbau und Umwelt lautet: „Oberflächengewässer halten Schwellenwerte für Nährstoffe und Pflanzenschutzmittel ein“, dann sei das eher verstörend – gehe der Verbraucher doch davon aus, dass dies schon heute selbstverständlich ist. Das Ziel, im Bereich Tierhaltung, komplett auf eine Enthornung der Rinder zu verzichten, höre sich dagegen zunächst gut an. Dass es jedoch nur durch einen angestrebten 100%igen Anteil genetisch hornloser Rinder erreicht werden soll, bedeutet umgekehrt, dass an Tierzahl und –dichte nichts geändert werden müsse. Die Gesellschaft störe sich aber eher an den aktuel-len Haltungsbedingungen.

Zentrales Ziel der Offensive Nachhaltigkeit ist es, die Außenwahrnehmung und Ak-zeptanz der Landwirtschaft durch die Gesellschaft bis 2030 spürbar zu verbessern. Für einige Zuhörer klang das noch zu sehr nach einer optimierten Vermittlung der identifizierten eigenen Stärken als nach einem ehrlichen Änderungswillen bei den Schwächen. Aber eine so grundlegende Veränderung braucht auch Zeit und muss durch die Gesellschaft wohlwollend begleitet werden. Das Sozialseminar wird hier weiterhin mit zukunftsweisenden Vorträgen und Impulsen seinen Beitrag leisten.

 

Seien Sie bereits jetzt schon hingewiesen auf den nächsten Abend dieser Reihe am 17. Oktober, wenn sich die Initiative „Regionalwert AG Rheinland“ vorstellen wird. Näheres entnehmen Sie bitte rechtzeitig den Plakaten und der Presse.

 

Text und Foto: Dr. Anja Oetmann-Mennen