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Dienstag 01. August 2017 | Alter: 18 Tage

Freude und Geborgenheit für Kinder aus Svensk

Kategorie: alle Nachrichten


Unter dem Regenbogendach versammelten sich die Kinder mit Betreuerin Larisa Popowskaja (li.) und Rita Volkmer von der Ibbenbürener Initiative.

Ibbenbüren. Seit 25 Jahren gibt es in Ibbenbüren die Initiative "Den Kindern von Tschernobyl". Die Reaktorkatastrophe in der ukrainischen Stadt am 26. April 1986 war der bisher größte atomare Unfall in der Menschheitsgeschichte. 1992 gründeten Heidrun und Erhard Schäfer unter der Schirmherrschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Ibbenbüren eine Initiative, die Kindern aus den radioaktiv verstrahlten Gebieten Erholung in Deutschland ermöglichte. 983 Kinder wurden bisher betreut. Die Gemeinschaft der Aktiven hat sich ständig weiterentwickelt und ist bis heute lebendig geblieben. Vielseitig und bunt ist das Programm, das mit Hilfe von Gemeinden, Vereinen, Firmen und Privatpersonen auf die Beine gestellt wird. Sport, Spiel und Gottesdienste bieten jede Menge Abwechslung und schöne Momente für alle Beteiligten.

Am 16. Juli schallte durch die vollbesetzte Herz-Jesu-Kirche in Ibbenbüren-Püsselbüren lautes Kinderlachen. Die Initiative hatte die Besucher aus der weißrussischen Gemeinde Svensk und Gasteltern zum Begrüßungsgottesdienst eingeladen. "Wir sind in diesem Jahr mit 40 Kindern nach Ibbenbüren gekommen, erzählte Betreuerin Larisa Popowskaja. Den ökumenischen Gottesdienst hatte der Familiengottesdienstkreis der Herz-Jesu-Gemeinde unter dem Thema "Du siehst mich - Regenbogen" vorbereitet. Pfarrer Stefan Dördelmann von der katholischen Kirchengemeinde Ss. Mauritius-Maria Magdalena, die evangelischen Pfarrer Reinhard Paul und Jörg Zweihoff sowie Diakon Wilfried van Elten vom Seelsorgeteam der katholischen Gemeinde St. Franziskus geleiteten die Zuhörer durch die Liturgie.

Der Chor "Melodia" unter der Leitung von Lilli Schäfer sang russische und weißrussische Volkslieder in der Landessprache. Pfarrer i. R. Reinhard Paul begrüßte die Anwesenden im Namen des Leitungsteams der Initiative, ehe der Vorsitzende Reinhard Jansing sich in russischer Sprache an die Gäste wandte. Pfarrer Stefan Dördelmann freute sich, dass so viele Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenkamen, um gemeinsam zu beten. "Letztlich wollen wir alle in Frieden unser kleines Glück leben", sagte er. Er wünschte allen Mut und Kraft, um die Zukunft mitzugestalten.

Reinhard Jansing ließ zum Jubiläum die letzten 25 Jahre Revue passieren und erinnerte an lustige und schöne Begebenheiten. Es mache nachdenklich, wenn 31 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl immer noch acht von zehn Kindern unter Krankheiten leiden, die darauf zurückzuführen sind. Unter dem Dach der evangelischen Kirche und unterstützt von vielen Sponsoren und Helfern haben die Gründer ebenso wie ihre Nachfolger vieles erreicht, auf das sie zu Recht stolz sind. Doris und Günter Aschmann aus Schale sind seit drei Jahren als Gasteltern dabei. "Es macht Spaß und wir fühlen uns in der Gemeinschaft gut aufgehoben", erzählte Doris Aschmann.

"Es gibt Leistungen, vor denen man sich in Respekt verneigen muss", würdigte Bürgermeister Dr. Marc Schrameyer im Grußwort zur Festschrift die Leistungen der Aktiven. Wilfried van Elten und Kinder aus dem Familienkreis Herz-Jesu brachten musikalisch Bewegung in die Reihen. Die Mädchen und Jungen erzählten außerdem die Geschichte von den zerstrittenen Farben, die am Schluss in einem bunten Regenbogen funkelten - ein Zeichen der Hoffnung und Versöhnung. In die Predigt ließ Reinhard Paul konkrete Erfahrungen mit der Hilfe für einzelne Menschen einfließen, die unsere Welt besser machen. Für die 983 Kinder öffneten 686 Gastfamilien ihre Türen - ein beeindruckender Beitrag zur Völkerverständigung. "Die Erfahrung in der Tschernobyl-Bewegung ist eine Einladung an alle Menschen: Feiert mit uns unter dem Regenbogen, feiert den offenen Himmel, unter dem die bunte Vielfalt des Lebens ihre Gestalt findet", so Reinhard Paul.

Dimitri und Eugenia sangen "Du und ich - wir sind zusammen" und rührten mit ihrem Lied die Herzen. Dann versammelten sich alle Kinder unter dem Regenbogendach und hörten ein Grußwort der Bundestagsabgeordneten Anja Karliczek. Sie lobte die Leistungen der Gasteltern, die den Svensker Kindern ein paar unbeschwerte Tage ermöglichen, ihnen Geborgenheit und Liebe geben. Auf dem Schulhof der benachbarten Ludgerischule wurde nach dem Gottesdienst gegrillt, gespielt, erzählt und fröhlich gefeiert.

 

Text und Foto: Brigitte Striehn