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Dienstag 01. August 2017 | Alter: 79 Tage

Weiterleben nach dem Tod eines Kindes

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„Der Weg der Trauer“ sieht beim Verlust eines Kindes immer anders aus. Hilfen bieten die Fotografien von Birga Jelinek (ganz links im Bild) und die Selbsthilfegruppe „Verwaiste Eltern“ aus Lengerich mit Norbert Brockmann (2.v.l.), Pastoralreferent. Den Infoabend organisierte Dr. Rudolf Holtkamp vom Sozialseminar der Evangelischen Kirchengemeinde Lienen.

„Es begleitet einen das Leben lang!“ sagt Pastoralreferent Norbert Brockmann und dreht das Stundenglas um. Integriert in den Trauerweg, aus verschiedenen Steinen, Kerzen und Blumen, bilden die leise rieselnden Sandkörner ein Ganzes und doch ist jedes Sandkorn individuell. Genau so individuell ist der Weg der Trauer der Eltern, der Familie und Freunde nach dem Verlust eines Kindes, ganz gleich welchen Alters.

„Immer wenn ein Kind stirbt, behält es einen Platz im Leben der Eltern. Gerade der Todestag, Geburtstag oder Weihnachten erinnern an die schmerzvolle Erfahrung, erzählt Brockmann, der seit 25 Jahren Eltern in der Gruppe „Verwaiste Eltern Lengerich“ begleitet. Es sind verwaiste Mütter und Väter von verstorbenen Kindern aller Altersgruppen, Eltern von Sternenkindern (durch Früh- oder Totgeburt), nach plötzlichem Kindstod, Unfall, Krankheit, Gewaltverbrechen und Angehörige nach Suizid eines Kindes. Die Gruppe versucht Hilfe zu organisieren, bietet Kontakt- und Gesprächsmöglichkeiten, richtet Selbsthilfegruppen ein und begleitet sie. Brockmann ist Seelsorger. Er sagt von sich: „Ich bin kein Trauerforscher, kein Wissenschaftler und kein Trauerexperte, im Sinne, es schon erlebt zu haben. Man kann es ahnen, wie groß der Schmerz ist, aber wissen kann man es nicht.“

Im Katholischen Pfarrheim in Lienen begrüßt Dr. Rudolf Holtkamp die zahlreichen Zuhörer zur Fortsetzung der Reihe „Sterben – Tod- Bestattung – Trauer“ im Rahmen des Evangelischen Sozialseminars Lienen. Rund 8.000 Kinder sterben jedes Jahr in Deutschland, aber es ist sehr schwer, die Kindersterblichkeit in Zahlen auszudrücken. Meist zählen die Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt sterben, nicht dazu. „Doch diese Gruppe ist die größte Gruppe der Betroffenen, die wir in Lengerich betreuen. Gerade auch die Väter sind ein wichtiger Personenkreis, denn sie sind ganz anders am Prozess beteiligt als die werdenden Mütter“, so Brockmann.

Die Eltern von Sternenkindern werden oft am wenigsten verstanden, denn die Außenstehenden sehen dieses Kind nicht. Genau dort setzt die Arbeit von Birga Jelinek (Fotografin) und ihrer Kollegen an. Birga Jelinek fotografiert Neugeborene für die Aktion „Dein Sternenkind“. Es sind Babys, deren Lebensweg schon vor oder kurz nach der Geburt zu Ende ging oder deren Tod unausweichlich bevorsteht.

„Dein Sternenkind“ wurde Anfang 2013 von Kai Gebel ins Leben gerufen und bietet den Eltern die Möglichkeit, professionelle, kostenlose Erinnerungsfotos ihres viel zu früh verstorbenen Kindes erstellen zu lassen. Inzwischen besteht die Initiative aus über 600 Fotografen, die kostenlos ihre Zeit für die Eltern zur Verfügung stellen. Für viele Eltern ist es ungewohnt, und der Gedanke, dass ein Fotograf in dieser schwierigen Zeit Bilder des verstorbenen Babys macht, ist eher gewöhnungsbedürftig. Es wird den Eltern angeraten, von dem Angebot Gebrauch zu machen. Viele Betroffene können am Anfang noch nicht nach den Fotografien sehen, aber später ist es oft die Erinnerung an einen wichtigen Augenblick im Leben. Die Fotos können im Trauerprozess immer wieder eine wertvolle Stütze sein. Der Fotografin ist es sehr bewusst, dass sie als Fremde in eine sehr intime persönliche Situation hinein kommt. „Ich versuche mit den Augen der Eltern, wie sie ihr Kind sehen, und mit meinem Herzen die Bilder zu erstellen. Das gibt anschließend ein sensibles und schönes Foto“, so Birga Jelinek. Oft gibt es auf die Fotos kein Feedback. Aber der Aktion „Dein Sternenkind“ ist es wichtig, dass die Eltern für stille Stunden etwas von ihrer Liebe in den Händen halten.

 

Mehr auf der Homepage: www.dein-sternenkind.eu

 

Text und Foto: Claudia Keller