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Mittwoch 02. August 2017 | Alter: 17 Tage

1517. Ein Vermächtnis

Kategorie: alle Nachrichten

Kabinettausstellung auf den Spuren Martin Luthers in der Draiflessen Collection



Jan Massys: Die Auslegung der Heiligen Schrift, um 1526

Mettingen. Die Sprache der Heiligen Schrift nicht lesen können. Die Texte nicht verstehen können und das Wort Gottes nur durch die Brille des Schriftauslegers ausgelegt bekommen - das war der Alltag der meisten Christen zu Beginn des 16. Jahrhunderts im gesamten deutschsprachigen Raum, in der christlichen Welt. Genau dies verdeutlicht das um 1526 entstandene Werk von Jan Massys: „Die Auslegung der Heiligen Schrift“. Es ist eins der zahlreichen Ausstellungsstücke der aktuellen Kabinettausstellung „1517. Ein Vermächtnis“ in der Draiflessen Collection in Mettingen. Die Ausstellung folgt den Spuren Martin Luthers und zeigt Druckerzeugnisse des damals neuen Zeitgeistes. Zu sehen sind neben der noch in lateinischer Sprache verfassten ersten gedruckten Bibel („Gutenberg-Bibel“), der erste deutsche Bibeldruck vor Luthers Neuübersetzung bis hin zur „Mentelin-Bibel“ und die letzte Fassung aus Luthers Hand, die „Lutherbibel“.

In der exquisiten Liberna Collection beherbergt die Draiflessen Collection seit 2012 eine erstklassige Sammlung von Druckwerken als Dauerleihgabe mit dem Schwerpunkt im Bereich Theologie und Reformation. Darunter sind rund 100 Schriften sowie Texte, Grafiken und weitere zeitgenössische Bücher zum Themenkomplex Reformation.

Die Präsentation wirft Schlaglichter auf die historischen Ereignisse und eine ihrer Hauptfiguren. Gleichzeitig regt sie dazu an, über die Folgen der Reformation bis in die heutige Zeit nachzudenken. Die kirchliche Erneuerungsbewegung, die im 16. Jahrhundert von Deutschland ausging, Europa grundlegend veränderte und die evangelische Kirche gründete, prägt den christlichen Glauben bis in die heutige Zeit.

Das Jahr 1517 steht symbolisch für den Start der Reformation. Dieser Aufbruch wurde von vielen Menschen betrieben, aber Martin Luther ist die prägende Figur der Zeit. Die Mettinger Ausstellung schöpft aus dem reichen Fundus der museumseigenen Sammlung von Bernhard Brenninkmeijer (1893-1976). Anhand zahlreicher religiöser Druckwerke geht es auf die Spuren von Martin Luther. Vor 500 Jahren erreichte der Reformator Martin Luther durch die Veröffentlichung der Luther-Porträts aus der Cranach-Werkstatt und der Verbreitung der gedruckten Luther-Schriften in hoher Auflage eine nie vorher dagewesene Öffentlichkeit und Wirkung. Beim Adel suchte und fand Luther zahlreiche Unterstützer, die ihn, nicht ganz uneigennützig, bei seiner riskanten Auseinandersetzung mit der römischen Kurie schützten.

Aber die Zeit der Glaubensstreite, die heute schlicht als Reformation betitelt wird, ist nicht nur von den Konflikten der Alt- und Neugläubigen, den Katholiken und Protestanten geprägt. Sie wird auch vom innerprotestantischen Differenzierungs-prozess geprägt. Neben der „Flugblatt-Streitkultur“ führt der Bildersturm in Folge der Reformation aus heutiger Sicht zum kulturellen Super-GAU. Die Ausstellung lässt außerdem erkennen, dass das Bild des neuen Glaubens nicht nur rosig ist. Die neue Denkweise Luthers fördert Antisemitismus zutage. Der im Jahr 1543 verfasste Text „Von den Jüden und jren Lügen“, einem antijudaistischen Text, der in seiner Heftigkeit und Unversöhnlichkeit nicht zu relativieren ist, und der eine unrühmliche Wirkungsgeschichte im Nationalsozialismus erfährt, regt zur kritischen Auseinander-setzung an. Das positive Vermächtnis Luthers ist hingegen die Übersetzung der Bibel in die hochdeutsche Sprache. Die Draiflessen Collection lädt ein, anhand ausgewählter Exponate der Frage nachzugehen, um was für ein Vermächtnis es sich denn konkret handelt, was die Reformation den Menschen, allen voran Luther, heute hinterlassen hat.

Zur Ausstellung:

Die Ausstellung: „1517. Ein Vermächtnis.“ ist bis zum 5. November in der Draifles-sen Collection in Mettingen (Georgstraße 18) zu besichtigen. Geöffnet ist die Kabi-nettausstellung montags von 14 bis 17 Uhr, donnerstags von 11 bis 21 Uhr sowie freitags und sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr nach vorheriger telefonischer An-meldung unter 054 52 - 91 68 35 00. Der Eintrittspreis beträgt 9 Euro pro Person und ermäßigt 6 Euro inklusive Führung mit max. 10 Personen.

 

Zur Ausstellung ist eine dreisprachige Publikation erschienen. Sie enthält ein Interview mit den Pfarrern der katholischen und evangelischen Gemeinde in Mettingen. Anhand der Ausstellungsobjekte kommen Timo Holtmann und Kay-Uwe Kopton ins Gespräch über die Licht- und Schattenseiten der Reformation und die Annäherung der beiden Konfessionen in der ökumenischen Bewegung. (ISBN 978-3-942359-35-1).

 

Text: Claudia Keller