Aktuelles aus dem Kirchenkreis

Freitag 15. September 2017 | Alter: 87 Tage

Drei Jahre "Schweigen für den Frieden" in Ibbenbüren

Kategorie: alle Nachrichten


Dr. Hendrik Meyer (li.) und Josef Bendfeld freuten sich über das nicht nachlassende Interesse an der ökumenischen Aktion "Schweigen für den Frieden".

Eine positive Bilanz zog am 11. September Josef Bendfeld, Organisator der ökumenischen Aktion "Schweigen für den Frieden". Im Gemeinde-haus "Blick.punkt" der evangelischen Kirchengemeinde Ibbenbüren begrüßte er am Abend etwa 100 Besucher. Zuvor hatten sich viele Menschen auf dem Oberen Markt im Kreis aufgestellt, um ein Zeichen für Frieden und gegen Gewalt zu setzen - so wie an jedem Montag seit nunmehr drei Jahren. Das konfessionsübergreifende Projekt wird von auch von Schulen unterstützt.

Die Initiative wurde im September 2014 von einer Gruppe engagierter Bürger angesichts der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine und in Syrien ins Leben gerufen. Nach einer Auftaktveranstaltung im Rathaus wurde der Obere Markt zum Zentrum. "Wir glauben, dass es etwas bewirkt, für die Menschen der Stadt", so Josef Bendfeld. Das erfahren die Mitstreiter in vielen Gesprächen mit Freunden, Bekannten, Kollegen. Sie wollen zum Nachdenken anregen, über die Krisen in der Welt, über den Frieden. Über ihre persönliche Motivation sprachen anschließend im "Blick.punkt" einige Teilnehmer. "Mein Vater hat uns Kindern immer gesagt: "Mach den Mund auf!" erinnerte sich Heinrich Bartelt. Daher engagiere er sich in dem Projekt.

Zum Jubiläum hatten die Initiatoren Dr. Hendrik Meyer aus Münster eingeladen. Der Mitarbeiter des Instituts für Politikwissenschaften der Westfälischen Wilhelms-Universität hielt einen sehr interessanten Vortrag zum Thema "Zwischen Macht und Ohnmacht - Deutsche Flüchtlingspolitik und ihre Folgen". Mehr als 65 Millionen Menschen sind derzeit nach Angaben des Flüchtlingshilfswerkes UNHCR der Vereinten Nationen auf der Flucht. Die meisten finden Aufnahme in Nachbarländern, um nach dem Ende der Konflikte schnell wieder heimkehren zu können. "Keiner verlässt leichtfertig seine Heimat", so der Referent weiter.

Die Debatte "Politische Flüchtlinge versus Wirtschaftsflüchtlinge" analysierte er ebenso scharfsinnig wie die Standpunkte "Wir schaffen das" beziehungs-weise "Wir schaffen das nicht". Klar gegliedert wurde Ursachen, Reaktionen, Fragen der Integration, außenpolitischen Folgen sowie der Rolle der Zivil-gesellschaft in diesem Prozess auf den Grund gegangen. "Fluchtursachen können nicht lokal, sondern nur global bekämpft werden", mahnte der Referent. In der Diskussion wurden noch einmal einige Problempunkte, wie das Fehlen bezahlbaren Wohnraums oder die Rolle der Presse angesprochen. Symbolische Politik zeige durchaus Wirkung, aber sie könne die Auseinandersetzung darüber nicht ersetzen. "Es gibt viele gute Argumente gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik", stellte der Referent fest.

Zum Schluss erklang noch einmal das Lied, mit dem jeden Montag das "Schweigen für den Frieden" endet: "Suche den Frieden. Schweige und höre. Neige deines Herzens Ohr. Suche den Frieden".

 

Text und Foto: Brigitte Striehn