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Freitag 15. September 2017 | Alter: 32 Tage

Wer verstehen will, was Reformation ist, muss dieses Stück hören

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Kirchenmusikdirektor Christian Schauerte während der Probe mit den engagierten Sängern.

IBBENBÜREN - Wenn Kreiskantor Martin Ufermann die Hände (und auch die Stimme) hebt, dann hört Alles auf sein Kommando. Zumindest, wenn es um die Proben für das Musical-Oratorium „Bruder Martin“ geht, mit dem die drei evangelischen Kirchenkreise des Münsterlandes am 17. September auf der Freilichtbühne Tecklenburg ihr großes Reformationsfest feiern. Etwa 170 Sängerinnen und Sänger vom Jugend- bis ins hohe Seniorenalter trafen sich am zweiten Septembersamstag im evangelischen Gemeindehaus „Blick.punkt“ in Ibbenbüren, um intensiv zu proben für das große Ereignis am nächsten Sonntag-Nachmittag.

Für manch einen der Sänger war dies bereits der zweite Probentag; die Teilnahme an mindestens einem davon ist die Voraussetzung dafür, überhaupt mitmachen zu dürfen beim großen Reformationsevent. „Die beiden Probentage sind die Tage, an denen das Ganze zusammengebaut wird“, beschreibt Martin Ufermann, der musikalische Leiter der Musicalaufführung, das Hauptanliegen dieser Treffen, die auf unzählige Einzelproben der beteiligten Chöre folgten. Knapp 300 Sänger werden es insgesamt auf der Tecklenburger Bühne sein: Neben der Kantorei und dem Jungen Chor Westerkappeln sind der KiPop-Chor Mettingen, der Chor „Gegenwind“ aus Ledde, ein Projektchor aus Rheine/Jakobi, das Vokalensemble Gronau sowie die Kantorei der evangelischen Kirche Ibbenbüren und der Jugendchor der Singschule Ibbenbüren dabei. Zunächst habe man schauen müssen, welche Chöre überhaupt infrage kämen, erzählt der Kreiskantor. Einige seien zeitlich und musikalisch überfordert gewesen, andere dagegen nicht unbedingt begeistert von der „Chrossover-Stilistik“ des Musical-Oratoriums. Ufermann selbst gefallen die eingängigen Melodien von Thomas Gabriel dagegen sehr gut: „Die Leute haben alle ein Problem: Das ist der Ohrwurmbefall“, schmunzelt der Westerkappelner Kantor, der bereits Erfahrung in der Aufführung von Gabriel-Oratorien hat.

In sieben Bildern und einem Prolog wird die Reformation umfassend dargestellt. „Wer verstehen will, was Reformation ist, der muss dieses Stück hören“, beschreibt Martin Ufermann den Inhalt des großen kreisweiten Projekts, zu dem am kommenden Wochenende auch noch Orchester und Sprecher – insgesamt mit Chor rund 350 Aktive – dazukommen. „Es ist immer noch eine Herausforderung, die alle auf der Bühne unterzubringen“, so Ufermann. Für ihn selbst schärft das Musical das Bewusstsein für das, was den eigenen Glauben prägt.

Zumeist vierstimmig, aber auch mit vier Partien nur für Männerstimmen sowie mehreren Solisten aus den Chören werden die zentralen Gedanken Martin Luthers vermittelt – und das vor mehr als 2300 Zuschauern und von einem großen, eigentlich ja aus mehreren Teilen bestehenden Chor, der innerhalb kürzester Zeit zu einer Einheit zusammenwachsen muss. Das sei „Nervenkitzel, aber wir sind da ganz zuversichtlich“, gab sich Martin Ufermann zu Beginn des zweiten Probentages optimistisch.

Nach einem ausführlichen Einsingen galt es, erst einmal die Stimmen und das Tempo zusammenzubringen, auch an der Aussprache wurde noch gefeilt, denn schließlich sollen die Zuschauer am Festtag den Text ja auch verstehen können. „Ihr wisst alle: Glückshormone werden beim Singen in großen Mengen freigesetzt“, machte der Kantor den Anwesenden Mut für die bevorstehenden arbeitsreichen Probenstunden, die mit einem kompletten Durchgang des gesamten Musicals enden sollten.

Am Ende waren alle Sänger erschöpft, aber auch begeistert vom Ergebnis der langwierigen Probenarbeit. Nun muss am Sonntag nur noch das Wetter mitspielen, dann steht einem Gelingen nichts mehr im Weg.

 

Text und Foto: Claudia Ludewig