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Donnerstag 05. Oktober 2017 | Alter: 12 Tage

Humus für eine gute Zukunft schaffen

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Prof. Dr. Ralf Otterpohl und Sabine Jansing referieren in der Reihe „Zukunftswerkstatt“ beim Evangelischen Sozialseminar in Lienen



Dr. Edgar Klinger (Kuratorium des Sozialseminars) freute sich, Sabine Jansing und Professor Ralf Otterpohl (v.li.) im Rahmen der Zukunftswerkstatt des evangelischen Sozialseminars Lienen begrüßen zu können.

„Lienen funktioniert – vor diesem Hintergrund wissen wir doch eigentlich, wie ländliches Leben funktionieren kann“, begrüßte Wissenschaftler Prof. Dr. Ralf Otterpohl seine Zuhörer. Gleichzeitig zeigte der Fachmann Wege auf, wie dieses Leben auf dem Land auch anders gelingen könnte.

Vorab hieß Dr. Edgar Klinger vom Kuratorium des Sozialseminars der Evangelischen Kirchengemeinde Lienen-Kattenvenne die Referenten Sabine Jansing und Professor Ralf Otterpohl willkommen. In der neuen Reihe „Zukunftswerkstatt“ stellte Prof. Dr. Ralf Otterpohl, Leiter des Instituts für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz an der Technischen Universität Hamburg, seine Visionen zum Thema „Das neue Dorf “ den nahezu 50 Teilnehmern im evangelischen Gemeindehaus in Kattenvenne vor.

Der Experte glaubt, dass die vollkommene körperliche und spirituelle Entfaltung des Menschen durch hochwertige Nahrung von Vollwertböden möglich ist: Dieses Ziel könnte durch den Zusammenschluss gleichgesinnter Landwirte erreicht werden. Leider habe der Mensch zwischen den Jahren 1950 und 1990 ein Drittel aller fruchtbaren Böden stark degradiert oder zerstört, heißt es im UN Millenium Ecosystem Report. Otterpohls Ansatz ist ein anderer: er will „Vielfalt leben, lokal produzieren, mit Natur und Nachbarn kooperieren und Humus für eine gute Zukunft schaffen“.

Dabei gehe es nicht, wie es derzeit in der Landwirtschaft passiere, um die monofunktionale Landnutzung, die große Nachteile berge, sondern um „Das neue Dorf“. In „seinem“ neuen Dorf, eine andere Art von Bauernhof. Hundert Minifarmen produzieren hochwertige Lebensmittel und werten die Böden auf. Kleinunternehmen stellen eine breite Palette an Gütern her, Kultur- und Bildungseinrichtungen versorgen die Bevölkerung, Tourismus belebt den Ort – all das auf der Fläche eines einzigen Bauernhofes! Dabei hat der Wissenschaftler ein ganz bestimmtes ökologisches Ziel vor Augen, denn die Gesundheit des Menschen erfordert hochwertige Produkte.

Nach den Prinzipien der Permakultur sollen mithilfe von Waldgärten, Gewächshäusern und Mischkulturen qualitativ hochwertigste Lebensmittel auf einer überschaubaren Fläche produziert werden. Gleichzeitig wird Humus aufgebaut, um eine dauerhaft hohe Produktivität und Bodenvitalität zu gewährleisten: Die Basis für einen gesunden Wasserkreislauf und gesunde Nahrung. Otterpohl sieht das neue Dorf als Umkehr der überzogenen Urbanisierung. Der anthropogene Anteil am Klimawandel sei wesentlich abhängig von humusreichen oder degradierten Böden. Denn humusreiche Böden verhindern Trockenheit und Überflutung, so der Fachmann. „Ein guter lebendiger Boden ist ein Wunderwerk“, stellte Otterpohl fest. Zugleich schaffe er immer bessere Lebensgrundlagen für kommende Generationen.

 

„Könnte Kattenvenne durch den Zuzug von Studierenden wachsen und lebendiger werden?“ Dieser Fragestellung ging Sabine Jansing, Abteilungsleiterin für „Studentisches Wohnen“ im Studierendenwerk Münster, nach. Schnell zeigte sich, dass das Bild, welches viele Erwachsenen heute von Studierenden im Kopf hätten, nicht mehr zeitgemäß ist. Ein Studium sei heute oft sehr verschachtelt. Die Studenten wünschen sich, in kleinen Einzimmerwohnungen mit Bad und Miniküche direkt in Münster zu wohnen. Wohngemeinschaften seien da schon wieder auf dem Rückmarsch.

Daher sei es nicht einfach, Kattenvenne mit der schon guten Bahnanbindung zu einer Studentenschlafstätte umzustrukturieren. Wolle man den Ort für Studenten als Wohngebiet attraktiv machen, sei dies eine große Herausforderung und es bedürfe eines starken Einsatzes . Wohl nur ein minimaler Kreis an Studierenden würde auf dieses Angebot zurückkommen, so Sabine Jansing abschließend.

 

Text und Foto: Claudia Keller