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Samstag 14. Oktober 2017 | Alter: 39 Tage

Für Luther stand das Evangelium im Mittelpunkt des Gottesdienstes

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Stiftungsabend in der Christuskirche Ibbenbüren stellt Frage nach Auswirkung von Luthers Gottesdienstverständnisses auf den Kirchbau



V.l.n.r.: Pfarrer Reinhard Lohmeyer, Superintendent i.R. Hans Werner Schneider, Superintendent André Ost, Pfarrer Kai-Uwe Kopton und Marlies Beckemeyer.

Ibbenbüren. „Eine denkmalwerte Kirche ist kein Museum, sondern ein Versammlungsort für lebendiges Glaubensleben“, betonte Pfarrer Reinhard Lohmeyer zur Eröffnung des Stiftungsabends der Stiftung denkmalwerte Kirchen im Kirchenkreis Tecklenburg in der Christuskirche Ibbenbüren. Nicht nur der bloße Sanierungs- oder Renovierungsbedarf dieser denkmalwerten Kirche habe zur Umgestaltung im Zeitraum zwischen 2011 und 2013 geführt, sondern eine konsequente Gemeindeentwicklung in den Jahren und Jahrzehnten davor. Es habe auch viel Kritik und schmerzliche Auseinandersetzung gegeben. Entscheidend seien für ihn die Transparenz und die Partizipation in vielen Entscheidungs- und Beratungsprozessen gewesen. Viele Ehrenamtliche seien gewonnen worden und die jüngere Generation sei konsequent eingebunden worden. Heute, so Lohmeyer, zeige sich, dass sich dieser Ansatz bewährt hat. Die Christuskirche hat als offene Kirche einen einladenden Charakter. Die Neugestaltung ermöglicht eine flexible Nutzung für die unterschiedlichsten Gottesdienstformen. „Damit öffnet sich die Christus-Gemeinde auch für nicht-kirchlich geprägte Menschen und verfügt über ein breites kulturelles Angebot“.

 

„Für Stiftungen braucht man einen langen Atem“, unterstrich Superintendent André Ost zur Begrüßung der 30 Gäste. Das Kuratorium der Stiftung wolle mit dem Vortrag von Hans Werner Schneider im Reformationsjahr einen besonderen Akzent setzen. Die Stiftung denkmalwerte Kirchen im Kirchenkreis Tecklenburg setze sich für den Erhalt und die Sicherung der 21 denkmalwerten Kirchen ein. Verwaltungsleiterin Marlies Beckemeyer informierte die Gäste über die wirtschaftliche Bilanz: Im Vergleich zum Jahr 2015 habe sich die Bilanzsumme um etwa 7300 Euro erhöht, das Stiftungsergebnis beträgt ca. 3220 Euro.

Luthers Anliegen, machte Superintendent i.R. Hans Werner Schneider in seinem Vortrag deutlich, seien nicht Neubauten von Kirchen gewesen. So habe der Reformator gesagt:“ Zum Gottesdienst gehört nichts als dass Gott mit seinem Wort da sei“. Die Mitte habe für ihn immer das Evangelium dargestellt. Sein Plädoyer habe einem sonntäglichen Gottesdienst mit Abendmahl gegolten. Wichtig sei es Luther gewesen, dass … die biblische Botschaft verstanden wurde. Deswegen habe er sich auch für den Gottesdienst in deutscher statt in lateinischer Sprache stark gemacht. Für den Reformator habe auch die Freude im Gottesdienst eine wichtige Rolle gespielt. Luther sei dankbar gewesen, dass es Kirchen gegeben habe, so Schneider weiter. Für ihn habe es allerdings keine kirchlichen Gebäude mit Sakralwert gegeben, denen an sich Sakralwert zukommt.

„Martin Luther war es wichtig, dass es keine Seitenaltäre und keine Heiligenstatuen und Tabernakel in der Kirche gab“. Die Bänke jedoch hatten für ihn einen Wert, denn hier konnten die Gottesdienst-besucher in Ruhe der Predigt zuhören. In der Folge der Reformation habe sich die Haltung Luthers, die das Evangelium in den Mittelpunkt des Gottesdienstes rückt, auf die Architektur der Kirchen ausgewirkt, so Hans Werner Schneider. So wurden die Chorräume mit Bänken versehen. „In einigen reformierten Kirchen wurden Kanzel und Abendmahlstisch an die Seitenwand gerückt“. Ein Beispiel dafür sei die Alte Kirche in Burgsteinfurt. Eine weitere architektonische Form der Kirchraum-gestaltung in der Reformationszeit zeige sich anhand der Dresdner Frauenkirche, so Schneider: Kanzel und Abendmahlstisch stehen im Zentrum des Chorraums, im Halbkreis davor sind die Bänke angeordnet.

Im 19. Jahrhundert habe es vorwiegend gotische Langhauskirchen gegeben. Dieser Schinkel´sche Baustil strahlte von Brandenburg weit nach Deutschland und in die Niederlande aus, so Schneider weiter. Nach dem 1. Weltkrieg sei der Kirchbau ästhetisch neu erschlossen worden und stark vom Bauhaus-Stil geprägt gewesen. Die Fenster seien in Glasbandflächen angelegt und die Kirchen waren lichtdurchflutet. Nach dem 2. Weltkrieg seien die sogenannten „Notkirchen“ gebaut worden. Sie waren ein Kirchbauprogramm der Evangelischen Kirche in Deutschland, das nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von dem Architekten Otto Bartning entwickelt wurde, um den Mangel an gottesdienstlichen Räumen mit schnellen und einfachen Mitteln zu beseitigen. Sakralarchitektur sollte für ihn mehr als eine Hülle für den Gottesdienst sein. Für den Baumeister war es entscheidend, dass die Kirche Raum für das religiöse Handeln der versammelten Gläubigen bietet. Das Licht setzte er als zentrales Element zur Steigerung der Raumspannung ein, indem er es stets in Richtung der liturgischen Handlungen fallen ließ. Eine Notkirche aus dieser Zeit, ein Beispiel seiner Architektur, steht in Wettringen. In den 1960er Jahren, berichtete Hans Werner Schneider, seien viele Gemeindezentren gebaut worden. Damals habe man sich gefragt „Brauchen Gemeinden eigentlich eine Kirche?“ so Schneider weiter. Viele Gemeindezentren hätten ein sogenanntes Mehrzweckfoyer, das vielfältig einsetzbar sei. „Heute heiße die Frage „Wie können wir die denkmalwerten Kirchen erhalten?“ berichtete er. Wenn das Evangelium sichtbar werde, könne die Architektursprache eine weitere Botschaft vermitteln. Kirchenmusikdirektor Christian Schauerte gestaltete mit dem 1. Satz des 1. Italienischen Konzert von Johann Sebastian Bach am Cembalo sowie der Liedbegleitung an Klavier und Orgel einen festlichen Rahmen für den Stiftungsabend.