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Freitag 03. November 2017 | Alter: 19 Tage

Reformationsgedenken in Worten und Musik

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Ökumenisches Konzert in der Evangelischen Stadtkirche Tecklenburg



Einen besinnlichen Abend mit Musik und Worten gestalteten Eugen Chrost, Professor Norbert Ammermann, Gary Woolf, Günter Witthake, Nadja Kossinskaja, Björn Thiel, Ulrike Lausberg, André Ost und Malte Busch (v.l.) in der Evangelischen Stadtkirche Tecklenburg.

Der Gedanke "Woran du dein Herz hängst..." aus Martin Luthers Großem Katechismus war Thema eines ökumenischen Konzertes zum Reformationsjubiläum. Superintendent André Ost begrüßte dazu am 14. Oktober zahlreiche Besucher in der vollbesetzten Evangelischen Stadtkirche Tecklenburg. Er erinnerte daran, dass das 1562 bis 1566 erbaute Gotteshaus der erste nachreformatorische Kirchenbau in der Region war. Graf Konrad von Tecklenburg, dessen Grabplatte sich an der Südwand findet, hatte entscheidenden Anteil am Erstarken der Reformation in seinem Herrschaftsgebiet.

Den zahlreichen Akzenten, die das Jubiläumsjahr bisher geprägt haben, fügte der evangelische Kirchenkreis Tecklenburg mit dem wundervollen Konzert eine weitere bedeutsame Note hinzu. Ganz im Sinne Martin Luthers, denn ihm ist es zu verdanken, dass die Gemeinde durch Gesang in die Gottesdienste einbezogen wurde. "Es ist vielleicht das Schönste und Wirksamste, das wir aus diesem Jubiläum mitnehmen werden, dass wir es mit vielen Zeichen der ökumenischen Geschwisterlichkeit begangen haben", sagte André Ost. Pfarrer Björn Thiel von der evangelischen Gemeinde und Pfarrer Günter Witthake vom Seelsorgeteam der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen brachten mit ihren Wortbeiträgen diese Grundidee zum Ausdruck. Alle gemeinsam sprachen ein Gebet für die Menschen, die von dem Busunglück während der zentralen Feier am 17. September betroffen waren.

Einen tief berührenden Beginn gestaltete Nadja Kossinskaja mit der Gitarrenbearbeitung des "Air" aus der Orchestersuite D-Dur von Johann Sebastian Bach. Es folgte der Choral "Christ ist erstanden" aus dem Buxheimer Orgelbuch mit Gesang der Konzertbesucher. Martin Luther hatte diesen bereits 1529 in das Wittenberger Gesangbuch aufgenommen. Gary Woolf (Querflöte), Malte Busch (Fagott) und Ulrike Lausberg (Orgel) spielten mit großer Leichtigkeit vier Sätze einer Renaissance-Suite von Tilman Susato mit ganz unterschiedlichen Klangfacetten und Tempi.

Pfarrer Björn Thiel las einen Text von Martin Luther über die "Lutherrose", zu dessen Lebzeiten das Siegel, mit dem er seine Schriften kennzeichnete. In dem Konzert D-Dur von Antonio Vivaldi entwickelten Ulrike Lausberg und Nadja Kossinskaja üppige Klangwelten von berückender Schönheit. Pfarrer Günter Witthake sprach über die Kommunikation in der Ökumene und die Annäherung der Konfessionen. "Lasst uns gemeinsam losziehen, um einander näherzukommen und Vielfalt als Bereicherung zu empfinden", so seine Aufforderung. Die unglaublich kraftvolle Fülle der Alfred-Führer-Orgel offenbarte Ulrike Lausberg in dem Präludium für Orgel über "Ein feste Burg ist unser Gott" von Carl Stein. "Es ist eine sehr schöne Orgel, die sowohl einfühlsame Begleiterin als auch starkes Soloinstrument sein kann", so die Kirchenmusikerin.

André Ost griff noch einmal das Thema des Abends auf und zitierte Passagen über das Herz aus verschiedenen Schriften Luthers. "Wenn ein Armer ein rechtes Herz hat, ist er vermögender als ein Reicher, denn er ist mit wenigem zufrieden und dankt Gott für die höchsten Reichtümer, d. h. für die Erkenntnis Gottes und für die Gnade in Christus", gab er den Zuhörern mit auf den Weg. Danach sang Eugen Chrost zwei Lieder, bei denen er sich selbst auf das Schönste mit der Harfe begleitete. Bei dem Lied aus Taizé, "Meine Hoffnung und meine Freude", stimmte die Gemeinde in den Sologesang ein.

Professor Norbert Ammermann, Kulturbeauftragter im Kirchenkreis Tecklenburg, las aus einem Brief von Martin Luther an den Komponisten Ludwig Senfl, in dem Luther die bayrischen Fürsten lobt, weil sie Musik lieben. Zu Luthers Abendsegen traten die Sprecher gemeinsam in den Altarraum. Der Segen endet mit den Worten "Und alsdann flugs und fröhlich geschlafen". Das war jedoch mit einem Augenzwinkern zu verstehen, denn es folgte noch das "Hungarian Paternoster - Vater unser im Himmelreich" von Norbert Linke. Darin waren ungarische Klänge nicht zu überhören, ein schöner Abschluss des Konzertes mit Musik aus mehreren Jahrhunderten. Langer Applaus belohnte die Mitwirkenden für ihren Auftritt.

 

Text und Foto: Brigitte Striehn