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Freitag 03. November 2017 | Alter: 19 Tage

Mutige Menschen bringen Papierblumen zum Erblühen

Kategorie: alle Nachrichten

Gottesdienst "Inspiration am Abend" in der Evangelischen Dorfkirche Brochterbeck



Papierblüten sollten die Besucher anregen, Gott um Mut zu bitten.

Mit der Gottesdienstreihe "Inspiration am Abend" gehen die Christen der Evangelischen Kirchengemeinde Tecklenburg seit einigen Jahren neue Wege. Sie möchten damit Menschen erreichen, die wegen veränderter Lebensverhältnisse am Sonntagmorgen nicht mehr zu den traditionellen Gottesdiensten in die Kirche finden. Für die musikalische Ausgestaltung wurde eigens eine Band gegründet, die den Gemeindegesang begleitet.

"Zu den etwas anderen Gottesdiensten laden wir abwechselnd in die vier Tecklenburger Kirchen ein", erzählte Christina Fliedner vom Vorbereitungsteam. Immer für die Monate mit fünf Sonntagen entwickeln die engagierten Männer und Frauen ein eigenes Thema. "Nur Mut" hieß es am 29. Oktober. Etwa 70 Besucher waren der Einladung in die Evangelische Dorfkirche Brochterbeck gefolgt. Nach der musikalischen Einstimmung erinnerten Bilder eines aufgewühlten Ozeans an die Zerbrechlichkeit der Welt und des menschlichen Lebens. Er sei von der Kraft und ungestümen Wildheit der tosenden Wassermassen fasziniert, sagte Matthias Fliedner bei der Einführung. Aber sie weckten auch Urängste und das Gefühl der Ohnmacht gegenüber Naturgewalten und Schicksalsschlägen.

Mit großem Können und Einfühlungsvermögen setzten Joachim Fiebig (Gitarre), Anne Meyer-Schwickerath (Querflöte), Harald Budke (Piano), Ole Wartenpfuhl (Cajón), und Wolfgang Marschall (Kontrabass) eigene musikalische Akzente. Ein inspirierender Text führte zu einer dramatischen Filmszene auf hoher See hinüber, die den Akteuren vor allem eines abverlangte: Mut. Auf sehr emotionale Weise wurden anschließend mit verteilten Rollen Worte aus dem 14. Kapitel des Matthäus-Evangeliums vorgetragen. Als seine Jünger in Seenot gerieten und Jesus ihnen auf dem Wasser entgegenging, hatten sie große Angst. Doch er rief ihnen zu "Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht!". Der Wind stand ihnen entgegen, doch mit Gottvertrauen meisterten sie die Situation. Daran knüpfte Pfarrerin Ulrike Wortmann-Rotthoff in ihrer Predigt an. "Wie sieht jemand aus, der mutig den Stürmen des Lebens entgegensteht? Sind es die Furchtlosen, die Machertypen oder eher die Gebeugten, Leidgeprüften?", fragte sie. Um auf dem Wasser zu gehen, brauche es Glaubensmut und Vertrauen in das Festgehaltensein in Jesus. Mut sei für ganz verschiedene Dinge nötig, für einen Neubeginn ebenso wie für Alltägliches, so die Pfarrerin. Dazu passte das Lied "Seid nicht bekümmert" ganz wunderbar.

Christina Fliedner leitete zu einer außergewöhnlichen Fürbitten-Aktion über. Sie forderte die Gemeindemitglieder auf, manchmal die Komfortzone zu verlassen und Neues zu wagen. Oftmals seien es unspektakuläre Alltagssituationen, die Mut erforderten. Liebevoll gefaltete Papierblumen sollten für etwas stehen, wofür jeder Einzelne Gott um Mut bitten möchte. In bereitgestellte Wasserschalen gelegt, entfalteten sich die Blüten. "Ihre Bitten sind im Himmel gut aufgehoben", betonte Christina Fliedner. Mit dem Lied "Unser Vater" von Christoph Zehendner bekräftigten die Gottesdienstbesucher ihren Glauben. Die Kollekte des Abends war für das Frauenhaus Rheine bestimmt. "Auch dafür ist Mut erforderlich", betonte Ulrike Wortmann-Rotthoff. Am Schluss gab es viel Beifall und Bravo-Rufe. Jeder Besucher bekam eine Mut-Postkarte mit auf den Weg, um noch lange an diesen besonderen Gottesdienst mit vielen gefühlvollen Momenten zurückzudenken.

 

Text und Foto: Brigitte Striehn