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Freitag 03. November 2017 | Alter: 19 Tage

Von der Freiheit eines Christenmenschen

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Superintendent i. R. Hans Werner Schneider referierte zum Thema "Von der Freiheit eines Christenmenschen".

Martin Luthers Denkanstöße für die heutige Zeit waren Hauptthema des 13. Männerfrühstücks am

2. Oktober im Gemeindezentrum "blick.punkt" der evangelischen Kirchengemeinde Ibbenbüren. Kurz vor dem Höhepunkt des Jubiläumsjahres "500 Jahre Reformation" wurde damit der Versuch eines Brückenschlages in die Gegenwart unternommen. Veranstalter waren Mitwirkende des Arbeitsbereiches "Männerarbeit im Kirchenkreis Tecklenburg".

Als geistlichen Impuls hatten Pfarrer i. R. Reinhard Paul und Diakon Karl-Heinz Eiben Worte aus dem Buß- und Versöhnungsgottesdienst am 11. März 2017 in der Michaeliskirche zu Hildesheim ausgewählt. In einem gemeinsamen Geleitwort vom September 2016 erklärten Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und Reinhard Kardinal Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, dass der Blick in die Geschichte auch heilsam sein kann. "Möge die Erfahrung von Heilung und Versöhnung uns motivieren, auf dem Weg zur vollen Einheit der Kirche entschieden weiterzugehen", schrieben die Vertreter der beiden Kirchen. Es sei in ihren Augen ein herausragender Moment der Gemeinschaft, nach Jahrhunderten gegenseitiger Abgrenzung, ein Reformationsjubiläum in dieser Bereitschaft zu Vergebung und Aufbruch zu begehen.

Nach dem reichhaltigen Frühstück, das die Männer wiederum ganz allein vorbereitet und serviert hatten, stellte Pfarrer i. R. Gernold Mudrack das Projekt "Stolpersteine" vor und lud dazu ein, am 3. November mit dem Künstler Gunter Demnig weitere Erinnerungssteine an Opfer der NS-Zeit in Ibbenbüren zu verlegen. Uwe Hartmeier, Beauftragter für Männerarbeit im Münsterland, kündigte den Hauptvortrag an. Hans Werner Schneider, ehemaliger Superintendent des Kirchenkreises Tecklenburg, nahm die etwa 60 Zuhörer mit auf eine Reise in die Zeit Martin Luthers. Die folgenden 500 Jahre waren eine Phase mit vielen Veränderungen in der Gesellschaft. In diesem Jahr sei Luther in allen Lebensbereichen präsent, sein Konterfei finde sich auf Socken, Bierflaschen, T-Shirts, Nudeln und anderen profanen Alltagsgegenständen sowie als Playmobil-Figur wieder, zählte Hans Werner Schneider auf.

Sein Referat mit dem Titel "Von der Freiheit eines Christenmenschen" war in zwei Teile gegliedert, die auf den ersten Blick widersprüchlich erschienen. Zu Beginn stellte er Luthers Entdeckung der Rechtfertigungsbotschaft als Quelle der Freiheit unter die Aussage "Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemandem untertan". Luther entdeckte, was die Bibel unter Gerechtigkeit versteht: von Gott geschenkte Vergebung, aus der Vertrauen, Freude und Freiheit entstehen. Er änderte seinen Namen Martin Luder in Martin Luther, in Anlehnung an das griechische Wort "eleutherios" für "frei". Damit meinte er eine Fundamentalfreiheit des Herzens, führte der Referent aus. Diese sei nach wie vor wichtig, unabhängig von Presse- oder Kunstfreiheit.

In der Pause wurde in Tischrunden über Gedankenanstöße aus dem Vortrag diskutiert. Im zweiten Abschnitt erläuterte Hans Werner Schneider die einzelnen Bestandteile der "Lutherrose" und widmete sich unter der Überschrift "Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan" den vier Freiheitsimpulsen Luthers für Kirche und Religion, Bildung, Ökonomie und Politik. Diese Handlungsfelder als Fundament menschlichen Lebens erläuterte er ausführlich mit konkreten Forderungen zur Übernahme von Verantwortung. Im Bereich der Bildung benannte er Buchdruck ebenso wie Digitalisierung als Medienrevolutionen, die die Welt veränderten und weiter verändern werden. Die von Luther angestrebte Trennung von Kirche und Staat wurde ebenso angesprochen, wie die Würde arbeitender Menschen oder die soziale Verantwortung der Städte und Räte. Im Schlussgespräch, das Uwe Hartmeier mit einigen "provokanten" Fragen anregte, ergab sich, dass Problemfelder, mit denen sich Luther vor 500 Jahren auseinandersetzte, heute noch aktuell sind. Siegfried Grau, Vorsitzender des Evangelischen Männerkreises der Christusgemeinde Ibbenbüren, überreichte Hans Werner Schneider ein Buch als Präsent und lud zum 14. Männerfrühstück am 17. März 2018 zu den Themen Energie und Bewahrung der Schöpfung ein.

 

Text und Foto: Brigitte Striehn