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Montag 06. November 2017 | Alter: 16 Tage

Hinhören und authentisch sein - Festgottesdienst: 30 Jahre Frauenhaus Rheine

Kategorie: alle Nachrichten


Pfarrerin Vera Gronemann und Superintendent André Ost (beide links im Bild) gaben im Festgottesdienst zum 30-jährigen Bestehen des Rheiner Frauenhauses Impulse zur Geschichte von der Heilung einer gekrümmten Frau durch Jesus.

RHEINE. Ein Gottesdienst war am letzten Oktobersonntag der stimmungsvolle Auftakt zur Feier des 30-jährigen Geburtstags des Rheiner Frauenhauses. Mitarbeiterinnen der Einrichtung des Diakonischen Werkes im Evangelischen Kirchenkreis Tecklenburg und langjährige Wegbegleiter des Hauses hatten die festliche Stunde in der Johanneskirche gemeinsam mit Pfarrerin Vera Gronemann, Frauenbeauftragte des Kirchenkreises, und Superintendent André Ost vorbereitet. Mitglieder des Jugendchors der Jakobi-Kirche unter der Leitung von Lena Puschmann begleiteten den Gottesdienst musikalisch.

„Was mag diese Frau erlebt haben?“ überlegte Gronemann nach der Lesung aus Kapitel 13 des Lukas-Evangeliums. Ausgehend von der Heilung einer seit vielen Jahren gekrümmten, niedergedrückten Frau voller Selbstzweifel durch Jesus schlugen die beiden Pfarrer den Bogen zu den Frauen, die seit drei Jahrzehnten alleine oder mit ihren Kindern auf der Suche nach Schutz und Hilfe das Frauenhaus in Rheine ansteuern. Das Eingeständnis, dass es alleine nicht gehe, sei für die Frauen der allerschwerste Schritt zur Hilfe, machte Gronemann deutlich. An erster Stelle stehe für sie, endlich wieder handeln, zur Ruhe kommen, Abstand gewinnen zu können.Sie hätten versucht, ihre Ehe zu retten, hätten verziehen, seien durch Gewalt erniedrigt, gelähmt, gekrümmt und ohne Selbstvertrauen, beschrieb Ost die Situation der Frauen, die sich an die Einrichtung wenden. „Was könnt ihr tun?“ fragte er Sabine Fischediek. „Hinhören, authentisch sein, keinen Hilfeplan im Kopf haben“, gab die Leiterin des Frauenhauses im Gottesdienst Einblick in ihre Arbeit. „Es ist schön, die Tür aufmachen zu können und die Frauen zu begrüßen“, versicherte sie, dass sich die Mitarbeiterinnen individuell auf jeden Menschen einstellen, der Hilfe bei ihnen suche.

Wie diese Hilfe praktisch aussehen könnte, zeigten die Mitarbeiterinnen in der szenischen Darstellung der Verse aus dem Lukas-Evangelium. Berührung und Zuwendung machen es einfacher, die Lasten auszupacken, zu betrachten, vor sich auf den Boden zu legen, kommentierte Gronemann die Verteilung der Steine aus dem Rucksack im Altarraum. „Jesus hilft, immer eigenständiger aufrecht zu stehen und sich den Lasten zu stellen“, zog die Frauenbeauftragte die Parallele zur Arbeit des Hauses. „Wenn wir die Hoffnung für einen echten Neuanfang haben wollen, müssen wir die Lasten ansehen, sie begreifen“, fuhr Ost fort. Diese Konfrontation tue weh, sei harte Arbeit und koste Zeit, dennoch gehörten die schweren Steine zum Leben. „Die Lasten sind immer da, aber sie lähmen mich nicht mehr“, machte auch Gronemann deutlich.

Bilder von Frauen, die eine Zeitlang im Frauenhaus gelebt haben, zeigen, dass das gelingen kann. Zwei von vielen Bildern hatte das Vorbereitungsteam in den

Altarraum gestellt. Eine Ausstellung aller Bilder wird am 24. November im Rahmen des Festaktes zum 30-jährigen Bestehen des Frauenhauses im VHS-Haus in Rheine eröffnet.

 

Text und Foto: Dietlind Ellerich