Aktuelles aus dem Kirchenkreis

Montag 06. November 2017 | Alter: 16 Tage

Chormusik von der Reformation bis zur Gegenwart

Kategorie: alle Nachrichten


Der Motettenchor Lengerich unter der Leitung von Christoph Henzelmann. An der Truhenorgel: Ursula Mittring.

Zu dem besonderen Konzertereignis am historischen Datum, dem 500. Jahrestag der Reformation, und gleichzeitig dem Tag der Wiedereröffnung der Evangelischen Stadtkirche in Lengerich, bot der Motettenchor Lengerich unter der Leitung von Christoph Henzelmann ein exquisites Konzert. Unter dem Motto „Chormusik von der Reformation bis zur Gegenwart“ führte Kantor Christoph Henzelmann selbst am Regal (ein Instrument aus der Zeit der Renaissance), begleitet vom Tamburinspieler, die Zuhörer in die Renaissancezeit. Die tragbare Kleinorgel, die nur mit Zungenpfeifen bestückt ist, weckte das Gehör des Publikums zur Abendmusik in der nach neun Monaten wieder eröffneten Kirche. Fast genau zehn Jahre ist es her, dass im Jahr 2007 im Heiligabendgottesdienst faustdicke Brocken aus der Decke fielen. Nach dem umfangreichen Sanierungsprozess von nahezu zehn Jahren war die Kirche am Morgen des Konzertabends seiner Bestimmung wieder übergeben worden.

Mit dem Choral „Du Zuflucht der Armen“ aus der Frührenaissance begann das künstlerische Feuerwerk des Motettenchores Lengerich unter der Leitung von Christoph Henzelmann, begleitet von Ursula Mittring an der Truhenorgel. Der Choral zählte zur Moderne während der Zeit des Mittelalters. Er war eine Vermenschlichung der Musik und ein Aufbruchssignal in den Jahren vor der Reformation.

„Das musikalische Programm schlägt einen Bogen, angefangen am Vorabend der Reformation bis in die heutige Zeit“, begrüßte Superintendent André Ost die Besucher zum Abendkonzert. Immer im Bezug zu Texten Martin Luthers kommentierte der Superintendent die Musikbeiträge aus theologischer Sicht und zeigte so den musikgeschichtlichen Spiegel durch die Jahrhunderte bis zu einem symphonischen Werk auf.

Das erste Lied von Martin Luther aus dem Jahr 1523, welches oftmals als Kampflied der Reformation bezeichnet wurde „Eine feste Burg ist unser Gott“ erfüllte anschließend die frisch renovierte Kirche. Jede der vier Strophen war aus der Hand eines anderen Komponisten geschrieben. „Die reformatorische Botschaft verbreitete sich durch die Lieder Luthers und nahm Platz ein im Leben der Gläubigen“, so Ost in seinen Lesungen zwischen den Gesängen.

Mit dem fünfstimmigen Satz „Verleih uns Frieden gnädiglich“ des protestantischen Komponisten Heinrich Schütz (1585-1672) ging die Reise „Chormusik von der Reformation bis zur Gegenwart“ ins Jahr 1648, in die Zeit des Endes des 30-jährigen Krieges. Dort kommt das auf einem Text Martin Luthers basierende Stück im kontrapunktischen Motettenstil der auskomponierten Bitte um den langersehnten Frieden nach.

Die vielen jungen protestantischen Gesangbücher sorgten für die schnelle Verbreitung der neuen Art der Glaubensvermittlung. Kraft des Wortes und der Musik wurde der neue protestantische Glauben weiter getragen. Schon 1530 schrieb Johannes Kugelmann als Nachdichtung von Psalm 103 das Lied: „Nun lob, mein Seel, den Herren“. Am Reformationstag erklang eine von Johann Sebastian Bach komponierte Choralharmonisierung des jahrhundertelang zu den populärsten evangelischen Kirchenliedern zählende Werk.

Martin Luther komponierte für den Gemeindegesang. Gerade die Psalmen, wie der Psalm 130, waren dabei oft der Ausgangspunkt. In sechs Teilen brachte der Motettenchor den von Felix Mendelssohn Bartholdy komponierten Satz „Aus tiefer Not schrei' ich zu dir“ in besonderer Weise zum Ausdruck. Gerade der Sologesang von Marit Roß überzeugte die zahlreichen Zuhörer in der voll besetzten Kirche.

Das einst im Jahr 1523 von Paul Speratus gedichtete Kirchenlied „Es ist das Heil uns kommen her“ erfüllte in einer Choralmotette Hugo Distler (1908 – 1942) das in neuem Glanz erstrahlende Gotteshaus auf besondere Weise.

„Ein Kernanliegen Luthers war es, den Gesang in die Mitte des Gottesdienstes zu legen“, so Superintendent Ost. Getragen erklang in Englisch die postmoderne Aufforderung von John Rutter: „Singet dem Herrn ein neues Lied“.

Mit reichlich Applaus honorierten die zahlreichen Zuhörer den erlesenen Beitrag des Chores. Dieser verabschiedete sich mit dem Abendlied von Christian Lahusen: „Komm Trost der Welt du stille Nacht“ und zeigte auf, wie wichtig es ist, dass die Musik Herz und Verstand erreicht und somit wesentlicher Bestandteil des Glaubens ist.

 

Text und Foto: Claudia Keller