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Donnerstag 09. November 2017 | Alter: 32 Tage

Acht prall mit Erlebnissen gefüllte Tage - Israelfahrt der evangelischen Kirchengemeinde Lengerich

Kategorie: alle Nachrichten


Eindrucksvolle Tage erlebte die Reisegruppe mit Pfarrerin Holtgrave (2.v.r.) in Israel. Das Bild zeigt die Teilnehmenden vor der Grabeskirche in Jerusalem.

Acht prall mit Erlebnissen und Eindrücken gefüllte Tage verbrachte die 28-köpfige Lengericher Reisegruppe unter Leitung von Pastorin Sigrid Holtgrave in Israel. Mit ihnen Tausende anderer Touristen und Pilger aus der ganzen Welt. Denn der späte Herbst mit seinen warmen, lauen Temperaturen hat sich im Heiligen Land mittlerweile zur beliebtesten Reisezeit entwickelt. Zum Erstaunen der Teilnehmer bedeutete dies oft langes Warten vor und in den Kirchen und Orten, wo Jesus gewirkt hatte oder wo besonders an ihn gedacht wurde. In der Grabeskirche in Jerusalem und in der Geburtskirche in Bethlehem wartete man mit unzähligen anderen Christen aus aller Herren Ländern je fast zwei Stunden, um ins Grab Jesu oder die Geburtshöhle zu kommen, dort zu beten oder innezuhalten. Zum Glück stand der Lengericher Gruppe der einheimische Reiseführer Schibli zur Seite. Seine Strategie „Lasst uns sehr früh aufstehen!“ bewährte sich gut. So wurde die Lengericher Gruppe an einem Morgen als erste um 7.30 Uhr auf das Areal des Felsendoms gelassen, den man nur noch zu ganz bestimmten Zeiten besuchen kann.

 

Alle waren beindruckt von Jerusalem, der heiligen Stadt für Juden, Muslime und Christen. Dort verbrachten wir die ersten vier Nächte. Nach dem offiziellen Besichtigungsprogramm machten viele noch in kleinen Gruppen Spaziergänge durch die Altstadt, zur Klagemauer oder auch in die modernen Flanier- und Einkaufsmeilen Jerusalems. Dass man sich in Jerusalem als Europäer so frei bewegen kann, erwarteten die Teilnehmer nicht. Aufgrund der permanenten Krisenberichterstattung aus Israel-Palästina erscheint einem das Land sehr gefährlich. Die Lengericher merkten nun jedoch, dass auch Israel-Palästina einen ganz normalen Alltag hat. Besonderer Höhepunkt der Zeit in Jerusalem waren neben dem Ölberg, der Via Dolorosa und einer Fahrt zum Toten Meer auch der Besuch des internationalen Reformationsgottesdienstes in der großen evangelischen Erlöserkirche. Die Kirche wurde am Reformationstag (31. Oktober) 1898 von Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria eingeweiht. Die ökumenisch zusammengesetzte Gruppe erfuhr viel Ermutigung für die gelebte Ökumene. Beim nachfolgenden Reformationsempfang im evangelischen Gemeindehaus ließ man sich leckere Häppchen und israelischen Wein zum Festtag der Reformation schmecken.

In Beit Jala, im Westjordanland besuchte die Gruppe die deutsche evangelische palästinensische Schule „Talitha Kumi“, die ca. 1200 Kinder und Jugendliche ausbildet. Auf dem Weg dorthin wurde allen klar, wie anstrengend und kompliziert die Fortbewegung zwischen Israel und Palästina insbesondere für Palästinenser wegen ständiger Kontrollen ist. Die Schule „Talitha Kumi“ hat sich dem Ziel verschrieben, mit Bildung und besonderen Angeboten im ästhetischen wie sportlichen Bereich die Jugend Palästinas zu fördern. In der Schule werden täglich Andachten gehalten. Christen und Muslime werden gemeinsam erzogen.

Vom christliche Dorf „Nes Ammim“ aus, dem einzigen christlichen Kibbuz in Israel, der sich die Versöhnung zwischen Christen und Juden und mittlerweile auch Muslimen als Aufgabe gesetzt hat, entdeckten die Beteiligten Obergaliläa mit dem jüdischen Künstlerort Safed und Untergaliläa mit dem See Genezareth. Das Dorf „Nes Ammin“ liegt zwischen Haifa und Nahariya im Nordwesten Israels. Bei einer Führung durch den Kibbuz inspizierte die Gruppe auch einen der vier Bunker des Ortes, die dem Schutz vor Raketenanschlägen der Hisbollah dient. Das letzte Mal, als die Bewohner des Orts für eine Nacht Sicherheit in den Bunkern suchten, ist allerdings schon neun Jahre her.

Die pulsierende europäisch orientierte Metropole Tel Aviv bildete den Abschluss der Fahrt. Das „Museum für das jüdische Volk“ wurde besichtigt. An der Stelle am Tel Aviver Rathaus, an der Ministerpräsident Jitzhak Rabin ermordet wurde, befindet sich heute ein Denkmal. Über Jahre hinweg war Rabin einer der wichtigsten Entscheidungsträger in außen- und sicherheitspolitischen Fragen des Staates Israel. Das Amt des Ministerpräsidenten hatte er zweimal inne, erstmals von 1974 bis 1977 und nochmals von 1992 bis zu seiner Ermordung im Jahre 1995. Rabin handelte mit Jassir Arafat, dem Präsidenten der Palästinensischen Autonomiegebiete, das Oslo-Friedens-Abkommen für Israel und Palästina aus. 1994 wurde Rabin gemeinsam mit seinem damaligen Außenminister Schimon Peres und Jassir Arafat der Friedensnobelpreis verliehen.

Ausgerechnet am 4. November, am Jahrestag der Ermordung Rabins, hielt die Lengericher Gruppe dort inne. Abends fand dort eine Kundgebung der regierungskritischen israelischen Friedensbewegung statt. Zum Abschluss einer sehr abwechslungsreichen Tour durch Israel gingen einige noch im Mittelmeer baden, flanierten auf der Uferpromenade zwischen Jaffa und Tel Aviv, oder ließen in geselliger Runde in den Strandbars die Rundfahrt durch das sehr eindrucksvolle Land ausklingen.

 

Text: Pfarrerin Sigrid Holtgrave