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Dienstag 28. November 2017 | Alter: 13 Tage

Auf dem Weg in eine gewaltfreie Zukunft - 30 Jahre Frauenhaus Rheine

Kategorie: alle Nachrichten


Superintendent André Ost (v.l.), Stefan Zimmermann, Jessica Krümberg, Mitarbeiterin des Frauenhauses, und Pfarrer Jürgen Nass, theologischer Vorstand des Diakonischen Werks, feierten mit 160 Gästen das 30-jährige Bestehen des Rheiner Frauenhauses.

RHEINE. „Alles ist aus den Händen gerissen. Nichts ist mehr fest. Es ist so viel zu erledigen, dass ich nicht weiß, wo ich anfangen soll“, steht unter dem Bild „Chaos“. „Er wollte immer alles haben. Immer mehr und mehr und mehr. Ich konnte - wollte nicht mehr“, steht unter einem Bild, das die Künstlerin „Mein Mann“ genannt hat.

Es sind berührende Gemälde, die Ende November in der Volkshochschule Rheine zu sehen sind. Sie handeln von Gewalt, Wut, Angst, Traurigkeit, aber auch von Hoffnung auf ein besseres Leben, auf eine Zeit danach. Eine Zeit nach oft vielen Jahren voller „Schwärze“ oder „Explosion“, wie den Titeln weiterer Bilder zu entnehmen ist. Gemalt wurden sie von Frauen, die aus einer Beziehung voller Gewalt den Schritt ins Frauenhaus Rheine gewagt haben und dort zu Kräften, Zuversicht und Selbstvertrauen gekommen sind.

Am Vorabend des internationalen Gedenktages „NEIN zu Gewalt an Frauen" feierten rund 160 Gäste nicht nur das 30-jährige Bestehen der Einrichtung, sondern erlebten auch die Eröffnung der Ausstellung von 20 Bildern, die berührender kaum sein können. „Ist der runde Geburtstag eines Frauenhauses ein Grund zu feiern?“ hatten sich Mitarbeiterinnen und der Träger der Einrichtung unter dem Dach des Diakonischen Werkes im Evangelischen Kirchenkreis Tecklenburg gefragt. „Es ist kein schöner Anlass, dass es sie geben muss“, räumte Sabine Fischediek, Leiterin der ersten Stunde, ein, machte aber ebenso wie Stefan Zimmermann, geschäftsführender Vorstand des Diakonischen Werks, deutlich, dass unbedingt gefeiert werden müsse, dass die Zufluchtsstätte seit drei Jahrzehnten hilfesuchenden Frauen offen stehe.

„Weg wie nix“ seien die vergangen, stellte Fischediek während der offiziellen Feier fest. Sie freute sich über die gute Stimmung im Saal und dass viele „ihrer“ Frauen dabei waren. „Vielen Dank für ihren Mut, sich auf den Weg in eine gewaltfreie Zukunft zu machen, und für ihr Vertrauen in uns“, wandte sie sich an die gut gelaunte Gesellschaft. Claudia Schmidt-Frerick, als Erzieherin im Frauen-haus für die Kleinen zuständig, rührte eindringlich, aber charmant die Spenden-Werbetrommel. Anhand einiger Anekdoten machte sie deutlich, dass der altersschwache Bulli der Einrichtung beileibe nicht nur Transportmittel, sondern heiß geliebtes Objekt der Begierde der Kids und sogar eine Art Therapieraum sei.

Dr. Klaus Effing, Landrat des Kreises Steinfurt, und Dr. Peter Lüttmann, Bürgermeister der Stadt Rheine, ließen es sich nicht nehmen, dem Frauenhaus zum runden Geburtstag zu gratulieren. „Sie und ihr Team haben meinen allergrößten Respekt“, lobte Effing die Mitarbeiterinnen des Hauses für ihren unermüdlichen Einsatz. Es sei gut, das Frauenhaus in Rheine zu wissen, machte Lüttmann deutlich, und Zimmermann sprach von einem Glücksfall für die Diakonie. Er gratulierte auch der Einrichtungsleiterin Fischediek, die kurz vor der Eröffnung des Hauses ihren Dienst angetreten hatte.

Das ImproTheater RatzFatz begeisterte mit seiner „theatralen Abrundung des Abends“, den das Frauenhaus im Rahmen einer Kooperationsveranstaltung mit der Gleichstellungsstelle der Stadt und der Volkshochschule Rheine feierte.

 

Text und Foto: Dietlind Ellerich