Aktuelles aus dem Kirchenkreis

Montag 08. Januar 2018 | Alter: 11 Tage

Geflüchtete gehen "on air": erste eigene Sendung im Bürgerfunk

Kategorie: alle Nachrichten


Die Geflüchteten bei der Redaktionsarbeit.

TECKLENBURG. Während hunderte Besucher am dritten Adventswochenende die weihnachtliche Altstadt in Tecklenburg genossen, nutzten zehn andere Besucher ihre drei freien Tage dort, um sich in der nur einen Kilometer entfernten Evangelischen Jugendbildungsstätte einer echten Herausforderung zu stellen: In der kurzen Zeit zu einem Team zu wachsen und eine eigene Radiosendung für den Bürgerfunk bei RADIO RST zu produzieren.

„Digital dabei! 2.0 - Junge Geflüchtete partizipieren durch aktive Medienarbeit“ so nennt sich das Projekt, mit dem die Landesarbeitsgemeinschaft Lokale Medienarbeit in Nordrhein-Westfalen - wie schon im letzten Jahr - die Integration von Geflüchteten in NRW vorantreiben und deren Medienverständnis schulen möchte. Auch hier im Kreis Steinfurt: Insgesamt zehn junge Menschen aus Albanien, Afghanistan, Syrien, dem Iran und dem Irak reisten am Freitagnachmittag zur JuBi-Tecklenburg, bezogen dort gemeinsam für zwei Tage ihre Zimmer und lernten sich gegenseitig kennen.

Schnell wurden sich die Geflüchteten über den Inhalt ihrer Sendung einig: Sie wollen mit Vorurteilen aufräumen, offen über ihre Probleme und Bedürfnisse bei der Integration und der Angst vor einer Abschiebung sprechen. Zum Beispiel droht einem der jungen Geflüchteten die Abschiebung, weil er bei einer Anhörung von einem Dolmetscher falsch übersetzt wurde. Die Hörer dürfen gespannt sein auf einzigartige Schicksale und bekommen einen tiefen Einblick in die Gedanken und Wahrnehmungen von geflüchteten Menschen. Es werden aber auch die „Deutschen“ in der Sendung zu Wort kommen: Auf dem Adventsmarkt in Tecklenburg mit dem Titel "Altstadtzauber" befragten die Teilnehmenden die Besucher danach, was sich der eine vom anderen wünscht. In der Sendung sollen arabische Lebensweisheiten und deren Übersetzung für ein paar „Hin-hörer“ sorgen.

Mit Hilfe von Leo Cresnar von der Servicestelle Bürgerfunk und der Evangelischen Jugendbildungsstätte Tecklenburg, sowie zwei freien Mitarbeitern von RADIO RST, haben die Bürgerfunker Radio-Erfahrungen gesammelt: Ein digitales Schnittprogramm, Mikrophone und deren Aufnahmefunktionen, Umfragen, Radioformate und das Texten, Sprechweisen – es gab viel zu tun. Und dann musste die Gruppe sich ja auch noch auf verschiedene Lieder zwischen den Beiträgen festlegen. Die werden genauso abwechslungsreich wie die Geflüchteten selbst: Deutsch, Englisch, Spanisch, Arabisch, Albanisch – das Ziel sei „der beste Mix“. Als sich das Projektteam am Sonntag dann die verschiedenen Beiträge vorstellte, waren alle stolz und zufrieden. Viel wichtiger ist den Geflüchteten aber, das ihre Sendung auch beim Hörer gut ankommt und ihn überzeugt dranzubleiben und nicht wegzuschalten. Gerne würden sie sich öfter treffen, um gemeinsam Bürgerfunk zu machen. Diese jungen Geflüchteten sind in Deutschland angekommen, jetzt mit einer eigenen Sendung im Radio.