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Mittwoch 10. Januar 2018 | Alter: 9 Tage

Die etwas andere Ausstellung: „Dem Bild gegenüber“

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Den Moment erleben, die Kunst ganz individuell erfahren, das können die Besucher der Ausstellung „Dem Bild gegenüber“. Hier mit Ausstellungskuratorin Olesja Nein.

Mettingen. Vierzig Lautsprecher stehen im leeren Raum der Draiflessen-Collection in Mettingen. Das Licht der acht Neonröhren wirft keinen Schatten. Ein riesiges Bündel Kabel versorgt die einzelnen schwarzen Ständer mit ihrem Lautsprecherkopf und doch ist diese Installation von Janet Cardiff die Grundlage für eine der emotionalsten und poetischsten mehrstimmigen Chorstücke der letzten Jahre. Aus jedem einzelnen Lautsprecher kommt die Stimme eines der Sänger der vierzigstimmigen Motette des englischen Komponisten Thomas Tallis. Das Musikwerk wurde wenige Jahrzehnte nach Be-ginn der Reformation im Jahr 1573 für acht Chöre zu je fünf Stimmen a cappella komponiert. Der Text der Motette „A reworking of Spem in Alium“ entstammt einem Responsorium aus dem Buch Judit. In der Musik, in der Motette, lebt und drückt sich der Glaube aus. Durch die Musik kommt das Evangelium zur Sprache, genau wie Martin Luther es schreibt: "Gott predigt das Evangelium auch durch die Musik". Doch der Besucher der Draiflessen-Collection ist eingeladen, sich zwischen den einzelnen Stimmen hinein zu bewegen. Körper, Geist und Seele können so den komplexen, mehrschichtigen Chorgesang unmittelbar erfahren. Aus der scheinbar simplen Installation entwickelt die Kanadierin Janet Cardif einen virtuellen architektonischen Klangraum. Sie lässt den Besucher mitreisen in ein Hörerlebnis und eintauchen in die Hoffnung der Bibelstelle aus dem Buch Judith, dass der Gott Israels, auch wenn er zornig ist, immer wieder gnädig die Sünden des leidenden Menschen vergibt.

Die Klanginstallation „The Forty Part Motet (A reworking of Spem in Alium by Thomas Tallis 1573)“ von Janet Cardiff ist eins von 48 Werken der aktuellen Ausstellung der Draiflessen-Collection „Dem Bild gegenüber“. Noch bis zum 28. Januar 2018 sind die Arbeiten der Künstler Hans Leinberger, Herbert List, Isaak van Nickelen, Gerhard Richter u.a. in Mettingen zu entdecken. In der Ausstellung, die sich den Themenspektren wie „Abwesenheiten“, „immaterielle Zonen“, „Körperlichkeiten“ und „Innen/Außen“ widmet, versammelt Kunstwerke aus den unterschiedlichen Jahrhunderten. Dabei geht es den Ausstellungskuratorinnen Olesja Nein und Dr. Barbara Segelken zusammen mit Direktorin Dr. Corinna Otto sowie dem Draiflessen-Team um das individuelle Erleben von Kunst. Die Präsentation thematisiert keine medien- oder gattungsspezifische Aspekte, sondern fragt vielmehr, welche formalen und materiellen Beziehungen in wel-chen Verbindungen welche Wirkungen entfalten und welche Inhalte sie mitbringen.

So mag der Christuskopf (um 1517-1520) für den einen die Schrecksekunde des Todes ausdrücken und für den nächsten Betrachter der Sieg Jesu Christi über den Tod. Die Besucher sollen offen aussprechen, was der Blick auf eine Skulptur, auf ein Gemälde, was die Klang- und Video-Installationen bei ihnen auslösen. Deshalb verzichteten die Präsentatoren darauf, die Exponate zu beschriften. „In der Ausstellung geht es nicht um ein richtig oder falsch, es geht darum, was macht das Kunstwerk mit mir“, so die Draiflessen-Direktorin Dr. Corinna Otto.

 

Öffnungszeiten:

Die Draiflessen-Ausstellung „Dem Bild gegenüber“, ist bis zum 28. Januar jeweils mittwochs bis sonntags in der Zeit von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Eine telefonische Anmeldung ist nicht erforderlich. Sonntags gibt es jeweils von 15 bis 16 Uhr Führungen. Der Eintritt kostet 9 Euro, ermäßigt 6 Euro. Gruppen ab 10 Personen zahlen pro Person 6 Euro. Der Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist frei. Zur Ausstellung gibt es einen Begleitkatalog. Adresse: Draiflessen Collection, Georgstr. 18, 49497 Mettingen, Tel.: 05452 91 68-0, Web-www.draiflessen.com

 

Text und Foto: Claudia Keller