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Montag 29. Januar 2018 | Alter: 21 Tage

Als Christ „Lichtträger“ für Andere sein - Ökumenischer Gottesdienst mit Künstlergespräch

Kategorie: alle Nachrichten


Pianistin Elisabeth Klingner spielte das Klavier mit der "enlightenment machine, 2017".

Hörstel. Was haben Kirche und Kunst miteinander zu tun? Sehr viel – darin waren sich Pfarrer Christoph Winkeler (Kath. Pfarrgemeinde St. Reinhildis Hörstel) und Prof. Dr. Norbert Ammermann (Ev. Kirchenkreis Tecklenburg) bei einem Ökumenischen Gottesdienst im DA Kunsthaus Kloster Gravenhorst in Hörstel einig. „Ein ökumenischer Gottesdienst mitten in Lichtkunst, mit einem an-schließenden Künstlergespräch: das ist etwas Einmaliges“ freute sich Kuratorin Gerd Andersen bei der Eröffnung im gut gefüllten großen Saal. In diesem Jahr ist der Gottesdienst der Auftakt des Projekts „finde dein Licht“. Unter diesem Titel haben sich 20 Klöster als „Klosterlandschaft Westfalens“ in ganz Westfalen-Lippe vernetzt, um ein starkes Zeichen der Vielfältigkeit der Klöster in der Öffentlichkeit zu setzen. In den Wochen rund um Mariä Lichtmess am 2. Februar 2018 bieten sie ein reichhaltiges Programm an. -

Pfarrer Dr. Norbert Ammermann fragte die Zuhörer, welche Erwartungen jemand habe, der auf die Pilgerreise, beispielsweise nach Santiago de Compostela gehe. Jesus habe mit seiner Aussage „Ich bin das Licht der Welt“ deutlich gemacht, dass es um das Überleben gehe. „Wir sind Gottes Füße und Hände“ machte der Pfarrer deutlich. Es gehe darum, für Andere das Licht des Lebens weiterzugeben. Gemeinsam gesungene Lieder wie das bekannte Taize-Lied „Laudate omnes gentes (Lobsingt ihr Völker alle)“ oder „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ von Dietrich Bonhoeffer unterstrichen die Worte und die ausdrucksstarke Wirkung der Lichtinstallation. Elisabeth Klingner, Pianistin und Kirchenmusikerin, spielte das Klavier mit der „enlightenment machine, 2017“. Die Töne werden dabei in Lichteffekte in farbigen Lichtsäulen umgesetzt. Ein faszinierendes Spiel mit Licht und Tönen.

Pfarrer Winkeler erinnerte in seinem Predigtimpuls an das Kinderspiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“: Dieses Spiel hilft dabei, Dinge sensibel wahrzunehmen. Das kann spannend sein“, meinte er. Er fragte, wie es möglich sei, das Göttliche wahrzunehmen. Dabei nahm er Bezug auf die Szene, in der Jesus mit seinen Jüngern auf einem Berg steht. Plötzlich fällt ein Lichtstrahl auf ihn und eine Stimme aus dem Himmel sagt: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“. In diesem Moment, so Winkeler, sei den Jüngern das Göttliche sichtbar geworden. Sie seien Jesus nun anders begegnet. „Die Lichtkunstausstellung von Betty Riekmann macht für uns das Licht sichtbar“ so der Theologe. Wenn Gottes Licht auf uns falle und wir für Andere zum Träger des Lichts werden, werde für sie das Göttliche sichtbar. Wahrnehmbar sei dies nur, wenn wir einen Blick dafür hätten. Die Aufgabe der Christen sei es, das Göttliche für ihr Gegenüber sichtbar zu machen.

In einer sich anschließenden Pause hatte die Besucher dann die Gelegenheit, sich mit den Lichtinstallationen der Künstlerin Betty Riekmann vertraut zu machen. Die Karlsruher Künstlerin erhellt die dunkle Jahreszeit auf spannende und spielerische Weise. Die 1986 in Palo Alto, Kalifornien (USA) geborene Künstlerin studierte Bildende Kunst an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe. Danach absolvierte sie einen BA-Studiengang im Fach Licht-Design an der HAWK in Hildesheim. Die 31-jährige stellt ihre Werke in Deutschland, Italien und Bratislava aus. 2017 wurde sie mit dem 2. Preis des Offenburger Förderpreiskreises ausgezeichnet.

„Glanzpunkte sind für mich die 100%- ige Reflexion von Licht“, so Betty Riekmann im Künst-lergespräch mit WDR-Kulturjournalist Dr. Jörg Biesler. Das Licht lösche dabei das Material des Trägers vollkommen aus. Glanz sei immer heller als die Farbe Weiß. Auf die Frage, wie Kunst mit dem Glauben vereinbar sei meinte Norbert Ammermann:“ Kunst und Glaube stehen sich diametral gegenüber und bereichern sich gegenseitig. Allein das Gefühl, in einer Lichtorgel zu sitzen, sei eine ästhetische Erkenntnis. Und Pfarrer Christoph Winkeler ergänz-te: “Kunst vermag es, Dinge auszudrücken, die man mit Worten nicht fassen kann“. Auf die Frage der Intention für ihre Arbeit gefragt, meint die Künstlerin:“ Wenn die Welt so kompliziert ist, finde ich es sehr gut, wenn Kunst Klarheit bringt“.

Die Ausstellung „Winterlicht –lucid dreams“ ist noch bis zum 25. Februar zu sehen. Weitere Informationen zur Ausstellung unter www.da-kunsthaus.de

und zur Klosterlandschaft Westfalen unter www.klosterlandschaft-westfalen.de