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Donnerstag 01. Februar 2018 | Alter: 18 Tage

"Ethik des Genug" einüben: Volker Rotthauwe referiert im Jakobi-Treff

Kategorie: alle Nachrichten


Volker Rotthauwe (EKvW) referierte in der Jakobi-Kirche zum Thema Nachhaltigkeit bei Landwirtschaft und Ernährung.

Rheine. "Ist das Würstchen von heute die Zigarette von morgen? Perspektiven einer zukünftigen Ernährung und Landwirtschaft aus christlicher Sicht" war das etwas sperrige Thema des Jakobi-Treffs "Kirche und Welt" im Januar. Karl Wilms konnte als Referent Pfarrer Volker Rotthauwe, Leiter des Fachbereichs Nachhaltige Entwicklung am Institut für Kirche und Gesellschaft der EKvW in der Jakobi-Kirche begrüßen.

Rotthauwe machte deutlich, dass heute unumstritten sei, dass der gegenwärtige Fleischkonsum erheblich zum Klimawandel und zum Verlust der Artenvielfalt beiträgt. In den heute bei uns verzehrten Mengen sei der Fleischkonsum ungesund und fördere zudem die weltweite Ungerechtigkeit, so der Theologe.

Aus christlicher Perspektive seien Lebensmittel "Mittel zum Leben“. Beim Essen und Trinken geht es in der Bibel um Gerechtigkeit, um Kommunikation und um Sinnlichkeit. Auch Papst Franziskus unterstütze dies in der Umwelt-Enzyclica Laudato si: Jedes Tier sei in biblischer Tradition ein gesegnetes Geschöpf Gottes mit eigener Würde, eigenem Recht und eigener Gottesbeziehung. "Ihr Sein hat Vorrang vor ihrem Nützlichsein." Die weltweite Ungerechtigkeit bestehe darin, dass 795 Mio. Menschen regelmäßig nicht genug zu essen hätten, so Rotthauwe weiter. Die heutige Ernte könnte effizient 12-14 Mrd. Menschen ernähren, aber: "Die Weltgetreideproduktion wird zu mehr als der Hälfte für Futtermittel und sonstiges verwendet" kritisierte er.

Der Pro-Kopfverzehr von Fleisch in Deutschland von ca. 60 kg pro Kopf sei etwa doppelt so hoch wie es der Bedarf an Proteinen sowie Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen erfordere. Dass Deutschland sich einen sogenannten "Schweinegürtel" vom Münsterland über Niedersachsen bis nach Schleswig-Holstein leiste, in dem industriell Schweinefleisch für den Weltmarkt mit Futter aus dem Weltmarkt produziert werde, sei eine echte Fehlentwicklung und ein Missbrauch der natürlichen Ressourcen wie Boden und sauberem Grundwasser.

Was können Kirchengemeinden tun? Da gebe es eine breite Palette von Möglichkeiten informierte der Referent die Zuhörer. So seien Erntedank-Gottesdienste, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen, ein fleischloser Tag in der Woche, das Fasten ohne Fleisch, gemeinsames Kochen wie z.B.: "Schnippelparties" für Jugendliche denkbar. Entscheidend sei es, das Bewusstsein für eine Wende einzuleiten. Wenn es um Ernährung geht, gelte es, Rituale weiter- bzw. wieder zu entwickeln, um das Bewusstsein für die Frage der Legitimation zur Tötung von Tieren wach zu halten. Als weitere Aspekte nannte Volker Rotthauwe, die Vision einer gerechten Weltgesellschaft zu verfolgen und eine "Ethik des Genug" einzuüben.

Die anschließende Diskussion machte deutlich, dass nicht die bäuerlichen Betriebe das Problem verursachen, sondern die Nahrungsmittel-Industrie und der Verbraucher mit dem Hang zu billigem Fleisch. Am Ende dankten die nachdenklichen Zuhörer für die kompetente Darstellung mit herzlichem Applaus.

Beim nächsten Jakobi-Treff "Kirche und Welt" am 21. Februar wird es um das Trinkwasser in Rheine gehen.

www.jakobi-rheine.de

 

Hintergrundinformationen zum Thema unter

https://www.brot-fuer-die-welt.de/

 

Text und Foto: Dr. Karl Wilms