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Freitag 02. Februar 2018 | Alter: 17 Tage

Ein weit entferntes Land besser kennenlernen - Vorbereitungstreffen zum Weltgebetstag im Gemeindehaus „Blick.Punkt“ Ibbenbüren

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Dem ökumenischen Vorbereitungskomitee gehören Brigitte Remke, Marita Enseling, Elke Becker, Marita Hagedorn, Ute Miesopust, Pfarrerin Claudia Raneberg und Mechthild Fislage an (v.l.).

Ibbenbüren. Die ökumenischen Weltgebetstage bieten immer wieder Gelegenheit, fremde Länder und Religionen zu entdecken. Neben der Schönheit der Landschaft und dem Alltag der Bewohner werden dabei soziale und wirtschaftliche Themen nicht ausgeklammert. Das Thema des Gottesdienstes ist in diesem Jahr die Bewahrung der Schöpfung, die Gott in unsere Hände gelegt hat. Frauen aus Surinam haben dazu die Gebetsordnung erarbeitet. „Surinam, wo liegt das eigentlich?“ haben sich die Frauen des ökumenischen Organisationskomitees wohl gefragt.

Deshalb rollten sie beim Vorbereitungstreffen am 31. Januar im „Blick.Punkt“ Ibbenbüren zunächst eine Weltkarte in den Raum. Was es mit den daran befestigten Raupen auf sich hatte, erklärten sie anhand der Biografie von Maria Sibylla Merian (1647 - 1717). In einer kleinen Geschichte wurden die Raupen zu bunten Schmetterlingen, die sich an der Nordküste Südamerikas niederließen. Dort liegt das kleinste Land des Kontinents. Die Wissenschaftlerin, Theologin und Künstlerin Maria Sibylla Merian brach 1699 zu einer abenteuerlichen Reise dahin auf, um Insekten zu untersuchen. Darüber schrieb sie ein Buch, das sie selbst illustrierte.

Marita Enseling begrüßte nach dieser sehr anschaulichen Einführung die etwa 70 Teilnehmerinnen des Treffens. Einige Informationen verdeutlichten, dass in dem Naturparadies enorme Probleme den Regenwald, die Küsten und das Leben der Menschen bedrohen. Das ausgewählte Thema „Gottes Schöpfung ist sehr gut“ passe wunderbar zur Situation des Landes, betonte Marita Enseling. Elke Becker studierte mit den Frauen Lieder ein, die später die Gottesdienste fröhlich machen. Sie werden auch in der Landessprache Sranan gesungen. In der Mitte des Saales waren symbolische Dinge aufgestellt: Das offizielle Plakat mit einem Bild der Künstlerin Sri Irodikromo, tropische Pflanzen, bunte Tücher, ein Brunnen, Tierfiguren, Kokosnussschalen. Der Herrnhuter Stern erinnerte daran, dass Missionare der Brüdergemeine aus Sachsen seit dem 18. Jahrhundert den christlichen Glauben in Surinam verbreiteten. Im Foyer boten Elsbeth Verlage und Christel Festring am Stand des Eine-Welt-Ladens fair gehandelte Produkte, wie Kaffee, Tee, Gebäck, Schokolade, Schmuck oder Lederwaren an. Die Frauen des Weltgebetstags-Teams aus Surinam haben für ihre Gebetsordnung den biblischen Text der Schöpfungsgeschichte aus Genesis (Erstes Buch Mose) ausgewählt. Zu den weltweiten Gottesdiensten sind Menschen aller Konfessionen eingeladen. Frauen aus Surinam (gesprochen von Gemeindemitgliedern) berichten aus ihrem Leben. Sie erzählen von ihren Vorfahren, der Schönheit der Natur und wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der früheren niederländischen Kolonie. Ein buntes Völkergemisch von Frauen und Männern unterschiedlicher Religionen wohnt dort einträchtig zusammen. Doch der Friede ist bedroht. Fallende Preise für Bodenschätze wie Öl oder Bauxit sowie der Goldabbau mit giftigem Quecksilber führen zu Armut und Krankheiten. 1980 übernahm eine Militärdiktatur die Regierung. Seine Wahlversprechen von 2010 hielt Präsident Desi Bouterse nie ein. Das Land stürzte in eine Wirtschaftskrise, die bis heute anhält.

Das Weltgebetstagskomitee ist Vorbild für eine funktionierende Ökumene. In Surinam stehen an vielen Stellen, auch in der Hauptstadt Paramaribo, Moscheen, Tempel, Synagogen und Kirchen nebeneinander. Toleranz ist das Stichwort für die funktionierende Gemeinschaft. Neben den großen Weltreligionen spielen auch spirituelle Traditionen der Ureinwohner, der Sklaven oder Plantagenarbeiter aus Afrika, Indien, Indonesien und China eine Rolle. All dies ist in die Liturgie des diesjährigen Weltgebetstages eingeflossen.

Während der Bibelarbeit und im Gottesdienst des Vorbereitungstreffens mit Pfarrerin Claudia Raneberg standen die Auslegung und Umsetzung des Bibeltextes aus dem Schöpfungsbericht im Mittelpunkt. Ein Film und eine Fotopräsentation sowie die Kaffeepause mit dem typischen Kokosnusskuchen „Blokmout“ rundeten den informativen Nachmittag ab. Der Weltgebetstag wird am 2. März 2018 weltweit und auch im Tecklenburger Land mit ökumenisch geprägten Gottesdiensten gefeiert.

 

Text und Foto: Brigitte Striehn