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Freitag 09. März 2018 | Alter: 48 Tage

„Warum ich gerne katholisch bzw. evangelisch bin“

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v.l.n.r.(erste Reihe): Pfarrer Ingo Göldner, Prof.in Dr. Helga Kuhlmann und Prof.in Dr. Margit Eckholt. In der zweiten Reihe (v.l.n.r.): Pfarrer Siegfried Tripp, Pfarrer Christian Heinz, Superintendent André Ost und Dr. Uta Wiggermann, Pfarrerin der Christusgemeinde Ibbenbüren.

Ibbenbüren. „Berührungsängste brauchen wir nicht zu haben“, sagte Prof. Dr. Helga Kuhlmann in ihrem Vortrag zum Thema: „Warum ich gerne katholisch bzw. evangelisch bin“ im Ev. Gemeindehaus „blick.punkt“ in Ibbenbüren. Im Rahmen der Theologischen Vortragsreihe „Ökumene - Stand und Perspektiven“, zu der der Evangelische Kirchenkreis Tecklenburg in Kooperation mit dem Kreisdekanat Steinfurt eingeladen hatte, begrüßte Superintendent André Ost etwa vierzig Interessierte aus beiden Konfessionen.

Die Protestantin Kuhlmann, Professorin für Systematische Theologie im Fachbereich Evangelische Theologie an der Universität Paderborn, nahm die Zuhörer mit zu den Anfängen ihres persönlichen Glaubens. Anhand ihrer Biographie wird schnell deutlich, dass Kuhlmann schon früh der Frage nachging: „Kann ich mit Gott in Beziehung treten?“ Für die Theologin kommt es nicht auf die Schwergewichtung der Konfessionen, sondern eher darauf an, ob der Mensch an Gott glaubt oder nicht. Die evangelische Professorin glaubt an die christliche Kirche und stellt diese vor die Konfession. Selbst in der evangelischen Kirche war es ein holpriger Weg bis zur Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft innerhalb der EKD. Erst 1973 sei mit der Leuenberger Konkordie eine gemeinsame Basis geschaffen worden. In dieser Lehrschrift erklärten die lutherischen, reformierten und unierten Kirchen die gegenseitige Kirchengemeinschaft, so die Referentin.

Für Kuhlmann ist die Leuenberger Konkordie ein Modell für die ökumenische Kirche. Es gäbe noch zahlreiche unterschiedliche Ansichten. Gerade beim Thema Abendmahl. „Ich feiere gerne ein evangelisches Abendmahl, ein Abendmahl, wo alle gleichgestellt sind“, erläuterte die Professorin. Gleichzeitig schätze sie die katholische Eucharistiefeier, sehe aber auch, wie einsam der Priester am Altar stehe.

In vielen ethischen Fragen seien sich die beiden Kirchen einig, so Kuhlmann und doch fehle die gemeinsame und nicht trennende Antwort auf ethische Fragen zur Flüchtlingspolitik, zum Schwangerschaftsabbruch und zur Mahlgemeinschaft für Geschiedene. Dabei forderte sie eine Haltung der Barmherzigkeit und Erkenntnis in größter Not.

„Christus ist das Licht der Völker“, zitierte hingegen Prof. Dr. Margit Eckholt aus dem II. Vatikanischen Konzil. Gerade in diesem Satz aus dem Kapitel Lumen Gentium würde deutlich, dass es seit dem Konzil in den 1960er Jahren einen klaren Startpunkt einer ökumenischen Perspektive gibt. Diese sei durch die Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. zum Stillstand gekommen oder gar rückwärts gegangen. Papst Franziskus rufe die Katholiken dagegen dazu auf, den Weg der Ekklesiologie bewusst zu gehen. „Die Kirche hat den Auftrag, Christus zu verkünden und zu bezeugen“, so die Katholikin. Die Professorin für Dogmatik und Fundamentaltheologie machte an vielen Stellen ihre persönliche ökumenische Einstellung deutlich. Die zentrale Säule der katholischen Kirche, das Eucharistieverständnis und die Anwesenheit Jesu Christi im Tabernakel spielte in ihren Ausführungen keine Rolle. Vielmehr forderte die Theologin die zahlreichen Zuhörer auf, als Volk Gottes unterwegs zu sein und gerade den Blick auf die große Gemeinschaft der Heiligen, womit letztlich jeder gemeint ist, zu werfen. In beiden biografischen Einstiegen wurde klar, dass Christen in eine Konfession hineingeboren und durch sie sozialisiert werden. Im Laufe des Lebens müsse sich jeder Christ immer wieder seiner religiösen Ausrichtung bewusst werden und seinen Standpunkt einnehmen. Dabei seien Ortswechsel, Ausbildung, Studium, die Freizeitgestaltung und Zugehörigkeit in kirchlichen, sportlichen und kommunalen Gruppen entscheidende Faktoren des persönlichen Glaubens. Gleichzeitig sei es wichtig, den Blick auf den Mitmenschen und die Ökumene zu wahren.

Der Themennachmittag: „Warum ich gerne katholisch bzw. evangelisch bin“ gab eine klare verbindende Antwort: Als überzeugte „Schwestern im Geiste“ und der gemeinsamen Pilgerschaft des Volkes Gottes könnte eine ökumenische Verbundenheit stetig weiter wachsen. Bei Kaffee und Kuchen gab es zum Abschluss eine engagierte Diskussionsrunde.

 

Text und Foto: Claudia Keller