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Freitag 16. März 2018 | Alter: 39 Tage

„Ich bin nur der Salat, die Hauptspeise ist die Kirchengemeinde!“ - Pastor Mehrdad Sepehri Fard berichtet in Pfarrkonferenz über seine Arbeit

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Pastor Mehrdad Sepehri Fard berichtete im Rahmen der Pfarrkonferenz in Rheine über seine Arbeit.

Rheine. „Christus hat alle Fremdlinge aufgenommen, er hat Fremden zu Freunden gemacht“ so Trau-gott Pohl, Prediger der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Rheine, in seiner Andacht zur Eröffnung der Pfarrkonferenz. Dies sei heute auch die Aufgabe eines jeden Christen. Die Pfarrkonferenz des Ev. Kirchenkreises Tecklenburg traf sich erstmals im Haus der Landeskirchlichen Gemeinschaft Rheine. „Fremdsein hilft, manches abzulegen und auch umzugestalten. Es bietet die Chance für einen Neubeginn“ so Prediger Pohl weiter. Bezugnehmend auf den Wochenspruch führte er aus: „Es muss etwas absterben, damit wir uns öffnen können für den Anderen und Frucht bringen. So können aus Fremden Freunde werden“.

Superintendent André Ost begrüßte Pastor Mehrdad Sepehri Fard: „Wir wünschen Ihnen Gottes Segen für ihre Aufgabe und wollen Sie mit unserer Arbeit unterstützen. Zugleich sollten die Gemeinden Sie als ihren Ansprechpartner und Netzwerker nutzen“, so Ost weiter. Dessen beim Kirchenkreis Paderborn angesiedelte und vom Amt MÖWe begleitete Projektstelle wird von den Ev. Kirchenkreisen Tecklenburg, Steinfurt-Coesfeld-Borken, Paderborn, Soest und der Lippischen Landeskirche unterstützt und mitfinanziert. Intention der Projektstelle ist es, die westfälischen Gemeinden für Menschen, die aus anderen Ländern kommen, zu öffnen. Pastor Sepehri ist seit Oktober 2017 im Amt und hat schon seit längerem Kontakt zur Landeskirchlichen Gemeinschaft in Rheine. Hier sammelt sich regelmäßig eine Gemeinschaft persischsprachiger Christen. Er selbst wurde in Teheran geboren und kam 1997 nach Deutschland. Mit seiner Ehefrau und zwei Kindern lebt er in Paderborn. Im Alter von 12 Jahren fand er zum christlichen Glauben. Theologie konnte er im Iran nur inoffiziell studieren, seine Prüfungen legte er auf Zypern und in den USA ab. 2007 wurde er in Marburg ordiniert. Neben seinem Beruf als Teamleiter bei einem großen Paderborner Unternehmen war er bis zu seiner Einführung viele Jahre ehren-amtlicher Ansprechpartner und Seelsorger für persischsprachige Christen.

„Menschen, die als Christen zu uns kommen, haben oft Sprachprobleme. Sie brauchen jemanden, der ihnen dabei hilft, die Sprachbarrieren zu überwinden“, berichtet Pastor Sepehri. Als jemand, der vor 20 Jahren selbst aus dem Iran kam, Flüchtling gewesen ist und die Heimatsprache spricht, könne er sich gut in diese Menschen hineinversetzen. Die Traumata, die sie auf der Flucht erlebt hätten, hinderten die Geflüchteten oftmals daran, sich auf das Lernen der deutschen Sprache zu konzentrieren. „Sie ha-ben viel Schlimmes erlebt und brauchen einen Seelsorger, der ihre Heimatsprache spricht und sie ver-steht“ so der Iraner weiter. „Ich brauche dabei jedoch Ihre Unterstützung“ appellierte er an die Pfarre-rinnen und Pfarrer. „Ich bin nur der Salat, die Hauptspeise ist die Kirchengemeinde!“ Und André Ost betonte, es sei gerade ein Anliegen des Projekts, dass sich keine „Sondergemeinden“ bildeten. Spürbar sei jedoch, dass sich durch die nach Deutschland kommenden Flüchtlinge etwas in der Gemeindekultur bewege.

Die Landeskirchliche Gemeinschaft Rheine sei überrascht gewesen von dem großen Zulauf der Flücht-linge, so Prediger Pohl: “Im Sommer 2015, zur Zeit der großen Flüchtlingswelle, kümmerten sich in unserer Gemeinde deutsche Jugendliche um junge Geflüchtete. Wir boten ein Flüchtlingscafé an, in das die Jugendlichen mit ihren Eltern kommen konnten, um sich auszutauschen. Schon im Sommer 2015 wollten drei iranische Mädchen getauft werden“. Daraufhin hat die Landeskirchliche Gemeinschaft mit einem Taufkurs begonnen. Sie nahm in dieser Frage Kontakt zur evangelischen Jakobi-Gemeinde in Rheine auf. Dort wurden dann Anfang 2016 die ersten iranischen Christen getauft. Schon den zweiten Taufkurs für 50 Iraner übernahm Mehrdad Sepehri Fard. In einem 4-6-monatigen Glaubenskurs vermittelt er den Teilnehmern Grundkenntnisse der christlichen Botschaft. Abgeschlossen wird der Kurs mit einer schriftlichen Prüfung. “Ich kann den Glauben nicht benoten, aber Grundkenntnisse sind wichtig“, berichtet Pastor Sepehri. So sei es für ihn entscheidend, dass sich die Teilnehmer persönlich zum Glauben bekennen und einmal das Glaubensbekenntnis auf Persisch sprechen.

Mittlerweile kommen jeden Montag ca. 50 Türken und Palästinenser aus der ZUE (Zentralen Unter-bringungseinrichtung) Rheine zum Flüchtlingscafé in die Gemeinde, so Traugott Pohl. Im ZUE lebten derzeit 960 Menschen, zwei Drittel von ihnen ohne Bleibeperspektive. 45 Menschen hätten sich bereits in evangelischen Gemeinden taufen lassen, zehn Iraner besuchen derzeit einen Taufkurs. An jedem dritten Freitag im Monat hält Mehrdad Sepehri Fard um 17 Uhr in der Landeskirchlichen Gemeinschaft einen Gottesdienst mit Übersetzung für persischsprachige Christen. Schon vorab können die Gottesdienstbesucher einen Gesprächstermin mit ihm vereinbaren. Im Pauluszentrum Ibbenbüren veranstaltet Pastor Fard regelmäßig Gottesdienste für bis zu 300 Personen. Über WhattsApp können interessierte Christen die Termine der Gottesdienste und Glaubenskurse erfahren. „Wenn ich Gemeinden unterstützen kann, helfe ich gern“, meint er.

In einer sich anschließenden Diskussion berichteten der Flüchtlingsbeauftragte des Kirchenkreises, Pfarrer i.R. Reiner Ströver, und Pfarrer i.R. Reinhard Paul eindrucksvoll über ihre Erfahrungen in der persönlichen Betreuung von Flüchtlingen. „Die Entscheider beim BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) versuchen zu überprüfen, ob es glaubwürdig ist, was diese Menschen über ihren Glauben erzählen“, so Reiner Ströver. Dies sei allerdings sehr schwierig.

Pfarrer Roland Wendland (Schale) informierte darüber, dass das BAMF die Taufe nicht als Asylgrund anerkennt. Kontrovers standen die Theologen der Frage gegenüber, ob es ratsam sei, bei Zweifeln über die „Echtheit des Taufwunsches“ einen „Taufaufschub“ in Erwägung zu ziehen. „Wenn Menschen als Erwachsene die Taufe bejahen und angemessen darauf vorbereitet werden, können wir uns als Ge-meinde dem nicht verschließen“, so das Plädoyer von Pfarrerin Dr. Uta Wiggermann, Ibbenbüren. Integration solle mit Blickrichtung auf die Gemeinde gedacht und gelebt werden. Die Arbeit von Pastor Mehrdad Sepehri Fard leistet hierfür wertvolle Hilfestellung.