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Dienstag 20. März 2018 | Alter: 35 Tage

Ökumene ist die Grunddimension von Kirche

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Pfarrerin Annette Muhr-Nelson beantwortete die Fragen von Moderator Günter Benning, Redaktionsleiter der Westfälischen Nachrichten in Greven.

IBBENBÜREN - „Ökumene ist die Grunddimension von Kirche.“ Auf diesen kurzen Nenner brachte Pfarrerin Annette Muhr-Nelson die Ergebnisse eines knapp zweistündigen Diskussionsforums, zu dem der evangelische Kirchenkreis Tecklenburg Mitte März in das katholische Pfarrheim St. Mauritius Ibbenbüren eingeladen hatte.

„Perspektiven und Verständnis von Einheit“ lautete das Thema dieser dritten und letzten Veranstaltung einer kleinen theologischen Vortragsreihe, die der Kirchenkreis Tecklenburg in Kooperation mit dem katholischen Kreisdekanat Steinfurt organisiert hatte; dabei stellte sich heraus, dass etwaige Probleme bezüglich der ökumenischen Verständigung eher nicht auf der unteren, also der Gemeinde-ebene, sondern wenn, dann auf höheren Ebenen zu finden sind.

Auch die weltweite Entwicklung des Christentums fand im Laufe der Veranstaltung Beachtung: So wachse das Christentum insbesondere in den afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern, beschrieb Pfarrerin Annette Muhr-Nelson, Leiterin des Amtes für Mission, Ökumene und kirchliche Welt-verantwortung der Evangelischen Kirche von Westfalen in Dortmund, die aktuelle Situation. Hier entstehe etwas, das vom traditionellen Christentum eher nicht verstanden werde und sich auch konfessi-onell noch nicht einordnen lasse, da es Zuläufe insbesondere bei den charismatischen Kirchen - wie etwa der „Pfingstbewegung“ - gebe.

Fehle etwa das Emotionale in den westlich geprägten Kirchen, erreiche man deshalb immer weniger Menschen, fragten sich angesichts dieser Entwicklung Pfarrerin Annette Muhr-Nelson und ihr katholischer Kollege, der Ibbenbürener Pfarrer Paul Hagemann. Da gebe es wohl einfach eine unterschiedliche kulturelle Prägung, die auch gut so sei, aber eine dauerhafte Angleichung sei wohl weder machbar noch wünschenswert, befand Paul Hagemann. Versuche, die Kirche in diese Richtung zu öffnen, seien jedenfalls bisher – abgesehen vielleicht von den Jugendkirchen – nicht sehr dauerhaft gewesen.

Doch auch in Deutschland ist Vielfalt innerhalb der beiden großen Konfessionen durchaus vorhanden, aber es sei eher eine „Einheit in Vielfalt“, meinte Ulrike Lausberg, evangelische Religionslehrerin am Graf-Adolf-Gymnasium in Tecklenburg. Zusammen mit ihrem katholischen Kollegen Björn Igelbrink war sie ebenfalls zum Diskussionsforum eingeladen worden. „Ich möchte gar nicht, dass die Gottesdienste in beiden Kirchen gleich sind“, erklärte Lausberg, die gerne auch mal katholische Gottesdienste besucht. Pfarrerin Annette Muhr-Nelson verwies auf die nach wie vor bestehenden Kernunterschiede zwischen Protestanten und Katholiken: Diese liegen im Amtsverständnis (kein Papst auf evangelischer, keine Frauenordination auf katholischer Seite) sowie in der (noch) nicht so starken Bibelexegese bei den Katholiken.

Man müsse jedoch auch nicht unbedingt einen theologischen Austausch pflegen, meinte Pfarrer Paul Hagemann, viel wichtiger seien der „Glaubensaustausch“ und die Tatsache, „dass wir uns heute als Christen verstehen.“ Das Verbindende zu leben, das sei das Wichtigste, so der katholische Pfarrer. Ob das auf höherer Ebene ebenfalls so gesehen wird, wäre sicherlich interessant gewesen: Hagemann war kurzfristig von Superintendent Andre Ost als Ersatz für Professor Dr. Dorothea Sattler, Direktorin des Ökumenischen Instituts der Katholisch-Theologischen Fakultät der Wilhelms-Universität Münster, akquiriert worden, um die katholische Sicht auf die Ökumene zu vertreten.

Wie geht es weiter mit der Ökumene vor Ort, der Annäherung zwischen Protestanten und Katholiken? Im Münsterland ist man sich überkonfessionell einig, die Zusammenarbeit weiter voranzutreiben; hier erging von beiden Seiten aus ein Aufruf zur praktischen Ökumene. Es gebe viele Dinge, die auf Ge-meindeebene zusammen gemacht werden könnten, führte Annette Muhr-Nelson aus und nannte als Beispiel die Kirchenchöre: Warum nicht die Konfessionsgrenzen einfach mal vergessen? Und Pfarrer Paul Hagemann, selbst begeisterter Verfechter der Ökumene, steuerte noch einen ganz praktischen Vorschlag für Ibbenbüren bei: Angesichts des guten Miteinanders der Pfarrer beider Konfessionen vor Ort könne man doch am Pfingstmontag einen großen ökumenischen Gottesdienst feiern.

 

Text und Foto: Claudia Ludewig