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Mittwoch 28. März 2018 | Alter: 27 Tage

Es ist Zeit, sich für einen gesunden Boden einzusetzen

Kategorie: alle Nachrichten

BioBoden-Genossenschaft unterstützt Landwirte



Auf Einladung des Sozialseminars referierte Jasper Holler (2.v.l.) von der BioBoden Genossenschaft über die Arbeit und Nachhaltigkeit der Initiative. Dr. Rudolf Holtkamp (l.) und Dr. Anja Oetmann-Mennen dankten dem Referenten.

Kattenvenne. „Ein gesunder Boden gibt gesunde Pflanzen, gesunde Tiere, ernähren sich von gesunden Pflanzen und gesunde Tiere ermöglichen den Menschen ein gesundes Leben“, brachte es Referent Jasper Holler in seinem Vortrag im Rahmen des Sozialseminars Lienen auf den Punkt. Im Evangelischen Gemeindehaus Kattenvenne stellte Jasper Holler die Entwicklung, Nachhaltigkeit und Idee der BioBoden-Genossenschaft vor. Er ist in der Organisation in der Mitgliederbetreuung und Kommunikation tätig.

„Unser Ackerboden ist ein endliches Gut“, so der Referent, der seine Aussagen mit interes-santen Bildern mithilfe einer Präsentation ergänzte. Der Boden sei nicht vermehrbar. Weltweit gehen täglich riesige Flächen durch Versiegelung oder die Folge von Klimawandel und Umwelteinflüssen verloren. Doch das Problem beginnt nicht erst im Nachbarland, sondern bei uns vor der Haustür. Rund 66 Hektar Flächen werden in Deutschland jeden Tag für Siedlungs- und Verkehrsmaßnahmen verbraucht. „Dabei haben wir in Deutschland eine Kulturlandschaft. Wir begeben uns in die Natur, um uns zu erholen und gleichzeitig nehmen wir unsere Nahrung aus der Landwirtschaft“, sagt Holler. Er weist darauf hin, dass normalerweise alle Lebewesen im Boden leben, die den Boden zu dem machen, woraus der Mensch die Lebensmittel gewinnt. Daher sei es notwendig, so der Referent, dieses Gleichgewicht der Vielzahl der im Boden lebenden Lebewesen zu erhalten. Leider passiert oftmals genau das Gegenteil. Der verstärkte Einsatz von Pestiziden hat dazu geführt, dass 80 Prozent der Insekten verschwunden sind. Futter wird aus Südamerika gekauft und die Gülle hier auf heimischen Böden ausgefahren, obwohl dieser Boden die Gülle nicht verträgt. Über Jahre wurden die Landwirte mit ihrer Situation allein gelassen, denn die Bevölkerung interessierte sich für Anderes, ein fataler Kreislauf. Zudem sind die Endverbraucher bereit, nur wenig Geld für Lebensmittel auszugeben. Auf der anderen Seite boomen in den letzten Jahren die Bioprodukte. Die wenigsten Bio-Lebensmittel könnten jedoch in Deutschland angebaut werden, da es kaum Bioböden gibt, informiert der Referent.

Einen Ausweg aus dieser Misere kann die im Jahr 1961 gegründete BioBoden-Genossenschaft bieten. Seit 2015 setzt sich die Genossenschaft, die 3400 Mitglieder zählt, noch stärker für die Sicherung und Ausweitung des fruchtbaren Bodens für die Bio-Landwirtschaft ein. Ihr Ziel ist es, landwirtschaftliche Flächen vor dem Zugriff von Bodenspekulanten zu schützen und diese zu tragbaren Preisen dem deutschen Ökolandbau zur Verfügung zu stellen. Daneben betreibt die Genossenschaft selbst Landwirtschaft und kauft Flächen von Landwirten und verpachtet sie wieder an sie. Zudem kauft sie ökologisch und konventionell bewirtschaftete Betriebe und übergibt diese in unterschiedlicher Form an Landwirte zur Bewirtschaftung und zur Umstellung. Ferner gibt sie Hilfestellungen bei der Vermarktung der Bioprodukte. Insgesamt wurden bis 2016 über 2.300 Hektar Boden für 33 Partnerhöfe nachhaltig gesichert – davon 739 Hektar, die durch die Sicherung von konventioneller Landwirtschaft auf Bioanbaufläche nach den Kriterien eines Anbauverbandes umgestellt werden. Höfe wurden beim Generationenwechsel unterstützt, die sonst aufgegeben worden wären. Schnell wurde den zahlreichen Zuhören klar, dass es viel zu tun gibt und dass es in Zukunft unumgänglich ist, sich für gesunden Boden einzusetzen, denn nur so gibt es gesunde Pflanzen, Tiere und Menschen.

 

Text und Foto: Claudia Keller