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Mittwoch 21. November 2012 | Alter: 5 Jahr/e

"Inklusion gibt es nicht zum Nulltarif" - Tecklenburger Lehrertag zur Inklusion im Religionsunterricht

Kategorie: alle Nachrichten
Von: Michael Hopf

TECKLENBURG - "Religion inklusiv - gemeinsam lernen in heterogenen Gruppen" war der Titel des diesjährigen Tecklenburger Lehrertags am Mittwoch in der Evangelischen Jugendbildungsstätte Tecklenburg.



Referentin des diesjährigen Tecklenburger Lehrertags war Dr. Anita Müller-Friese aus Karlsruhe. Foto: Michael Hopf

Dass der veranstaltende Evangelische Kirchenkreis Tecklenburg mit seiner Themenwahl am Puls der Zeit lag, zeigte die rege Beteiligung: Gut 60 Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen waren aus dem gesamten Kreisgebiet nach Tecklenburg gekommen, um sich mit dem Thema Inklusion im Religionsunterricht auseinanderzuseten.

Für Dr. Anita Müller-Friese, die Referentin der Fortbildungsveranstaltung, ist es "normal, verschieden zu sein". Von dieser grundsätzlichen Sicht des  christlichen Menschenverständnisses aus sei Inklusion - das gemeinsame Lernen von Behinderten und Nichtbehinderten - uneingeschränkt sinnvoll. Die Verschiedenheit der Schülerinnen und Schüler in einer Klasse ist für die Religionspädagogin daher auch keine Störung des Unterrichts sondern eine Chance. Bei einer entsprechenden Grundhaltung des Lehrers und differenzierten und auf Kooperation unter den Schülern angelegten Lernangeboten könne inklusiver Unterricht gelingen, war Frau Müller-Friese überzeugt. Wie dies praktisch gelingen kann, zeigte die Referentin anhand konkreter Beispiele und Übungen. Die Referentin des Tecklenburger Lehrertags, Dr. Anita Müller-Friese, ist Sonderpädagogin und Studienleiterin am Religionspädagogischen Institut in Karlsruhe. Sie befasst sich seit vielen Jahren mit Fragen von Heterogenität und Inklusion im Religionsunterricht.

Auch der Vorsitzende des pädagogischen Ausschusses im Evangelischen Kirchenkreis Tecklenburg Schulpfarrer Dr. Michael Korthaus bezeichnete Inklusion vom christlichen Menschenbild her als Notwendigkeit. Zugleich machte er deutlich, dass gerade die heutigen Förderschulen mit ihrer besonderen Ausstattung und ihrem sonderpädagogischen Know-how Schülerinnen und Schüler mit Behinderung besonders professionell und individuell fördern und nicht jedes Kind an einer Regelschule eine optimale Förderung erfahren könnte. In diese Richtung argumentierte auch André Ost, der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg, als er vor der vorschnellen Aufgabe funktionierender Einrichtungen warnte: "Strukturen, die einmal aufgegeben sind, lassen sich kaum wiederherstellen." Ost appellierte an die Kreativität der Verantwortlichen. Dann könne Inklusion gelingen, so Ost. In jedem Falle sei Inklusion teuer, stellte der Superintendent fest und stieß damit in dasselbe Horn wie die Referentin: "Inklusion gibt es nicht zum Nulltarif", so Dr. Anita Müller-Friese. Ost stellte zudem die in der politischen Debatte um die Inklusion unbeantwortete Frage: "Wie sollen Inklusion und der verschärfte Leistungsanspruch der Schule zusammengebracht werden?"

Der Tecklenburger Lehrertag hat seit knapp 30 Jahren einen Stammplatz in den Terminkalendern vieler Lehrerinnen und Lehrer der Region. Er bietet den Pädagoginnen und Pädagogen die Möglichkeit zur fundierten Weiterbildung anhand eines aktuellen Themas der Religionspädagogik und ein Forum für den kollegialen Austausch. Außerdem dient der Tecklenburger Lehrertag zur Stärkung des Verhältnisses der Lehrerschaft zur evangelischen Kirche.