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Mittwoch 16. November 2011 | Alter: 6 Jahr/e

Lehrertag zum Islamischen Religionsunterricht

Kategorie: alle Nachrichten

Tecklenburg - Dem Islamischen Religionsunterricht in NRW widmete sich der diesjährige Tecklenburger Lehrerinnen- und Lehrertag (TLT) am Mittwoch (16. November 2011) in der Evangelischen Jugendbildungsstätte Tecklenburg.



(v. l.) Schulreferentin Pfarrerin Kerstin Hemker, Milyesser Ildem und Reinhard Jöllenbeck, Vorsitzender des Pädagogischen Ausschusses im Kirchenkreis Tecklenburg. Foto: Hopf

Unter dem Titel »In der Mitte der Gesellschaft angekommen?!« befassten sich die teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen mit der aktuellen Frage nach der Einführung Islamischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen in Nordrhein-Westfalen und seiner inhaltlichen sowie pädagogisch-didaktischen Ausrichtung.

Dabei verdeutlichte die Referentin des TLT, Milyesser Ildem, die Notwendigkeit einer Subjekt- und Problemorientierung des Unterrichtsfachs nach allgemein anerkannten pädagogischen Maßstäben. Eine Auslegung des Unterrichts auf reine Stoffvermittlung schloss Ildem damit grundsätzlich aus. Notwendig sei vielmehr eine »Orientierung an der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrerinnen und Lehrer«. Nur auf diese Weise sei die Entwicklung Islamischen Religionsunterrichts nach den gültigen Standards des nordrhein-westfälischen Schulsystems möglich. Die besondere Komplexität der für das Schuljahr 2012/2013 angestrebten Einführung des islamischen Unterrichts erläuterte die Expertin vor dem verfassungsrechtlichen Hintergrund des konfessionellen Religionsunterrichts in Deutschland. Laut Art. 7,3 des Grundgesetzes sei der Religionsunterricht an öffentlichen Schulen »ordentliches Lehrfach in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften«. Was im Falle von Evangelischem und Katholischem Religionsunterrichts aufgrund der institutionellen und zudem öffentlich-rechtlichen Verfasstheit der Kirchen vergleichsweise leicht zu bewerkstelligen sei, gestalte sich beim Islamischen Religionsunterricht ungleich schwieriger, so Ildem. Nur ein Teil der bekennenden Muslime sei religiös organisiert, so die Referentin weiter. Auf diese Weise repräsentierten die unterschiedlichen islamischen Verbände in Deutschland nur einen Teil der muslimischen Bevölkerung. Zudem sei die islamische Landschaft in Deutschland recht unterschiedlich und die Verbände in ihrem Selbstverständnis nicht zuletzt auch ethnisch begründet. Bei allen Schwierigkeiten im Detail und allen noch zu lösenden Fragen auch hinsichtlich der Ausbildung von islamischen Religionslehrerinnen und -lehrern bezeichnete Milyesser Ildem die Einführung des Islamischen Religionsunterrichts als zukunftsweisend und unabdingbar. Die Schülerinnen und Schüler hätten schließlich den im Grundgesetz verbürgten Anspruch auf Religionsunterricht, so die Referentin.

Milyesser Ildem wurde am »Institut für interreligiöse Pädagogik und Didaktik« in Köln zur religionspädagogischen Fachkraft ausgebildet. Die studierte Informatikerin ist Mitverfasserin des Schulbuchs »Saphir« für den Islamischen Religionsunterricht und etlicher weitere Veröffentlichungen. Einen besonderer Arbeitsschwerpunkt Ildems bilden Themen der islamischen Frauenforschung. In Norddeutschland als Kind türkischer Einwanderer geboren und aufgewachsen beschreibt sie ihre Übersiedlung zum Studium nach Köln augenzwinkernd als ihre eigentliche Migrationserfahrung. In einer islamischen Familie erzogen sei das norddeutsch-evangelische Umfeld ihrer Kindheit und Jugend für sie ebenfalls prägend gewesen, so Ildem.

Der Tecklenburger Lehrertag hat seit 27 Jahren einen Stammplatz in den Terminkalendern vieler Lehrerinnen und Lehrer der Region. Er bietet den Pädagoginnen und Pädagogen die Möglichkeit zur fundierten Weiterbildung anhand eines aktuellen Themas der Religionspädagogik und ein Forum für den kollegialen Austausch. Außerdem dient der Tecklenburger Lehrertag zur Stärkung des Verhältnisses der Lehrerschaft zur evangelischen Kirche. Vor diesem Hintergrund begrüßte Altsuperintendent Hans Werner Schneider, der in der vergangenen Woche in den Ruhestand verabschiedet worden war, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Beginn der Veranstaltung, die traditionell am Buss- und Bettag stattfindet. Schneider dankte den Lehrerinnen und Lehrern für ihr großes Engagement und dass sie »ihre ganze Persönlichkeit in die Arbeit einbringen«. Langlebiger als alle Inhalte sei die Erinnerung an Persönlichkeiten, denen man im Leben begegnet sei, so der Altsuperintendent.