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Freitag 29. Januar 2016 | Alter: 180 Tage

"Köln hat das Klima verändert": Mokrosch eröffnet Themenreihe Weite wirkt

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Professor Dr. Reinhard Mokrosch refierierte über den Einsatz von Ehrenamtlichen im Bereich der Integration.

Köln hat das Klima verändert.“ Professor Dr. Reinhard Mokrosch erkennt in dem Vorfall der Silvesternacht eine neue Zeitrechnung, die dafür sorge, dass auch die Menschen in Osnabrück Angst vor Übergriffen hätten, wenn sie in der Dämmerung den Rubbenbruchsee umrunden wollen. „Dabei war die Zahl der Vorfälle dort nie geringer als bisher“, so Mokrosch, der am Donnerstagabend den Auftakt der Veranstaltungsreihe „Weite wirkt – Reformation und die eine Welt“ der Evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Tecklenburg gestaltete. „Wir freuen uns sehr, dass Herr Mokrosch unsere Einladung angenommen hat“, so Adelheid Zühlsdorf-Mäder.

Der Religionswissenschaftler Prof. Dr. Reinhard Mokrosch hat sich unter anderem als langjähriger Leiter der Osnabrücker Friedensgespräche und Gründer des Runden Tisches derReligionen für den interkulturellen Dialog stark gemacht. Vier Grundsätze sind für gelingende Integrationsarbeit entscheidend: Toleranz, Bewahrung von Identität, Gewährung von

Religions- und Weltanschauungsfreiheit sowie Dialog und Kooperation.

Am Donnerstag gab er den rund 50 Interessierten Gästen wertvolle Tipps, was Ehrenamtliche zur Integration beitragen können. „Nehmen Sie die kollektive Angst ernst aber lassen sie sich nicht von ihr unterkriegen“ lautet der erste eindrückliche Appell des Professors. Integration müsse als Herausforderung angenommen und ausgehalten werden. „Vollständige Integration kann bei allen kulturellen, religiösen Unterschieden kaum möglich werden“, so Mokrosch. Ein Mindestmaß an Anpassungsfähigkeit müsse erwartet werden. Des Weiteren führt er aus, dass es eine vollständige Integration nicht gebe. Wünschenswert wäre laut Mokrosch eine Inklusion, die jedoch viel Zeit und guten Willen brauche.

Im Rahmen seines Vortrages sprach Mokrosch auch das Thema der Obergrenzen an: „Obergrenzen sind verfassungsrechtlich nicht umsetzbar, aber halbwegs geordnete Verfahren sind im Interesse aller - auch der Flüchtenden.“ Zentral auch seine Differenzierung zwischen Ein- und Zuwanderung. „Einwanderungsprozesse sind steuerbar, wie in Kanada und den USA. Zuwanderung ist willkürlich und nicht steuerbar.“ Kanada sollte auch als Vorbild beim Thema Inklusion sein, das dort im Alltag verankert sei. Reinhard Mokrosch macht den Ehrenamtlichen dennoch Mut, ihre Arbeit fortzusetzen und den Willen nicht zu verlieren: „Alles, was an Mitmenschlichkeit gepflanzt wird, trägt weiter seine Früchte, auch wenn die Menschen weiterziehen oder sogar zurück müssen.“


Die nächste Veranstaltung in der Reihe „Weite wirkt“ ist am 11. Februar um 18.30 Uhr in der Jugendbildungsstätte Tecklenburg. Dann wird Reiner Ströver als Flüchtlingsbeauftragter des Kirchenkreises in die biblischen Wurzeln einführen und aus seiner langjährigen Erfahrung in dem Arbeitsbereich berichten.