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Samstag 13. Februar 2016 | Alter: 159 Tage

Bachs Johannes-Passion in der Christuskirche

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Am Sonntag, 28. Februar um 19 Uhr führt die Evangelische Kantorei Ibbenbüren zusammen mit dem ensemble musica viva unter der Leitung von KMD Christian Schauerte die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach (BWV 245) in der Christuskirche auf. Die Solisten sind Annette Richter-Westermann (Sopran), Frederike Heller (Alt), Goetz Phillip Körner (Tenor) sowie Peter Alexander Herwig und Matthias Sprekelmeyer (Bass).

Zu Bachs Zeiten wurden die Passionsmusiken im Karfreitags-Gottesdienst aufgeführt - der erste Teil vor, der zweite Teil nach der Predigt. Damit stehen die Bach-Kompositionen in einer seit dem Mittelalter bezeugten, allerdings ursprünglich sehr viel schlichter gehaltenen, über Jahrhunderte hinweg sogar einstimmigen Aufführungstradition, in der zunächst nur der reine Bibelbericht vorgetragen wurde – in den katholischen Kirchen auf lateinisch, in den protestantischen Gottesdiensten auf deutsch.Oratorisch“ wurde die Passion erst durch Einschübe bibelfremder Texte wie Instrumentalsätzen und Arien sowie durch die – ursprünglich für den Gemeindegesang vorgesehenen – Choräle. Freilich bildete diese prächtige Form die Ausnahme: Auch in Bachs Zeit und Wirkungsraum blieb die weitaus schlichtere „responsoriale“, also ausschließlich den Bibeltext wiedergebende Variante im Gebrauch. Vor diesem Hintergrund müssen Bachs Leipziger Passionen als besonders neuartige, besonders prächtige, oratorische Ausarbeitungen jener Gottesdienstmusiken anzusehen sein – mehr noch: sie reizen offenbar das im Rahmen eines Gottesdienstes Möglichen - selbst für damalige, vergleichsweise ausdauernde Gottesdienstbesucher - bis zum letzten aus. So darf Bach zugleich als Schöpfer und Vollender der oratorischen Passion gelten.


Bach führte die Johannes-Passion viermal auf, von denen die erste zu Beginn von Bachs Leipziger Zeit 1724, die letzte ebenda wohl 1749, also in Bachs letzter Lebenszeit stattfand. Die erste und die letzte Fassung des Werkes sind weitestgehend inhaltsgleich, während Bach für die zweite Aufführung im Folgejahr 1725 starke Änderungen vorgenommen hatte. Das wird kaum verwundern, wenn man es aus der pragmatischen Perspektive des Kirchenmusikers betrachtet, der laufend „Neues“ bieten musste.Neu“ war im Jahr 1725 auch, dass Bach der Johannes-Passion zwei Tage später, am Ostersonntag, ein Oster-Oratorium folgen ließ. Dieses Werk (BWV 249) erklingt am Sonntag, 17. April in der Evangelischen Stadtkirche Lengerich um 19 Uhr unter Leitung von Kantor Christoph Henzelmann.


Dass das Oster-Oratorium gegenüber den Bachschen Passionen an Umfang kleiner daherkommt, sagt keineswegs etwas über dessen musikalische Qualität aus, die von befreiender Frische und virtuoser Fröhlichkeit ist. Vielmehr spielen auch hier aufführungspraktische Erwägungen eine Rolle,: Man stelle sich vor, dass ein und derselbe Chor zwei große Oratorien binnen drei Tagen aufführen müsste! Inhaltlich gesehen, drücken die Proportionen beider Werke die relative Gewichtung der beiden Feiertage aus; denn der Karfreitag war gegenüber dem Osterfest, anders als in der heutigen Wahrnehmung, im Barock der weitaus bedeutendere Feiertag, denn Gott könne, so Luther, „nur auf dem Weg des Kreuzes wahrhaft erkannt werden, den er selbst in seinem Mensch gewordenen Sohn gegangen ist.“ So gehören Karfreitag und Ostern, Johannes-Passion und Oster-Oratorium eigentlich untrennbar zusammen.

Die Evangelische Kantorei Ibbenbüren und der Motettenchor Lengerich bieten deshalb ein Kombiticket für beide Konzerte an, das im Vorverkauf zu erwerben ist.

Karten für die Johannes-Passion kosten an der Abendkasse 18 €, ermäßigt 10 €, im Vorverkauf (Buchladen am Alten Posthof, 05451/78045) 15 €, ermäßigt
6 €.

Karten für das Konzert des Lengericher Motettenchores kosten an der Abendkasse 20 €, ermäßigt 7 €, im Vorverkauf (Tourist Information Lengerich, Tel. 05481-82422) 16 €, ermäßigt 5 €. Das Oster-Oratorium wird ergänzt durch die Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“ BWV 225 und die Kantate „Der Himmel lacht! Die Erde jubilieret“ (BWV 31). Es singen Heike Hallaschka (Sopran), Annette Kleine-Rademacher (Alt), Goetz Phillip Körner (Tenor), Michael Nonhoff (Bass) und der Motettenchor Lengerich, begleitet vom Kourion-Orchester Münster, unter Leitung von Christoph Henzelmann.

Das Kombi-Ticket für beide Veranstaltungen, erhältlich an den genannten Vorverkaufsstellen in Ibbenbüren und Lengerich, kostet 28 € (ermäßigt 9 €).