Aktuelles aus dem Kirchenkreis

Donnerstag 03. März 2016 | Alter: 174 Tage

Nuscheln bis der Arzt kommt, sonst gibt’s keinen Groove!

Kategorie: alle Nachrichten
Von: Dietlind Ellerich


Das Abschlusskonzert in der Stadtkirche kam bei den Akteuren und Besuchern bestens an. Foto: Dietlind Ellerich

WESTERKAPPELN. „Zu viel Nachtisch, und die Körperspannung kann ganz schnell den Bach runtergehen“, frotzelt der Mann am Klavier mit Blick auf den Alt und erntet dafür nicht etwa Ärger von den Sängerinnen, sondern schallendes Gelächter. Nicht nur die tiefen Frauenstimmen hadern nach der geschmackvollen Mittagspause mit Ton und Atmung, auch die höheren Lagen und die Männer haben das Optimum an Leistung noch nicht wieder erreicht.

Wolfgang Zerbin, den Mann am Klavier, ficht das nicht an, unermüdlich singt er einzelne Takte vor, wie er sie sich vorstellt, lässt die Sängerinnen und Sänger aufstehen, dann klappt´s auch mit der Körperspannung, und siehe da, schon klingt es, als hätten sie drei Wochen lang geübt.

Es ist der 19. Westerkappelner Gospelworkshop, zu dem sich am letzten Februarwochenende knapp 100 Frauen und Männer im Dietrich-Bonhoeffer-Haus treffen, und es ist die dritte Auflage mit Zerbin, der den großen Chor mit seiner mitreißenden und humorvollen Art nicht nur bei Laune hält, sondern auch gemeinsam mit ihm ein Programm einstudiert, das beim Abschlusskonzert am Sonntag in der Stadtkirche Sänger wie Besucher begeistert.

Modern Gospels, Sacro-pop, Popsongs und Balladen stehen auf dem Probenplan, und der Mann am Klavier weiß genau, wie er von den Teilnehmern das bekommt, was ihm wichtig ist. Mit einem sympathischen Mix aus Fordern und Motivation, Lob und Tadel, Spaß und Humor arbeitet Zerbin mit den Frauen und Männern den Groove heraus. „Nuscheln bis der Arzt kommt, sonst gibt’s keinen Groove“, ist er überzeugt, dass die deutliche Aussprache jeder einzelnen Silbe in Pop und Gospel den musikalischen Tod bedeutet. „Mehr Dreck in der Stimme“, fordert er von allen Stimmlagen ein und warnt die Sänger davor, sich an den Noten festzubeißen. „Ihr kriegt es problemlos hin, wenn ihr zu mir und nicht in die Noten guckt“, macht er deutlich und erinnert die Sänger immer wieder an die zu Text und Musik passende Mimik sowie Körpersprache.

Balladen kosten viel mehr Energie“, mahnt Wolfgang Zerbin zur Geduld, wenn etwas auf Anhieb nicht so klingt, wie er selbst und der Chor es sich vorstellen. Die intensive Probenarbeit am Freitagabend und den ganzen Samstag über macht sich bezahlt. Das Programm sitzt, und Zerbin spart nicht mit Lob. „Nie mehr anders machen“, schwärmt er hingerissen. Die vielen Besucher am Sonntag in der Kirche sehen das ganz genauso.