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Initiatoren des Ibbenbürener Jazz-Festivals gehen neue Wege

Elf Jahre standen die Musik-Workshops der evangelischen Kirchengemeinde Ibbenbüren im Zeichen des Jazz. In diesem Jahr folgte der Neustart mit dem „imbbpro“-Festival. Der Name verweist auf den Inhalt: Improvisation in Ibbenbüren. Geblieben sind der Zeitpunkt am ersten Sommerferien-Wochenende sowie die Spielorte Christuskirche und Gemeindehaus Blick.punkt.

Musikalisch gehen die Organisatoren jedoch neue Wege. Das Team um KMD Christian Schauerte hat die klassische Ensembleimprovisation ins Blickfeld gerückt und das Spektrum bis in die Barockzeit erweitert.

An drei Tagen vermittelte das eingespielte Dozententeam den Teilnehmern grundlegendes Wissen über Formen des Improvisierens. Die Sänger wurden von Christian Schauerte und Jürgen Hecker trainiert. Stimm- und Sprechübungen zu einer Mischung aus Jazz und moderner Klassik führten zu fantasievollen Ergebnissen. Wie Improvisieren mit klassischen Instrumenten funktioniert, erklärten Nicole Goedereis-Buller und Wolfgang Donnermeyer, während Martin Behrens und Oliver Rehmann eine Jazz-Combo formierten. „Man kann mit Freude an die Aufgabe herangehen, denn Fehler gibt es nicht“, stellte Melanie Schlüter fest.

Nach der Werkstattphase folgten am Sonntag zwei Auftritte, die den Besuchern verdeutlichten, welch kreative Kraft in Improvisationen steckt. Die Dozenten begleiteten den morgendlichen Gottesdienst in der Christuskirche. Etwa 80 Zuhörer erlebten eigenwillige Klangmöglichkeiten, die in den oft gesungenen Liedern aus dem Gesangbuch stecken. Nicole Goedereis-Buller (Querflöte), Wolfgang Donnermeyer (Violine), Christian Schauerte (Klavier), Martin Behrens (Gitarre) und Oliver Rehmann (Schlagzeug) unterlegten darüberhinaus die Predigt von Vikarin Judith Schäfer mit eindringlichen Tönen, die den mahnenden Worten eine außergewöhnliche Dimension verliehen.

„In Demut achte einer den anderen höher als sich selbst“, heißt es im Philipperbrief. Dies forderte Judith Schäfer auch von den Menschen in unserer Zeit. Gnade, Friede, Liebe, Barmherzigkeit, Trost und Gemeinschaft dürften nicht verstummen. Der Wochenspruch passe wunderbar zum Ferienbeginn, betonte Vikarin Schäfer. Er lautet „So seid Ihr nun nicht mehr Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen“. Die Lesung über die wundersame Brotvermehrung aus dem Johannesevangelium trug Jürgen Hecker vor.

Am Nachmittag spielten die Dozenten gemeinsam mit den Workshop-Teilnehmern ein großartiges Konzert mit Werken aus fünf Jahrhunderten. Das Gedicht „Im Anfang war das Wort“ von Martin Auer in Form eines Sprechgesangs ging in „Fill My Heart“ von Twila Paris über. Die Besucher erwartete ein fröhliches Festival. Sie konnten in der Kirche herumlaufen, um verschiedene akustische Momente zu erleben. „Turnaround“ von Ornette Coleman war die perfekte Aufforderung dazu. Das Klassik-Ensemble spielte eine Suite, die erst während der Aufführung entstand.

„Bags' Groove“ von Milt Jackson war ein temperamentvoller Jazz-Standard für den mehrstimmigen Chor. Alle Teilnehmer bekamen Gelegenheit, ihr Talent auch solistisch unter Beweis zu stellen. Leonie Deutschmann, die in Herford Kirchenmusik studiert, wurde für ihren Vortrag der Ballade „Peace“ von Horace Silver mit viel Beifall belohnt. Begleitet wurde sie von der Jazz-Combo, die auch mit dem „Phase Dance“ von Pat Metheny und dem Soundtrack zu dem Film „Mo’ Better Blues“ von Bill Lee begeisterte. Nach den Einzelauftritten begann das große Finale mit Musik von Henry Purcell. Der Barockkomponist setzt in dem Lied „If Music Be The Food of Love“ einen Text von Henry Heveningham um. Musiker und Sänger boten eine dynamische Performance in gelungenem Zusammenspiel und freuten sich über den langen Schlussapplaus.

Text: Brigitte Striehn

 

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