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Ökumenischer Begrüßungsgottesdienst der Initiative „Den Kindern von Tschernobyl“

„Wir feiern heut ein Fest“ erschallte es fröhlich zum ökumenischen Begrüßungsgottesdienst durch die Herz-Jesu-Kirche in Ibbenbüren-Püsselbüren. Sogleich stimmten die 35 Mädchen und Jungen, die mit ihren drei Betreuerinnen aus der weißrussischen Gemeinde Svensk gekommen sind, sowie ihre Gastfamilien, mit ein.

„Wir sind vor sechs Tagen nach einer 27-stündigen Busreise in Ibbenbüren angekommen“, so Betreuerin Larisa Popowskaja, die den Gottesdienst für die Gäste aus Weißrussland (Belarus) übersetzt. „In den vergangenen Wochen ging es rund, die Fußballweltmeisterschaft hatte uns fest im Griff, doch was hat Fußball mit unserem Glauben, mit unserer Gemeinschaft zu tun?“ Mit dieser Frage begrüßte der evangelische Pfarrer Reinhard Paul gemeinsam mit Diakon Wilfried van Elten vom Seelsorgeteam der katholischen Gemeinde St. Franziskus in Ibbenbüren, die Gäste aus Nah und Fern.

Im Gottesdienst unter dem Motto: „Wir – ein starkes Team“ entdeckten Jung und Alt sowie die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, zahlreiche Gemeinsamkeiten. Als ökumenische Gemeinde seien alle wie ein Fußballteam aufgestellt, welches ein gemeinsames Ziel hat. „Der Begrüßungsgottesdienst hat das Ziel, Gott zu danken und zu loben für all das Gute, was er den Menschen jeden Tag neu schenkt und dass er diese Ferienaktion begleitet“, so Pfarrer Paul. Bereits zum 26. Mal kam die Gruppe aus dem Dorf Svensk im Bezirk Mogilev ins Tecklenburger Land. Der etwa 220 Kilometer von Tschernobyl entfernte Bezirk gehört zu den am stärksten radioaktiv kontaminierten Gebieten in Weißrussland.

„Bis heute leiden vor allem die Kinder unter der atomaren Verstrahlung. Ihre Immunsysteme sind geschwächt, Tumor-, chronische Erkrankungen, Stoffwechselstörungen und Kinderdiabetes breiten sich zunehmend aus“, erzählt Reinhard Jansing von der Initiative „Den Kindern von Tschernobyl“ aus Ibbenbüren, die jedes Jahr Kinder im Alter von 7 bis 15 Jahren zu einer vierwöchigen Ferienerholung nach Ibbenbüren und Umgebung einlädt. Mehr als 30 Jahre nach der Katastrophe sind heute noch acht von zehn Kindern in Weißrussland krank.

„Im Tecklenburger Land können sich die Kinder und Jugendlichen eine Auszeit vom Leben mit der radioaktiven Strahlung nehmen“, erzählt Doris Heeger aus Mettingen, die seit vielen Jahren mit ihrem Mann Robert Gastfamilie für zwei der Schüler aus Svensk ist. Nach über einem Vierteljahrhundert zeigt sich, dass die vier Wochen in frischer Luft und bei vitaminreicher, unbelasteter Ernährung erheblich dazu beitragen, dass sich die Gesundheit der Kinder verbessert und das geschwächte Immunsystem anfängt, sich zu regenerieren. Die hiesigen Gastfamilien tragen so zu einer Steigerung der Lebensqualität der Kinder bei – ein starkes Team halt.

„Gott hat uns in unserer Initiative mit den Menschen in Weißrussland, die im letzten Weltkrieg unsere Feinde waren, einen neuen Anfang geschenkt, wir sind jetzt ein starkes Team“, sagte Pfarrer Paul in seiner Predigt. In den Fürbitten wünschten sich die Kinder und Jugendlichen aus Svensk und Ibbenbüren, dass alle Kinder, die ins Abseits gedrängt wurden, die durch ihre Behinderung nicht in der Gesellschaft anerkannt sind, die nur auf der Reservebank sitzen, ins Spiel des Lebens integriert werden. Sie machten deutlich, dass egoistische Alleingänge und das Streben nach Macht und Gewalt nicht hilft, sondern nur der friedliche Weg wirklich weiter bringt im Spiel des Lebens. Die Svensker Kinder und der Chor „Melodia“ aus dem Tecklenburger Land, unter Leitung von Lilli Schäfer, setzen mit ihren russischen und weißrussischen Volksliedern in der Landessprache besondere musikalische Akzente. „Noch bis Anfang August wollen wir mit den verschiedensten Aktionen wie Klettern im Kletterwald, Schwimmen im Aaseebad, Besuche im NaturZoo Rheine, der Freilichtspiele Tecklenburg, der Feuerwehr Ibbenbüren sowie des Flughafens in Greven und vielem mehr für Spaß, für Stimmung und Sonnenschein sorgen“, sagte Reinhard Jansing, und dankte dem starken Team für sein Kommen und sein Engagement.

Text: Claudia Keller

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