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"Warum in die Ferne schweifen..."

TECKLENBURG-LEEDEN. „Über den Wolken“ von Reinhard Mey spielen die Musiker, und einige der Gläubigen summen oder singen leise mit. Es ist ein stimmungsvoller Gottesdienst am letzten Julisonntag im Klostergarten der Leedener Stiftskirche. Mitten in die Sommerferien fällt die „Inspiration am Abend“, die das Organisationsteam gemeinsam mit Vikarin Lena Stubben und Pfarrerin Ulrike Wortmann-Rotthoff vorbereitet hat.

„Ich wär gern mitgeflogen“, die letzte Zeile von Meys Lied haben trotz des instrumentalen Vortrags wohl alle auf den Lippen oder zumindest im Sinn. Von Fernweh ist aber nur ein wenig zu spüren. Angesprochen auf ihren Lieblingsplatz nennen die meisten der mehr als 60 Gottesdienstbesucher den heimischen Garten, das eigene Sofa inklusive der Familie, sogar den Arbeitsplatz. Nur wenige gehen über die Tecklenburger Stadtgrenzen hinaus. Getreu dem Motto der Openair-Feierstunde, das sich an Goethe inspiriert.

„Warum in die Ferne schweifen“, die Beantwortung dieser Frage haben sich Geistliche und Gemeinde auf die Fahne geschrieben. „Wenn das Gute liegt so nah“, hatte Goethe selber in seinem Gedicht „Erinnerung“ deutlich gemacht, dass die Heimat voller Lieblingsplätze stecken kann. So sahen es auch die Frauen, Männer und Jugendlichen, die sich gerne auf den kreativ gestalteten Altar einließen. Ein Globus, Kerzen, der „Wat iss dat schön!“- Liegestuhl zur Einstimmung auf den Kirchentag 2019 in Dortmund und der bunte Blumenstrauß sowie Inspirationen zu Lieblingsplätzen im Ohr machten es ihnen einfach, das Ambiente zu genießen.

„Was für ein Bild“, freut sich auch Ulrike Wortmann-Rotthoff. Die Pastorin gibt aber zu bedenken, dass es nicht nur an Äußerlichkeiten wie dem Wetter, dem Hotel oder den Nachbarn liege, wenn es am Lieblingsplatz nicht so schön sei wie erhofft. „Es liegt an und in uns selbst, ob wir entspannen können“, fährt sie fort. „Die Seele baumelt nicht von alleine“, ist sie überzeugt, dass Lieblingsplätze und die Nähe zu Gott zusammengehören. Mit dem Segenskreuz der Ledder Werkstätten wird nun der Altar ergänzt, der Liegestuhl wird umgedreht und lädt dazu ein, Entspannung mit Blick auf das Kreuz zu suchen.

Es sei nicht immer nötig, in die Ferne zu schweifen, nimmt Vikarin Lena Stubben das Thema der „Inspiration am Abend“ auf. „Es gibt viele Entspannungsplätze vor Ort, viele Orte, an denen wir uns Gott nahe fühlen“, macht sie deutlich. Den Platz, an dem sie sich Gott nahe fühlen, stellen sich alle gemeinsam bei leiser Musik und mit geschlossenen Augen vor. Es ist eine Reise ohne Anreise mit dem Rascheln des Laubs, der Wärme der Sonne, der Luft des Sommers, die Nähe zu Gott. Entspannung pur genossen junge und alte Gläubige am letzten Julisonntag im Schatten der Stiftskirche und waren froh, dass sich auf den Weg gemacht hatten, ihren Lieblingsplatz zu finden.

Text: Dietlind Ellerich

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