Unsere aktuellen Nachrichten auf einen Blick

Auf den Spuren der Reformation in Tecklenburg: Superintendent André Ost referiert im Rahmen der Reformierten Sommeruni

„In Tecklenburg nahm die Reformation für das Münsterland ihren Anfang. Man kann sagen, hier steht die Wiege der Reformation dieser Region“ erläutert Superintendent André Ost gegenüber Teilnehmenden der Reformierten Sommer-Uni der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster im Rahmen einer Exkursion nach Tecklenburg.

Anlässlich des 250. Geburtstags des Theologen Friedrich Schleiermacher (1768-1834) bot die Evangelisch-Theologische Fakultät in Kooperation mit der Theologischen Universität Apeldoorn und der Johannes a Lasco Bibliothek Emden vom 19. – 24. August die „Reformierte Sommeruniversität“ an, die von Prof. Anne Käfer, Direktorin des Seminars für Reformierte Theologie der WWU, organisierte wurde. 25 Teilnehmer ließen sich an diesem sonnigen Tag über die Anfänge der Reformation im Münsterland informieren.

„Die Tecklenburger Synode tendierte schon im 19. Jahrhundert zur Consensus-Union und setzte sich für ein Aufbrechen der konfessionellen Unterschiede zugunsten einer gegliederten Union von Lutheranern, Reformierten und Unierten ein“, berichtete Superintendent André Ost am historischen ersten Treffpunkt, der Ev. Stadtkirche Tecklenburg. Die Folge sei das Ablegen der konfessionellen Sondernamen (Ev.-ref.) der Gemeinden unter Beibehaltung des Heidelberger Katechismus als Bekenntnisgrundlage gewesen. Durch die Zuwanderung nach dem 2. Weltkrieg durch Ostpreußen, Pommern und Schlesier sei eine Vermischung der konfessionellen Profile zu beobachten gewesen. Reformierte Akzente wie ein Abendmahlstisch statt Altar seien aber heute noch  in Tecklenburger Kirchen zu finden. Im Rahmen einer landeskirchlichen Visitation unter Leitung von Präses Annette Kurschus im Jahr 2015 habe man sich die Frage gestellt, wie reformiert der Ev. Kirchenkreis Tecklenburg sei. „13 von 17 Kirchengemeinden haben den Heidelberger Katechismus als Bekenntnisgrundlage (vier weitere Gemeinden sind in preußischer Zeit entstanden). Die Frage konnte nicht abschließend geklärt werden. Die reformierte Tradition werde jedoch im Kirchenkreis gepflegt, so Ost weiter. So habe es in den letzten Jahren beispielsweise theologische Vortragsreihen zu Johannes Calvin und zum Jubiläum des Heidelberger Katechismus 2013 gegeben. Die Kreissynode habe einen Synodalbeauftragten für den Reformierten Bund benannt.

 „Die Reformation in Tecklenburg ist eng mit Konrad von Tecklenburg (1501-1557), einem frühen Anhänger der Reformation, verbunden“, berichtete der Superintendent. Die Einführung der Reformation sei schwer datierbar. Sie sei eher als ein Prozess zu verstehen. Konrad von Tecklenburg gehörte als Hofjunker beim Landgraf Philipp von Hessen zu einer Delegation, die am Reichstag zu Worms 1521 teilnahm. „Anzeichen eines neuen Winds durch die Reformation sind in der Grafschaft Tecklenburg eng mit der Jahreszahl 1527 verknüpft“, informierte André Ost die Beteiligten. In diesem Jahr  wurde Hermann Keller neuer Pfarrer In Tecklenburg. Er gilt als erster lutherischer Prediger. 1534 wird Graf Konrad Regent in der ganzen Grafschaft Tecklenburg. „Ab dann wird auf jeden Fall die Reformation gefördert worden sein“, berichtet André Ost. Anna von Tecklenburg (1530-1582), einziger Nachkomme von Graf Konrad, setzte die lutherische Tradition ihres Vaters anschließend fort. Einige stadtbildprägende Bauten wie der Marktplatz und die Schloßstraße gehen auf sie zurück. Mit der Ev. Stadtkirche Tecklenburg veranlasst sie den ersten nachreformatorischen Kirchbau in der Grafschaft Tecklenburg (1562/66). Ihr Sohn Arnold studiert ab 1571 in Straßburg an der Reformierten Akademie. Er tritt 1574 zum Calvinismus über. Zu Weihnachten 1587 wird in Tecklenburg der erste öffentliche reformierte Gottesdienst gefeiert. Ein Jahr später folgt mit der Bentheim-Tecklenburger Kirchenordnung die neue Kirchenverfassung in reformierter Prägung.

Frank Bosse, Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins in Tecklenburg, führte die Exkursionsteilnehmer anschließend zu den Spuren der Familie Krummacher. Die Familie, aus der Pfarrer, Ärzte und Apotheker hervorgingen, spielte in Tecklenburg eine bedeutende Rolle. In der Stadt findet sich das Geburtshaus von Friedrich Adolf Krummacher, einem der bedeutendsten Theologen und Dichter seiner Zeit.

Nach einer erholsamen Kaffeepause berichtete Marielies Saatkamp anschaulich über die Zeit der Hexenverfolgungen und die Freundschaft, die Gräfin Anna von Tecklenburg mit dem Arzt Dr. Johann Weyer verband. „Frauen wurden oft für Dürrekatastrophen oder Krankheiten verantwortlich gemacht und als Hexen verfolgt“, berichtete sie. Weyer verfasste mehrere medizinische Schriften. „Besonders bedeutend ist seine 1563 erstmals gedruckte Dämonologie „De praestigiis daemonum“ (Von den Blendwerken der Dämonen), berichtete Marielies Saatkamp. Sie wurde zum Grundlagenwerk für alle Gegner der Hexenprozesse, indem sie frühere Argumente gegen die Verfolgungen systematisierte. Weyer sah in den angeblichen Hexen vom Teufel irregeleitete schwache Frauen, die der Melancholie verfallen waren und medizinischer Behandlung statt einer Bestrafung bedurften.

Text: Christine Fernkorn

 

 

Zurück