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Bewegender ökumenischer Gottesdienst zur letzten Landeskirchschicht in Ibbenbüren

Die Landeskirchschichten des Verbandes der Berg- und Knappenvereine Nordrhein-Westfalen zeugen seit 1972 von Traditionsverbundenheit, Zusammenhalt und Frömmigkeit der Bergleute in den deutschen Steinkohlerevieren. Der 27. Mai wird als ein besonderes Datum in die Geschichtsbücher eingehen: Es war die letzte Landeskirchschicht in einem noch aktiven Steinkohlenrevier. Im Dezember dieses Jahres werden in Deutschland die letzten beiden Zechen in Ibbenbüren und Bottrop geschlossen. Damit endet im Tecklenburger Land eine fast 500-jährige Erfolgsgeschichte.

Bei der 46. Landeskirchschicht zogen etwa 500 Teilnehmer bergmännischer Traditionsvereine und Musikgruppen unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in einer stimmungsvollen Bergparade durch Ibbenbüren zur St. Mauritiuskirche. Ein bewegender ökumenischer Gottesdienst war Höhepunkt eines Tages voller Emotionen. Vom Einmarsch der Fahnenträger bis zum „Steigerlied“ erlebten die Besucher eine würdevolle Zeremonie, die Pfarrer Andreas Finke von der evangelischen Matthäusgemeinde und Pfarrer Martin Weber von der katholischen St.-Ludwig-Gemeinde gestalteten.

Zu Beginn spielte das Sinfonieorchester des Musikvereins „Glückauf“ unter Leitung von Christopher Wasmuth Ouvertüre und Menuet aus der Orchestersuite „Masques et Bergamesques“ von Gabriel Fauré. Der Einzug der Fahnen und das Lied „Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren“ wurden durch Musiker des Blasorchesters unter Leitung von Georg Stührmann begleitet. Nachdem ein Knappe das Signal zur Einfahrt gegeben hatte, sang der Steigerchor unter Leitung von Wolfgang Lange ein Gebet. Martin Weber hatte zur Lesung einen Text aus der Apostelgeschichte über die Himmelfahrt des Auferstandenen gewählt.

In seiner Predigt zu Worten aus dem neunten Kapitel des Lukasevangeliums nahm Pfarrer Andreas Finke Bezug auf die aktuelle Situation: „Der Steinkohlebergbau endet in Deutschland, das ist schade“. Gedanken an den Niedergang der Textilindustrie und Kirchenschließungen lägen nahe. "Doch was bleibt?“ fragte er. Er wünsche sich, dass der besondere "Spirit" der Bergleute, ihre enge Gemeinschaft, Gottvertrauen, Ringen um Rechte, Stolz auf das Erreichte und Füreinander-Einstehen, erhalten blieben. „Früher war nicht alles besser“, sagte der Pfarrer mit Blick auf die Arbeitsbedingungen unter Tage. Doch vieles sei gut gewesen und es lohne sich, dies weiterzugeben.

Dies kam auch in den Fürbitten, gesprochen von Josef Robbe, zum Ausdruck. Das Lied für die Heilige Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute, erinnerte mit Wehmut daran, dass am Barbaratag, dem 4. Dezember 2018, auf dem Pütt das letzte Signal zur Ausfahrt gegeben wird. Kai Oppermann sprach ein Gebet. Die Worte spiegelten die Sehnsucht der Kumpel nach einer glücklichen Ausfahrt nach der Schicht wider. Zum Auszug der Pfarrer und der Fahnen erklang kraftvoll aus hunderten Kehlen „Glückauf, Glückauf! Der Steiger kommt“. Der Bergmannsgruß gehört im Tecklenburger Land zum Alltag.

„Bergbau ist viel mehr als ein Industriezweig, es ist ein Lebensgefühl“, hatte der Vorsitzende des Knappenvereins Tecklenburger Land bei der Eröffnung vor dem Rathaus festgestellt. „Der Gedanke an stehende Seilscheiben und verfüllte Schächte erfüllt unsere Herzen mit Trauer“, machte Harald Böhm deutlich. Bürgermeister Dr. Marc Schrameyer betonte, dass die Kohle die Region stark gemacht hat. „Wir werden das Erbe aufnehmen und für nachfolgende Generationen bewahren“, so Dr. Schrameyer. Der Bundesvorsitzende des Bundes Deutscher Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine, Kurt Wardenga, verwies auf die tief verwurzelte Frömmigkeit der Bergleute, die nicht von ungefähr für ihre schwere und gefahrvolle Arbeit unter Tage den Schutz des Himmels erbaten. Gesang und Gebet seien über Jahrhunderte für die Lebensweise der Kumpel prägend gewesen. Der Musikverein „Glückauf“ Anthrazit Ibbenbüren, der Bergmannschor Concordia Dinslaken und die Volkstanzgruppe Laggenbeck bewiesen dies bei ihren gefühlsbetonten Auftritten. Dr.Heinz-Werner Voß, Geschäftsführer der RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH, dankte der hochmotivierten Mannschaft der Zeche, die bis zuletzt mit großem Engagement arbeite. Friedhelm Hundertmark, Bezirksleiter der Gewerkschaft IG BCE, rief Solidarität und Einigkeit ins Gedächtnis und sah die Weichen im Tecklenburger Land in die Zukunft gestellt.

Text: Brigitte Striehn

 

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